29.08.2012

Bernd Krauss über Gladbach im Europapokal

»Was für ein Sprint! Ich bin heute noch außer Atem!«



Auch wenn es heute nicht zur Champions-League-Qualifikation reichen sollte: Borussia Mönchengladbach ist zum ersten Mal seit 1996 wieder im Europapokal dabei. Dass es dort tolle Geschichten zu erleben gibt, weiß kaum jemand besser als Gladbachs ehemaliger Spieler und Trainer Bernd Krauss.

Interview: Christoph Erbelding Bild: Imago

Ein Jahr vor den Spielen gegen FC Arsenal traten Sie im Pokal der Pokalsieger an. Welche Erinnerungen sind haften geblieben?
In der ersten Runde spielten wir gegen Sileks Kratovo aus Mazedonien. Wenn wir heute darüber sprechen, muss ich mir immer wieder Sprüche anhören. »Was hast du uns damals verrückt gemacht! Uns Märchen erzählt, wie stark die sind!« (lacht) Aber was hätte ich machen sollen? Meinen Spielern erzählen, dass wir locker weiterkommen? Als Trainer darf man manchmal nicht die Wahrheit sagen. Mir war klar, dass wir in Normalform keine Probleme bekommen.



Sie schlugen Kratovo mit 3:0 und 3:2. Danach ging es zunächst gegen AEK Athen und dann gegen Feyenoord Rotterdam.
Da hat man die weniger angenehme Seite des Europapokals gesehen. Beide Spiele waren von Gewalt geprägt. In Athen wurden wir mit Steinen beworfen, als wir mit dem Mannschaftsbus am Stadion ankamen. Wir blieben jedoch cool und gewannen mit 1:0. Rotterdam war noch extremer.

Was passierte?


Vor dem Rückspiel gab uns die niederländische Polizei den Hinweis, dass es besser wäre, mit einem niederländischen Bus anzureisen. Sie hatte Hinweise bekommen, dass einige Rotterdamer Fans auf der Autobahn einen Anschlag auf uns planten. Nachdem wir die 20 Kilometer von Gladbach bis nach Venlo hinter die Grenze gefahren waren, wartete dort also ein Bus mit niederländischem Kennzeichen, in den wir umstiegen, um auf der Autobahn nicht erkannt zu werden.



Half der Buswechsel?
Ja. Auf der Autobahn passierte nichts. In Rotterdam verschwanden wir schnell ins Stadion. Wie ich später erfuhr, wurden unsere Fans, die mit dem Zug anreisten, nach der Ankunft mit Kartoffeln beworfen, in denen Nägel steckten.



Ließ sich Ihre Mannschaft beeindrucken?


Dass wir nach dem 2:2 im Hinspiel durch eine 0:1-Niederlage rausflogen, hatte damit nichts zu tun. Rotterdam hatte eine gute Mannschaft.






Im UEFA-Pokal scheiterten Sie 1996 nach den Siegen über Arsenal in der zweiten Runde am AS Monaco. War das auch verdient?
Definitiv. Monaco wurde später französischer Meister. Victor Ikpeba und Thiery Henry bildeten das Sturmduo. Wir machten Fehler, Monaco bestrafte sie eiskalt. So wie die Borussia vor einer Woche gegen Kiew. Nach dem Hinspiel, das wir zu Hause 2:4 verloren, tat sich auch unser Präsident wieder hervor. Er forderte mich öffentlich auf, ihm zu erklären, warum Henry so schnell und unsere Abwehrspieler so langsam seien. Daran musste ich immer denken, als Henry später beim FC Arsenal ganz Europa aufmischte (lacht).

Das Hinspiel gegen Monaco wurde auch von einem Boulevard-Thema begleitet: Stefan Effenbergs Frau Martina erwartete ein Kind.

Effe wollte bei der Geburt dabei sein, doch die Sache zog sich hin. Die Medien begleiteten dieses Thema fast ausführlicher als unser Spiel. Als wir in den Bus stiegen, um zum Spiel zu fahren, sagte ich zu Effe. »Jetzt ist Feierabend.« Er musste spielen. Sein Kind kam einige Tag später zu Welt. Es war ein ganz schönes Hickhack, aber ehrlich gesagt nicht ausschlaggebend für unser Ausscheiden.



Die Europapokalspiele gegen Arsenal und Monaco bestritt die Borussia nicht in Gladbach, sondern in Köln. Ein Nachteil?


Als Trainer war ich pro Bökelberg. Das war unsere Heimat. Dort war es eng und stimmungsvoll. Aber gegen die finanziellen Argumente konnte ich dann auch nichts mehr ein einwenden. In Gladbach hätten uns nur 15.000 Zuschauer unterstützen dürfen. Das hätte sich in einem Europapokalspiel nicht gerechnet.



Wie sich Borussia Mönchengladbach in der Vergangenheit im Europapokal schlug, seht ihr auch in unserer Bildergalerie!

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