29.01.2008

Bernd Hollerbach im Interview

„Ich habe immer alles gegeben“

Bernd Hollerbach war beim FC St. Pauli ein Held. Doch als er über Lautern zum HSV gewechselt war, wurden die „Ho-Ho-Hollerbach“-Rufe in „Ho-Ho-Hochverrat“ umgeschrieben. Wir sprachen mit ihm über das Sakrileg.

Interview: 11Freunde Bild: imago
Aber dann haben Sie den Verein verlassen.

Ja. Das war doch ein schöner Abschluss.

Was macht für sie den Mythos St. Pauli aus? Was ist das Besondere am Verein und an den Fans?


In dem Stadion sind alle gleich. Egal, ob das jetzt ein Rektor ist oder ein Doktor oder jemand aus der Hafenstraße. Alle Schichten sind da vertreten und kommen gut zurecht. Das finde ich toll.

Wenn man als junger Spieler zu St. Pauli kommt, ist das so wie man es erwartet?

Es hat eigentlich alles übertroffen. Es war viel aufregender, als ich es mir vorgestellt habe. Diese tollen Fans, dieser Rückhalt, den sie uns zu Hause immer gegeben haben, das war für mich als junger Spieler eine super Zeit. Ich bin dem Verein auch sehr dankbar, dass ich mich dort entwickeln konnte. Ich durfte spielen, was sehr wichtig ist für einen jungen Spieler. Dafür ist der Verein einfach super.

Mussten Sie lange überlegen, als Sie ein Angebot von St. Pauli hatten?


Es hat damals auch andere Angebote gegeben. Aber ich war dann zum Probetraining da und die haben mich einfach nicht mehr weggelassen. Eigentlich wollte ich erst im Sommer wechseln, aber die Verantwortlichen haben mich sofort unter Vertrag genommen. Die haben mir eigentlich keine Chance gegeben, mich mit anderen Vereinen zu treffen.

Was sind Ihrer Meinung nach die krassesten Unterschiede zwischen dem HSV und St. Pauli?

Das lässt sich schwer vergleichen. Die HSV-Fans kommen eher aus dem Umland, wogegen die Pauli-Fans eher aus der Stadt kommen. Außerdem ist der HSV natürlich ein riesiger Traditionsverein, der auch sportlich sehr große Erfolge erzielt hat. St. Pauli lebt mehr von seinem Underdog-Image. Die Leute lieben ja meist die Underdogs.

Haben Sie das Gefühl, dass sich der Verein seit ihrer Zeit sehr verändert hat? Stichwort: Stadionbau und Kommerzialisierung.

Ich denke, dass es diesen Kult St. Pauli immer geben wird. Und ich glaube nicht, dass auf St. Pauli zu viel kommerzialisiert wird. Man muss natürlich mit der Zeit gehen, und man hat immer Auflagen vom DFB zu erfüllen, was die Sicherheit betrifft. Aber ich denke, so wie das Stadion jetzt gebaut wird, klein und englisch, werden sie es auf St. Pauli lieben. Außerdem ist der Standort am Heiligengeistfeld toll. Es ist ja nicht so, dass die Fans jetzt in die Nordbank-Arena müssen. Für den St. Pauli-Fan war immer wichtig, dass am Millerntor gespielt wird.

Die Fans wehren sich aber beispielsweise gegen die Einführung des „Millerntalers“. Zu Recht?

Ich finde, „Millerntaler“ klingt toll. Marketingtechnisch hat St. Pauli doch schon einige Erfolge gefeiert. Die sind doch dafür bekannt, dass sie sich immer was Besonderes einfallen lassen. Ich finde die Geschichte eigentlich witzig. Und wenn die Sache dann auch noch Geld bringt, damit der Verein wettbewerbsfähig ist und bleibt, dann haben doch alle was davon.

Wo sehen Sie Zukunft des Vereins?

St. Pauli hat durchaus seine Möglichkeiten. Man merkt, dass es aufwärts geht im Verein. Sie haben den Aufstieg in die Zweite Bundesliga geschafft, was sich ja lang als schwierig herausgestellt hat. Außerdem haben sie mit Holger Stanislawski einen Mann, der den Verein kennt, der weiß, was da los ist, und gute Arbeit macht. Ich könnte mir schon vorstellen, dass die irgendwann wieder erste Liga spielen können. Und für die Stadt und die Fans gäbe es, glaube ich, nichts Schöneres. Für mich als Spieler waren die Derbys immer die Highlights. Ich glaube, dass die Fans danach lechzen, wieder ein Derby in Hamburg auszutragen. Und ich drück’ den Verantwortlichen auf St. Pauli die Daumen, dass es wieder in die erste Liga geht.

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