Bernd Hölzenbein über Frankfurt-Bayern

»Franz war kein Problem«

Frankfurts Sturmlegende Bernd Hölzenbein spricht vor dem Spiel gegen Bayern über Duelle auf Augenhöhe, Tischtennisturniere, eigenwillige Prämiensysteme und wie einfach es war, an Beckenbauer vorbei zu kommen. Bernd Hölzenbein über Frankfurt-BayernImago

Bernd Hölzenbein, mit welchen Gefühlen geht man heutzutage als Frankfurter in das Duell gegen die Bayern?

Bernd Hölzenbein: Früher waren das Duelle auf Augenhöhe. Das ist heute nicht mehr so.

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Während Ihrer aktiven Zeit gewannen beide Teams in allen Wettbewerben je 14 Mal gegeneinander.

Bernd Hölzenbein: Ich habe immer gerne gegen die Bayern gespielt. Gegen die habe ich auch mit die meisten meiner 160 Bundesligatore geschossen (es waren 10 Tore in 24 Spielen; d. Red.). Aber da findet auch eine Verklärung der Vergangenheit statt. Die Leute meinen heute, dass wir früher fast immer gegen die Bayern gewonnen haben. Das stimmt natürlich nicht. Sie wissen wie das ist: Wenn die älteren Spieler zusammensitzen, kann man sich überhaupt nicht mehr an irgendeine Niederlage erinnern. Und wenn, dann war der Schiedsrichter schuld.

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Immerhin konnten die Bayern zwischen 1971 und 1989 nicht in Frankfurt gewinnen. Welches Spiel ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Bernd Hölzenbein: Kurz vor der WM 1974 schlugen wir die Münchner im Halbfinale des DFB-Pokals. Da haben sich alle aufgeregt, dass ich einen Elfmeter geschunden haben soll.

War das eine Art Generalprobe für das WM-Finale?

Bernd Hölzenbein: Nein, das war eine ganz andere Situation. Ich zog in der letzten Minute an Abwehrspieler Johnny Hansen vorbei, er traf mich mit dem Ellbogen im Gesicht. Den Elfer verwandelte Jürgen Kalb prompt zum 3:2. Der Sepp Maier konnte sich gar nicht mehr beruhigen, auch Udo Lattek schrie herum. Abends war Schiedsrichter Heinz Aldinger dann im ZDF-Sportstudio und sie haben die Szene hin- und hergespult. Da hat man gesehen, dass es ein klares Foul war.

Sie holten noch einen zweiten Elfmeter heraus, den Jürgen Grabowski verschoss.

Bernd Hölzenbein: Was heißt denn hier »herausholen«? Ich bin zwei Mal böse gefoult worden! Das Elfmeter-Thema wurde nur durch die WM und die zwei Strafstöße gegen die Bayern hochgekocht. Es gibt leider keine endgültige Statistik, aber ich bin gar nicht so oft gefoult worden. Es werden immer mehr alte Spiele statistisch ausgewertet, da hoffe ich, dass mich die Datenbanken einmal rehabilitieren können.

Gab es dann während der WM böses Blut?

Bernd Hölzenbein: Da waren wir wieder Freunde. Nur Gerd Müller hat mir unfaire Mittel vorgeworfen.

Im Spiel?


Bernd Hölzenbein: Nein, beim Tischtennis. Er war der ungekrönte Tischtenniskönig und konnte sich gar nicht vorstellen, dass ihn jemand zum Schneider macht, also 21 zu 11 oder gar höher gegen ihn gewinnt. Gerd hat sich beschwert, dass ich als Profi gar nicht mitspielen dürfte, weil ich damals Tischtennis in der Bezirksliga gespielt habe.

Wie haben Sie das Problem gelöst?

Bernd Hölzenbein: Eine Zeitung hatte eine Münze für den Turniersieger ausgelobt. Sie haben dann Gerd und mir jeweils eine verliehen. Ich habe außer Konkurrenz gespielt.

Wie war das Verhältnis zwischen Frankfurtern und Bayern?

Bernd Hölzenbein: Es gab Mannschaften, mit denen wir uns gar nicht verstanden haben. Mit den Kölnern zum Beispiel. Aber die Bayern sind wie wir Süddeutsche, da haben wir uns gut vertragen. Gerd Müller habe ich einmal im Urlaub in Riccione getroffen und dann mit ihm am Strand gekickt.

War es schwer gegen die Bayern zu spielen?

Bernd Hölzenbein: Ich habe damals immer Mittelstürmer gespielt, nur in der Nationalelf war ich notgedrungen Außenstürmer. Da gab es noch Manndeckung und gegen »Katsche« Schwarzenbeck hattest du keine Chance. Aber wenn du einmal an ihm vorbei warst, dann war der Franz kein Problem mehr. Beckenbauer war ein klasse Fußballer, aber nicht im Abwehrverhalten. Er hat immer versucht, alles spielerisch zu lösen, das kam mir entgegen.

Lief es auch für die Mannschaft so gut?

Bernd Hölzenbein: Gegen die Bayern haben wir die besten Spiele gemacht, da sind wir gelaufen, da waren wir motiviert. Zu der Zeit wurden unsere Prämien nach Zuschauern bezahlt. Damals kamen kaum mehr als 20.000 Zuschauer. Aber gegen die Bayern waren es immer 60.000, da gab es einmal 6000 Mark pro Spieler! Sonst gab es höchstens 500.

Also alles eine Frage der Prämien?

Bernd Hölzenbein: Völliger Quatsch! Denn auch die Auswärtsprämien wurden nach dem letzten Heimspiel berechnet. Da sind wir dann zum Tabellenletzten nach Oberhausen gefahren, mit der höchsten Prämie der Vereinsgeschichte vor Augen, und haben sang- und klanglos mit 0:1 verloren.

Ärgerlich.

Bernd Hölzenbein: Sehr ärgerlich, aber das war typisch Eintracht Frankfurt. Daher kommt auch der Spitzname »Launische Diva«. Wir waren gut, aber nie beständig. Deshalb ist unsere Generation auch nie Meister geworden.

Einer der wenigen Auswärtssiege war 1976 ein 3:0 in München, sie erzielten zwei Tore.

Bernd Hölzenbein: Ich habe sogar einen Elfmeter geschossen, dafür hatte ich sonst nie die Nerven. Aber da habe ich gedacht: Der Sepp Maier hält eh keinen, da kannst du es mal probieren. Und so war’s dann auch. Der Sepp hat wirklich keinen gehalten. Er war kein Elfmeterkiller, ist immer in der Mitte stehen geblieben oder hat sich in die Ecken gelegt.

Welches war die schlimmste Niederlage? 1972 verloren Sie einmal 3:6 in München.

Bernd Hölzenbein: Ja? Da war ich auch noch nicht so gut. Ich bin erst nach 1972 besser geworden.

Sie waren immerhin einer der besten Bundesligaspieler der Siebziger Jahre. Hatten Sie nie ein Angebot von den Bayern?

Bernd Hölzenbein: Nein, nie, auch von anderen Klubs nicht. Damals musste man erst einmal die Ablösesumme aufbringen, das konnte kein Verein verkraften. Wenn du ein Angebot gemacht hast, wurde das mit dem Faktor des Klubs verrechnet und Bayerns Faktor war hoch. Dadurch war alles ausgeglichener. Wenn dagegen heute Karl-Heinz Rummenigge noch mehr Fernsehgeld für die Großen fordert, dann fürchte ich, dass es irgendwann langweilig wird in der Liga.

Bayern ist Frankfurt mittlerweile ziemlich davongezogen.

Bernd Hölzenbein: Auf jeden Fall. Dabei war der Unterschied bis Ende der Achtziger Jahre nicht so groß. Zu der Zeit wollten auch die Bayern Anthony Yeboah, aber ihr Angebot war nicht entscheidend höher als unseres. Ihr Etat war höchstens doppelt so groß, jetzt beträgt er ein Vielfaches. Das ist schade. Es geschehen aber immer noch Wunder, nur nicht mehr ganz so häufig.

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