Wie war das Verhältnis zwischen Frankfurtern und Bayern? Bernd Hölzenbein: Es gab Mannschaften, mit denen wir uns gar nicht verstanden haben. Mit den Kölnern zum Beispiel. Aber die Bayern sind wie wir Süddeutsche, da haben wir uns gut vertragen. Gerd Müller habe ich einmal im Urlaub in Riccione getroffen und dann mit ihm am Strand gekickt.
War es schwer gegen die Bayern zu spielen? Bernd Hölzenbein: Ich habe damals immer Mittelstürmer gespielt, nur in der Nationalelf war ich notgedrungen Außenstürmer. Da gab es noch Manndeckung und gegen »Katsche« Schwarzenbeck hattest du keine Chance. Aber wenn du einmal an ihm vorbei warst, dann war der Franz kein Problem mehr. Beckenbauer war ein klasse Fußballer, aber nicht im Abwehrverhalten. Er hat immer versucht, alles spielerisch zu lösen, das kam mir entgegen.
Lief es auch für die Mannschaft so gut? Bernd Hölzenbein: Gegen die Bayern haben wir die besten Spiele gemacht, da sind wir gelaufen, da waren wir motiviert. Zu der Zeit wurden unsere Prämien nach Zuschauern bezahlt. Damals kamen kaum mehr als 20.000 Zuschauer. Aber gegen die Bayern waren es immer 60.000, da gab es einmal 6000 Mark pro Spieler! Sonst gab es höchstens 500.
Also alles eine Frage der Prämien? Bernd Hölzenbein: Völliger Quatsch! Denn auch die Auswärtsprämien wurden nach dem letzten Heimspiel berechnet. Da sind wir dann zum Tabellenletzten nach Oberhausen gefahren, mit der höchsten Prämie der Vereinsgeschichte vor Augen, und haben sang- und klanglos mit 0:1 verloren.
Ärgerlich. Bernd Hölzenbein: Sehr ärgerlich, aber das war typisch Eintracht Frankfurt. Daher kommt auch der Spitzname »Launische Diva«. Wir waren gut, aber nie beständig. Deshalb ist unsere Generation auch nie Meister geworden.
Einer der wenigen Auswärtssiege war 1976 ein 3:0 in München, sie erzielten zwei Tore. Bernd Hölzenbein: Ich habe sogar einen Elfmeter geschossen, dafür hatte ich sonst nie die Nerven. Aber da habe ich gedacht: Der Sepp Maier hält eh keinen, da kannst du es mal probieren. Und so war’s dann auch. Der Sepp hat wirklich keinen gehalten. Er war kein Elfmeterkiller, ist immer in der Mitte stehen geblieben oder hat sich in die Ecken gelegt.
Welches war die schlimmste Niederlage? 1972 verloren Sie einmal 3:6 in München. Bernd Hölzenbein: Ja? Da war ich auch noch nicht so gut. Ich bin erst nach 1972 besser geworden.
Sie waren immerhin einer der besten Bundesligaspieler der Siebziger Jahre. Hatten Sie nie ein Angebot von den Bayern? Bernd Hölzenbein: Nein, nie, auch von anderen Klubs nicht. Damals musste man erst einmal die Ablösesumme aufbringen, das konnte kein Verein verkraften. Wenn du ein Angebot gemacht hast, wurde das mit dem Faktor des Klubs verrechnet und Bayerns Faktor war hoch. Dadurch war alles ausgeglichener. Wenn dagegen heute Karl-Heinz Rummenigge noch mehr Fernsehgeld für die Großen fordert, dann fürchte ich, dass es irgendwann langweilig wird in der Liga.
Bayern ist Frankfurt mittlerweile ziemlich davongezogen. Bernd Hölzenbein: Auf jeden Fall. Dabei war der Unterschied bis Ende der Achtziger Jahre nicht so groß. Zu der Zeit wollten auch die Bayern Anthony Yeboah, aber ihr Angebot war nicht entscheidend höher als unseres. Ihr Etat war höchstens doppelt so groß, jetzt beträgt er ein Vielfaches. Das ist schade. Es geschehen aber immer noch Wunder, nur nicht mehr ganz so häufig.