22.04.2011

Bernd Hölzenbein über Frankfurt-Bayern

»Franz war kein Problem«

Frankfurts Sturmlegende Bernd Hölzenbein spricht vor dem Spiel gegen Bayern über Duelle auf Augenhöhe, Tischtennisturniere, eigenwillige Prämiensysteme und wie einfach es war, an Beckenbauer vorbei zu kommen.

Interview: Dominik Bardow Bild: Imago
Bernd Hölzenbein, mit welchen Gefühlen geht man heutzutage als Frankfurter in das Duell gegen die Bayern?

Bernd Hölzenbein: Früher waren das Duelle auf Augenhöhe. Das ist heute nicht mehr so.



Während Ihrer aktiven Zeit gewannen beide Teams in allen Wettbewerben je 14 Mal gegeneinander.

Bernd Hölzenbein: Ich habe immer gerne gegen die Bayern gespielt. Gegen die habe ich auch mit die meisten meiner 160 Bundesligatore geschossen (es waren 10 Tore in 24 Spielen; d. Red.). Aber da findet auch eine Verklärung der Vergangenheit statt. Die Leute meinen heute, dass wir früher fast immer gegen die Bayern gewonnen haben. Das stimmt natürlich nicht. Sie wissen wie das ist: Wenn die älteren Spieler zusammensitzen, kann man sich überhaupt nicht mehr an irgendeine Niederlage erinnern. Und wenn, dann war der Schiedsrichter schuld.



Immerhin konnten die Bayern zwischen 1971 und 1989 nicht in Frankfurt gewinnen. Welches Spiel ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Bernd Hölzenbein: Kurz vor der WM 1974 schlugen wir die Münchner im Halbfinale des DFB-Pokals. Da haben sich alle aufgeregt, dass ich einen Elfmeter geschunden haben soll.

War das eine Art Generalprobe für das WM-Finale?

Bernd Hölzenbein: Nein, das war eine ganz andere Situation. Ich zog in der letzten Minute an Abwehrspieler Johnny Hansen vorbei, er traf mich mit dem Ellbogen im Gesicht. Den Elfer verwandelte Jürgen Kalb prompt zum 3:2. Der Sepp Maier konnte sich gar nicht mehr beruhigen, auch Udo Lattek schrie herum. Abends war Schiedsrichter Heinz Aldinger dann im ZDF-Sportstudio und sie haben die Szene hin- und hergespult. Da hat man gesehen, dass es ein klares Foul war.

Sie holten noch einen zweiten Elfmeter heraus, den Jürgen Grabowski verschoss.

Bernd Hölzenbein: Was heißt denn hier »herausholen«? Ich bin zwei Mal böse gefoult worden! Das Elfmeter-Thema wurde nur durch die WM und die zwei Strafstöße gegen die Bayern hochgekocht. Es gibt leider keine endgültige Statistik, aber ich bin gar nicht so oft gefoult worden. Es werden immer mehr alte Spiele statistisch ausgewertet, da hoffe ich, dass mich die Datenbanken einmal rehabilitieren können.

Gab es dann während der WM böses Blut?

Bernd Hölzenbein: Da waren wir wieder Freunde. Nur Gerd Müller hat mir unfaire Mittel vorgeworfen.

Im Spiel?


Bernd Hölzenbein: Nein, beim Tischtennis. Er war der ungekrönte Tischtenniskönig und konnte sich gar nicht vorstellen, dass ihn jemand zum Schneider macht, also 21 zu 11 oder gar höher gegen ihn gewinnt. Gerd hat sich beschwert, dass ich als Profi gar nicht mitspielen dürfte, weil ich damals Tischtennis in der Bezirksliga gespielt habe.

Wie haben Sie das Problem gelöst?

Bernd Hölzenbein: Eine Zeitung hatte eine Münze für den Turniersieger ausgelobt. Sie haben dann Gerd und mir jeweils eine verliehen. Ich habe außer Konkurrenz gespielt.

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