Bernd Franke über Braunschweig-Bayern

»Breitner hat alle verrückt gemacht«

435 Spiele machte Bernd Franke von 1971 bis 1985 für Eintracht Braunschweig. Heute wird der 63-Jährige beim Pokalspiel gegen den FC Bayern in Braunschweig sein. Wir sprachen mit ihm über PR-Coups, Paul Breitners Divenhaftigkeit und Schnaps. Bernd Franke über Braunschweig-Bayernimago

Bernd Franke, 26 Jahre lang musste man in Braunschweig warten, bis es endlich wieder zu einem Duell der Eintracht gegen den FC Bayern München kommt.

Bernd Franke: Das ist eine lange Zeit. Umso größer ist jetzt die Euphorie. Ich werde auch im Stadion sein und freue mich schon riesig auf das Spiel. Ich denke, dass das eine enge Kiste wird. Die aktuelle Eintracht-Mannschaft spielt einen sehr guten, einen wirklich herzerfrischenden Fußball. Und sie ist eine Einheit, so wie wir das in den 70er Jahren waren.

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Können Sie sich noch an den letzten Sieg gegen den FC Bayern München erinnern, Sie standen damals zwischen den Pfosten?

Bernd Franke: Wir haben zu meiner Zeit ein paar Mal die Bayern geschlagen. Wann das das letzte Mal war, weiß ich nicht mehr…

Es war 1982 im DFB-Pokal. Die Eintracht gewann damals 2:0.

Bernd Franke: Es waren immer schöne Spiele gegen die Bayern, mit einem stets ausverkauften Stadion.

Das heute Eintracht-Stadion heißt und nicht nach einem Finanzdienstleister, Versicherer oder Autokonzern benannt ist. Eigentlich hätte man gerade in Braunschweig etwas anders erwartet.

Bernd Franke: Die »Jägermeister«-Truppe… Das hängt immer noch in den Köpfen. Und daran wird sich auch nichts ändern, weil Eintracht Braunschweig 1973 der erste Bundesliga-Klub mit Werbung auf der Brust war. Ich weiß noch gut, wie wir bei einem Freundschaftsspiel  gegen Real Madrid im Bernabéu-Stadion vor 100.000 Zuschauern antraten. Die Leute rieben sich die Augen, als wir uns in orangefarbenen Trainingsanzügen mit dem Jägermeister-Hirsch vorne drauf warmmachten.

Die Einführung der Trikotwerbung und das ganze Theater darum war ein Marketing-Geniestreich von Günter Mast.

Das kann man so sagen. Anfangs war das Logo auf unseren Trikots ein paar Zentimeter größer als erlaubt. Es gab einen Riesenstreit mit dem DFB. Dadurch, dass  sich Günter Mast weigerte, es kleiner zu machen, hat er den Namen »Jägermeister« und Eintracht Braunschweig wochenlang in den Schlagzeilen gehalten. Alle berichteten darüber. Eine bessere Werbung konnte es gar nicht geben. Später war dann auch mal im Gespräch, das Stadion in Jägermeister-Stadion umzubenennen. Aber da haben die Vereinsmitglieder nicht mitgemacht.

Hatten Sie damals ein Problem damit, als lebende Litfaßsäule im Tor zu stehen?

Bernd Franke: Nein, auch wenn es den einen oder anderen blöden Spruch von gegnerischen Spielern gab. Zum Beispiel: »Trinkt Ihr das auch?«

Und tranken Sie den Kräuterlikör?

Bernd Franke: Nein. Ein Bierchen ab und zu mal, ja das schon. Aber »Jägermeister« war sicher nicht mein Lieblingsgetränk.

Günter Masts nächster PR-Coup war die Verpflichtung von Paul Breitner, der von Real Madrid in die niedersächsische Provinz wechselte.

Bernd Franke: In sportlicher Hinsicht war das kein Glücksgriff. Wir hatten mit der gleichen Mannschaft im Jahr zuvor knapp den Meistertitel verpasst. Und mit Paule wären wir fast abgestiegen. Er hat alle verrückt gemacht. Der Paule war nun mal kein einfacher Typ, sondern ein Eigenbrötler. Er kam zehn Minuten vor dem Spiel oder vor dem Training und war zehn Minuten danach wieder verschwunden. Zudem baute der Trainer die Mannschaft wegen ihm um. Wir waren danach viel zu offensiv ausgerichtet. Im Endeffekt hat Paule die Eintracht nur als Sprungbrett gesehen, um wieder in die Bundesliga zurückzukommen.

Sie selbst sind der Eintracht immer treu geblieben, auch nach Abstiegen, zum Beispiel 1973, am Ende der ersten Saison in den »Jägermeister«-Trikots.

Bernd Franke: Das war damals ganz bitter. Niemand hatte damit gerechnet. Wir sagten uns dann: wir haben das dem Klub eingebrockt und jetzt löffeln wir das auch wieder aus. Bis auf Bernd Gersdorff sind alle bei der Eintracht geblieben. Und der ist nach nur vier Monaten beim FC Bayern München auch wieder zurückgekommen und hatte mit seinen Toren maßgeblich Anteil am direkten Wiederaufstieg der Eintracht.

Sie hätten 1973, nach der Abstiegssaison, zu Ajax Amsterdam wechseln können.

Bernd Franke: Dann wäre ich Europapokalsieger geworden. Aber das weiß man ja vorher nicht.

Was gab den Ausschlag dafür, das Ajax-Angebot abzulehnen?

Bernd Franke: Zum einen wollte meine Familie nicht nach Holland mitgehen. Außerdem war es damals nicht ganz einfach, als Deutscher in Holland zu spielen. Und dann hatte ich mit Bundestrainer Helmut Schön noch ein Gespräch. »Du gehörst auch dann noch zum Stamm der Nationalmannschaft, wenn du in der 2. Liga spielst«, hat er mir versichert. Also bin ich mit meiner Familie in Braunschweig geblieben. Wir fühlten uns dort sehr wohl. Ich spielte in einer intakten Mannschaft. Und finanziell passte das auch. Wir bekamen die gleichen Prämien wie in der Bundesliga. Weil es in der 2. Liga mehr Siege gab, verdienten wir sogar mehr als in der Saison zuvor.



Später haben Sie auch noch Uli Hoeneß als frischgebackenen Bayern-Manager mit einem Angebot abblitzen lassen.

Bernd Franke: Das war im Sommer 1979 nach dem schweren Autounfall von Sepp Maier. Braunschweig hat mir ein gutes Angebot gemacht. Ich bin geblieben, wie so oft. Ich hätte auch zu Kaiserslautern oder Frankfurt wechseln können.

Am Ende der Saison 1979/1980 war der FC  Bayern deutscher Meister und die Eintracht stieg als Tabellenletzter ab. Wie erklären Sie sich das Auf und Ab zu jener Zeit?

Bernd Franke: Das hatte sicher auch mit den Trainerwechseln zu tun. Jeder wollte Fußball neu erfinden. Zudem wurden Spieler verpflichtet, die nicht in das Team passten. Es gab Maulwürfe, die Infos an die Journalisten weitergaben und die nicht nach draußen hätten dringen dürfen. Das schadet einer Mannschaft ungemein. Eine gute Mannschaft zeichnet sich dadurch aus, dass die Dinge intern besprochen werden. Und auf dem Platz ist es sehr wichtig, dass man dem Teamkollegen auch mal einen Fehler zugesteht und ihm hilft. Zu den besten Zeiten in den 70er Jahren hatten wir eine funktionierende Mannschaft. Und ich habe den Eindruck, dass das auch aktuell bei der Eintracht wieder der Fall ist.

1985, nach dem dritten Abstieg, beendeten Sie Ihre Profikarriere.

Bernd Franke: Das stand schon lange vorher fest. Ich hatte ein Jobangebot von Adidas vorliegen. Jahr für Jahr sagte ich, nur noch eine Saison, dann höre ich auf. 1984 war ich dann noch bei den Olympischen Spielen in Los Angeles dabei. Das war das absolute Highlight, viel schöner als die WM 1982 in Spanien, die ich als Ersatztorhüter erlebte und wo ein paar sehr überhebliche Leute dabei waren, die innerhalb der Mannschaft für Streitigkeiten sorgten. Dann sagte Adidas: So jetzt musst du ran oder die Stelle ist ein für alle Mal weg. Also habe ich als Torhüter aufgehört, obwohl ich von der Fitness her noch ein paar Jahre hätte spielen können.

Was war das für ein Job?

Bernd Franke: Repräsentant.

Was muss man sich darunter vorstellen?

Bernd Franke: So eine Art Vertreter. Ich war für den Südwesten Deutschlands zuständig und schaute in den Sportgeschäften vorbei. Das haben auch der Wolfgang Overath oder der Uwe Seeler gemacht. Mir hat das viel Spaß gemacht. Im Nachhinein habe ich mich gewundert, warum ich so lange Fußball gespielt habe.

Inzwischen sind Sie im Ruhestand und betreuen als Konditionstrainer die deutsche Tennisspielerin Kristina Barrois.

Bernd Franke: Die Kristina wohnt im selben Ort wie ich. Wir machen jeden Tag zusammen Krafttraining. Demnächst fliegt sie nach Amerika zu den US-Open.

Warum haben Sie nicht als Fitnesstrainer im Fußballgeschäft gearbeitet?

Bernd Franke: Das war mit meinem Job als Repräsentant nicht zu vereinbaren. Wenn ich etwas mache, dann richtig. Aber ich spiele selbst noch ab und zu Fußball. Und ich bin immer wieder mal im Stadion.

Man hat Sie in Braunschweig nicht vergessen, obwohl Sie seit vielen Jahren in Ihrer alten Heimat im Saarland leben.

Bernd Franke: Das freut mich sehr. Einmal im Jahr werde ich vom Fanklub zu einem Spiel ins Eintracht-Stadion eingeladen. Die Eintracht hat ein wirklich tolles Publikum. Sogar in der 3. Liga sind im Schnitt 12.000 bis 14.000 Zuschauer gekommen. Das ist sensationell. Ich glaube, dass die Mannschaft von Torsten Lieberknecht in der 2. Liga eine gute Rolle spielen wird. Und ich bin sehr gespannt, wie sie sich gegen die Bayern schlagen wird.

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