14.03.2007

Bernd Krauss im Interview

„Sagenhaftes Pech“

Jürgen Röber hat sein Amt beim BVB niedergelegt. Sein Fall ist symptomatisch für den Trainer als Feuerwehrmann: Ehe er sich versieht, steht er selbst in Flammen. So wie Bernd Krauss, der 2000 von elf Spielen mit dem BVB nicht eines gewann.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago


Wenn Parolen schon nichts bringen – blieb Ihnen in Dortmund wenigstens ein bisschen Zeit, die Mannschaft kennen zu lernen und gezielt auf die Einzelspieler einzuwirken?

Nein. Man muss als Trainer darauf hoffen, dass die Jungs ihr Selbstvertrauen auf dem Platz zurückgewinnen.

Das klappte nicht. In den elf Spielen, bei denen Sie auf der Trainerbank saßen, gelang der Mannschaft kein Sieg. Wie kam das nur?

Das rührte zum einen von den schlechten Bedingungen her, die ich vorfand. Dann hatten wir phasenweise 13 Verletzte, das ist kaum zu kompensieren. Und wir hatten ein sagenhaftes Pech in den Spielen. So oft wie wir kann man die Latte eigentlich gar nicht treffen. Trotzdem denke ich nach wie vor, dass auch ich den BVB vor dem Abstieg gerettet hätte – spätestens, wenn all die Verletzten zurückgekehrt wären.

Wann hatten Sie erstmals das Gefühl, dass Ihre Zusammenarbeit mit dem BVB ein Missverständnis sein könnte?

Schon nach drei Tagen. Es war ein Fehler, dass ich nicht zu diesem Zeitpunkt hingeschmissen habe.

Wie funktionierte die Kommunikation mit der Mannschaft, als die schwarze Serie ihren Lauf nahm?

Aus meiner Sicht ganz gut. Aber vorsichtshalber sollten Sie auch die Spieler noch mal fragen.

Der Druck, den das Umfeld ausübte, muss enorm gewesen sein. Hatten Sie Fluchtgedanken?

Nein. Natürlich sind die Erwartungen in Dortmund sehr hoch, aber das ja auch nicht von ungefähr. Wenn der Verein dann unten rein gerät, ist die Enttäuschung zu Recht groß. Ich wurde aber nie persönlich angegriffen – vielleicht auch, weil ich gebürtiger Dortmunder bin.

Haben Sie die Entwicklung Jürgen Röbers beim BVB verfolgt?

Aus der Ferne, ja.

Erkennen Sie die Parallelen?

Die drängen sich auf. Jürgen Röber kam, so wie ich auch, in einer unbefriedigenden Situation und sollte den Verein wieder nach oben führen. Das ist ihm ebenso wenig gelungen wie mir. Die Erwartungen waren in seinem Fall aber noch weitaus höher, weil er ja gleich im ersten Spiel die Bayern schlagen konnte – das war ungünstig.

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