29.08.2012

Bernd Krauss über Gladbach im Europapokal

»Was für ein Sprint! Ich bin heute noch außer Atem!«



Auch wenn es heute nicht zur Champions-League-Qualifikation reichen sollte: Borussia Mönchengladbach ist zum ersten Mal seit 1996 wieder im Europapokal dabei. Dass es dort tolle Geschichten zu erleben gibt, weiß kaum jemand besser als Gladbachs ehemaliger Spieler und Trainer Bernd Krauss.

Interview: Christoph Erbelding Bild: Imago

Bernd Krauss, Borussia Mönchengladbach ist zurück in Europa und hofft heute Abend auf das Wunder von Kiew: den sensationellen Einzug in die Champions League. Glauben Sie noch daran?
Im Fußball kann alles passieren. Wahrscheinlich geht es aber in der Europa League weiter. Und das ist ja auch schon ein gewaltiger Sprung. Vom Abstiegskandidaten direkt zum Champions-League-Teilnehmer ist dann vielleicht auch des Guten zu viel.

In der Champions League wäre allerdings ein Duell gegen den FC Arsenal möglich. Ein Gegner, der der Borussia liegt, wie Sie als Gladbacher Trainer in der Saison 1996/97 bewiesen haben.


(lacht) Arsenal war damals schon ein Spitzenteam. Einige Leute im Verein hatten die europäische Saison nach der Auslosung schon abgehakt. Ich sagte ihnen: Wir müssen erstmal spielen, danach wird der Kuchen verteilt.

Sie schlugen Arsenal in ersten UEFA-Cup-Runde auswärts und zu Hause jeweils mit 3:2. Hört sich nach einem souveränen Erfolg an.
Wir hatten auch Glück. Gerade im Hinspiel. Schiedsrichter Urs Meier zeigte gegen Ende der Partie an, dass er fünf Minuten nachspielen lassen würde. Das hat uns überrascht, denn eine so lange Nachspielzeit war damals unüblich. Uns sind in diesen fünf Minuten dann die Bälle nur so um die Ohren geflogen. Arsenal hatte Möglichkeiten, um das 3:3 oder sogar noch das 4:3 zu erzielen. Als Meier abpfiff, habe ich ganz schön durchgeschnauft.



Waren Sie danach der Held von Gladbach?
Von wegen. Als ich mich nach dem Schlusspfiff zur Ersatzbank umdrehte, stand mein spezieller Freund (Gladbachs damaliger Präsident Karl-Heinz Drygalsky, d. Red.) vor mir. Anstatt zu gratulieren, schnaubte er: »Das Gegentor zum 2:3 war ja wohl unnötig.« 



Wie haben Sie reagiert?



Ich habe nichts dazu gesagt und bin direkt in die Kabine zu den Jungs. Es war mir wichtiger, den Erfolg mit den Spielern zu genießen, anstatt eine sinnlose Diskussion zu führen. Es gibt nicht viele deutsche Teams, die mal ein Europapokalspiel in England gewonnen haben. Selbst wenn wir danach noch ausgeschieden wären, würde der Sieg von Arsenal noch heute als ganz besonderes Datum in der Gladbacher Geschichte stehen.

Werden Sie heute noch darauf angesprochen?
Wenn ich meine Spieler von damals sehe, flachsen wir öfters über die alten Zeiten. Vor einem Jahr saß ich mit Kalla Pflipsen und Peter Wynhoff in der Buisness-Lounge im Borussia-Park. Plötzlich entdeckten wir ein besonderes Bild aus dem Spiel in London. Ich bin erstmal aufgestanden und näher hingegangen, weil ich es nicht glauben konnte.

Was war auf dem Bild zu sehen?
Hubert Fournier, ein französischer Innenverteidiger, an den sich heute viele Gladbach-Fans wahrscheinlich gar nicht mehr kennen. Er hat es sich nach seiner überragenden Leistung auf jeden Fall verdient, dort wieder verewigt zu sein. (lacht)

Gab es weitere Spieler, die damals herausragten, von denen man es eigentlich nicht erwartet hätte?
Stephan Paßlack machte als Außenverteidiger einen so guten Job, dass er einen Monat später Nationalspieler wurde. Stefan Effenberg als Leader war natürlich extrem wichtig für die Mannschaft. Er war das Mosaiksteinchen, das wir noch gebraucht hatten, um uns nach langjähriger Abstinenz überhaupt wieder für den Europapokal zu qualifizieren.

Wie sich Borussia Mönchengladbach in der Vergangenheit im Europapokal schlug, seht ihr auch in unserer Bildergalerie!

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