Bernd Hollerbach über Würzburg, Magath und wilde Partys

»Ich habe kein Fest ausgelassen«

Bernd Hollerbach war jahrelang der Mann an Felix Magaths Seite, nun steht er als Cheftrainer mit den Würzburger Kickers auf Platz eins der Regionalliga Bayern. Dabei wäre er beinahe gar kein Profi geworden – wäre da nicht eine Kneipen-Bekanntschaft gewesen.

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Vermissen Sie Felix Magath?
(überlegt) Ob ich ihn vermisse?
 
Ja.
Ich habe mit Felix viele Jahre vertrauensvoll und erfolgreich zusammengearbeitet. Jetzt geht er seine Wege, und ich gehe meine. Ich bin Felix sehr dankbar für die Zeit.
 
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen?
Nein. Ich beschäftige mich jetzt mehr mit der Gegenwart als mit der Vergangenheit.
 
Wie sehr hat Magath Sie in Hamburg geprägt, als Sie sein Spieler waren?
Ich hatte viele Trainer. Felix hat mich aus Kaiserslautern geholt und gefördert. Er ist ein absoluter Profi, ich habe viel von ihm gelernt: Disziplin, Ordnung und Dinge über die körperliche Fitness. Aber ich versuche natürlich, meinen eigenen Weg zu gehen. Es macht keinen Sinn, irgendjemanden zu kopieren, man muss authentisch bleiben. Jeder ist eine eigene Person.
 
Ihre Karriere begann bei den Würzburger Kickers. Wie kam es zum Wechsel zum FC St. Pauli?
Es gab in Bamberg eine Kneipe namens Maisel-Keller, in die ich häufig gegangen bin. Die Kneipe gehörte Bubi Blum, der ein großer Förderer des Amateurfußballs war, ein Fußballverrückter. Bubi kannte wiederum Herbert Liedtke (Ex-Manager von St. Pauli, d. Red.) und hat mich gefragt, ob ich Interesse an einem Wechsel habe.
 
Sie verdanken Ihren Profivertrag beim FC St. Pauli also einer Kneipenbekanntschaft?
Gewissermaßen. Ich fuhr hoch nach Hamburg und absolvierte ein Probetraining. Schließlich sagte der damalige Trainer Helmut Schulte: »Du bleibst sofort hier.« Also wechselte ich in der Winterpause 1991 zum FC St. Pauli.
 
Da waren Sie schon 22 Jahre alt. Warum sind Sie so spät in den Profifußball gewechselt?
Ich hatte schon früher die Möglichkeit, zu einem Profi-Klub zu gehen, aber meine Familie hatte eine Firma zu Hause. Es war eigentlich vorgesehen, dass ich in den Betrieb einsteige. Deswegen habe ich erst meine Metzger-Lehre gemacht. Danach war ich noch bei der Bundeswehr.

Sie haben in einem Interview mal gestanden, dass Sie ihre Jugend »zu Genüge ausgekostet haben«. Wie können wir uns das vorstellen?
Wenn man jung ist, muss man so leben, wie man im Amateurfußball leben muss.
 
Was heißt das?
Ich war schon immer ein lustiger Vogel, war viel unterwegs, habe viel gefeiert. Aber ich war auch immer einer, der nach Partys viel gearbeitet hat. Ich konnte meinen inneren Schweinehund ganz gut überwinden.
 
Hin und wieder erschienen Sie also mit Kater beim Training?
Ja, ich habe halt kein Fest ausgelassen, als ich jung war – die Weinfeste in Würzburg zum Beispiel. Deswegen kam das Professionelle erst später. Es ist eben auch ein Unterschied, ob man Fußball als Hobby spielt oder zu seinem Beruf macht.

Ausgerechnet in Hamburg, beim FC St. Pauli, sind Sie ruhiger geworden.
Wir haben auch da schöne Feste gefeiert. Wir waren schließlich eine junge Mannschaft. und da ist es klar, dass man nach dem Spiel auch mal weggeht und Spaß hat. Aber natürlich nicht mehr in dem Maße, wie es im Amateurfußball üblich war.

Hat da auch mal einer über die Stränge geschlagen?
(grinst) Wir waren immer geschlossen unterwegs, wir waren ein eingeschworener Haufen.

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