14.03.2007

Bernd Krauss im Interview

„Sagenhaftes Pech“

Jürgen Röber hat sein Amt beim BVB niedergelegt. Sein Fall ist symptomatisch für den Trainer als Feuerwehrmann: Ehe er sich versieht, steht er selbst in Flammen. So wie Bernd Krauss, der 2000 von elf Spielen mit dem BVB nicht eines gewann.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Herr Krauss, als Sie den BVB an jenem 18. Spieltag der Saison 1999/2000 übernahmen...

... daran kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern (lacht)!

War Ihnen damals im Entferntesten klar, wie schwer Ihre Aufgabe werden würde?

Nein, ganz und gar nicht. Im Nachhinein muss ich auch sagen, dass es ein Fehler war, den BVB zu diesem Zeitpunkt zu übernehmen. Ich hätte in der Winterpause anfangen sollen, dann hätte ich viel mehr Zeit gehabt, die Mannschaft kennen zu lernen und Korrekturen vorzunehmen.



Sie hatten vorher über lange Phasen bei Gladbach und San Sebastian gearbeitet. Wie kamen die Dortmunder Verantwortlichen auf Sie als Feuerwehrmann?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich habe mit Gladbach immer gut in Dortmund ausgesehen, vielleicht hat das den Ausschlag gegeben.

In Hamburg kaserniert Huub Stevens seine Spieler, nachdem Thomas Doll die Leine lang gelassen hat. Muss ein neuer Trainer zwangsläufig das Gegenteil seines Vorgängers darstellen?

Wie soll er das fertig bringen? Er hat keine Zeit, sich mit dem Stil seines Vorgängers zu befassen. Und ohnehin ist er gut beraten, bei seinem eigenen Stil zu bleiben. Sonst wird er unglaubwürdig.

In welchem Zustand fanden Sie die Dortmunder Mannschaft vor?

Zunächst einmal waren die Trainingsbedingungen extrem schlecht. Jeden Tag musste ich von Neuem planen, wo wir trainieren, so matschig und kaputt waren die Plätze. Auch die Mannschaft war in einem überraschend schlechten Zustand. Ich selbst dachte noch, dass ich jetzt endlich mal mit einer Top-Truppe arbeiten könnte: Kohler, Reuter, Bobic, Ikpeba. Aber die Jungs waren mit hohen Erwartungen in die Saison gegangen und gerieten dann unten rein. Dem waren sie psychisch nicht gewachsen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt heute in einem satirischen Artikel über ein Handbuch, das angeblich von Udo Lattek geschrieben wurde und von Feuerwehrmann zu Feuerwehrmann weitergegeben wird. Darin sollen Sätze stehen wie: „Wir müssen Gras fressen“ „Das ist jetzt eine Charakterfrage“ und „Ich werde den Laden aufräumen“. Welche Rolle spielt Suggestion im Abstiegskampf?

In meinen Augen eine sehr geringe. Mit solchen Sätzen erreicht man niemanden. Es ist eine Fehlannahme, dass die Spieler auf so etwas anspringen. Deutschland ist die letzte Bastion dieses Klischees. Ich habe in Spanien beim abstiegsgefährdeten CD Tenerifa gearbeitet. Dort hätten Sie überhaupt nicht verstanden, wovon ich rede.

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