Berkant Göktan im Interview

»Ich war ein Chaot«

Berkant Göktan ist von 1860 wegen Kokainmissbrauchs entlassen worden. Der Tiefpunkt einer Karriere, deren Verlauf schon mehrmals ganz unten angekommen war, wie unser Interview aus dem Jahre 2007 zeigt.   Berkant Göktan im Interviewimago

Mit sieben Jahren haben Sie bei Helios München angefangen, Fußball zu spielen. Wer ist überhaupt auf die Idee gekommen, Sie in einen Fußballverein zu stecken?

Ich stand schon damals immer unter Strom, war nie ruhig zu kriegen daheim. Mein Vater hat gemeint, irgendetwas müssen wir mit dem Kleinen machen. Er hat sich sehr für Fußball interessiert und mich dann bei Helios München angemeldet. Dort habe ich angefangen Sport zu treiben, ohne Hintergedanken.

Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Sie besser sind als die Anderen?

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich ein gutes Gefühl habe mit dem Ball. Es hat mir immer mehr Spaß gemacht, und schon mit neun Jahren habe ich mich nur noch auf Fußball fixiert.


Wie kam es dann, dass Sie in die Jugend von Bayern München gewechselt sind?

Die Scouts haben mich damals bei Helios in der E-Jugend gesichtet und mich zum Training eingeladen. Und nach diesem Training haben sie gesagt, sie würden sich freuen, wenn ich für Bayern spielen würde. Ab acht Jahren habe ich dann bei Bayern die ganze Jugend durchgespielt.

War es zu Hause Thema, dass der Sohn zum großen FC Bayern geht?

Mit acht, neun Jahren? Nein, überhaupt nicht. Es war damals schon ein Topverein, aber meine Eltern hatten nie den Hintergedanken, dass ihr Sohn jetzt Profispieler wird. Das konnte man in dem Alter noch nicht absehen.

Und was hat es Ihnen, als kleinen Jungen, bedeutet, das Trikot der Bayern zu tragen?

Das war ein schönes Gefühl. Wir sind viel gereist und haben gegen andere Jugendmannschaften von großen Vereinen gespielt. Ich hatte Kontakt zu vielen verschiedenen Kulturen, das hat großen Spaß gemacht. Außerdem habe ich gelernt, mich richtig zu benehmen. Denn bereits als Jugendspieler hat man bei Bayern den Anderen gegenüber eine Vorbildfunktion.

Stimmt es eigentlich, dass Sie als Jugendspieler in einer Saison 430 Tore geschossen haben und bis heute diesen Rekord bei Bayern München halten?

Ja, das stimmt. Es waren ungefähr 400 Stück in einer D-Jugend-Saison. Da habe ich oft 10, 12 Tore in einem Spiel gemacht.

Wie haben Sie den Fußball mit der Schule unter einen Hut bekommen?

Die Schule hat damals sehr unter dem Fußball gelitten. Ich habe schon ziemlich früh für die Junioren-Nationalmannschaft gespielt und war sehr viel auf Reisen. Mit 13, 14 Jahren wusste ich dann, dass mein Weg in den Profifußball führen wird. Ich wurde immer häufiger vom Unterricht befreit, und meine Leistungen in der Schule wurden immer schlechter.

Sie hatten Ihren Weg also sehr früh vor Augen?

Mit 13 Jahren habe ich einen Vorvertrag bei Bayern München unterschrieben. Mit 16 Jahren durfte ich unter Trapattoni das erste Mal mit den Profis trainieren. Wenn man da schon mal schnuppern darf, dann lässt Du nicht mehr los.

In dieser damaligen Trapattoni-Mannschaft waren noch Spieler wie Lothar Matthäus oder Jürgen Klinsmann...

Matthäus war immer einer, der mich gemocht und mir sehr geholfen hat. In Gladbach hat er den Sprung zu den Profis ja ähnlich schnell geschafft. Er hat mir oft unter die Arme gegriffen und wollte mir immer zeigen, wie ich mich verhalten muss.

Mit 17 Jahren haben Sie Ihren ersten Profi-Vertrag unterschrieben.

Ich saß mit meinem Vater im Büro von Uli Hoeneß. Er hat uns den Vertrag hingelegt, und ich habe keine Sekunde gezögert. In meinem Alter war es für mich eine Ehre von so einem Verein wie Bayern München ein Angebot zu bekommen. Das war immer mein Ziel gewesen. Ich habe sofort unterschrieben.

Was hat diese Unterschrift für Ihre schulische Laufbahn bedeutet?

Ich wusste, dass ich nun jeden Tag trainieren muss und habe die Schule beendet. Es war natürlich ein Risiko, irgendwann einmal ohne Abschluss dazustehen, doch bisher ist es ja gut gegangen.

Franz Beckenbauer bezeichnete Sie damals als „das größte Talent seit Jahren“. Uli Hoeneß wollte Sie nie wieder hergeben. Wie haben Sie sich gefühlt als unverkäuflicher FC Bayern-Spieler?

Wenn ein Mann wie Hoeneß so etwas sagt, ist das natürlich eine große Ehre. Er ist ist einer der Top-Manager in Europa. Leider musste ich die Leute enttäuschen, die so große Stücke auf mich gehalten haben. Schade, dass ich das nicht umsetzen konnte, das kann ich nur immer wieder sagen.

Für einen sehr jungen Menschen hatten Sie eine sehr große Zukunft vor sich. Wer durfte Ihnen denn jetzt noch etwas vorschreiben?

Leider Gottes habe ich in dieser Zeit auf niemanden hören wollen. Ich habe mir nichts gefallen lassen. Es ist ein großes Problem gewesen, dass ich zu ungeduldig war, zu impulsiv. Mir ist der Erfolg zu Kopf gestiegen. Hätte mich jemand wirklich bei der Hand genommen und mich geschüttelt, ich solle meinen Lebensstandard ändern und ruhig weiterarbeiten, dann hätte ich es vielleicht geschafft. So musste ich den schwierigeren Weg gehen.

Am 30. September 1998 haben Sie im Champions-League-Heimspiel gegen Manchester United als 17-Jähriger dann endlich Ihr Profidebüt geben dürfen. Für wen sind Sie damals ins Spiel gekommen?

Das ist eine gute Frage. Ich habe mir das doch letztens erst wieder angeschaut. Bitte sag` es mir nicht. (überlegt) Du weißt es wahrscheinlich.

Nein, tut mir leid, ich weiß es auch nicht.

Du weißt es auch nicht? (überlegt weiter) Ich möchte jetzt nichts Falsches sagen. Ich glaube, für Ali Daei oder Salihamidzic.

Wissen Sie denn noch, was Ihnen Hitzfeld kurz vor Ihrer Einwechslung gesagt hat?

Nein, ich war wie in Trance. Ich wollte nur noch aufs Spielfeld und dass es endlich mal losgeht für mich.

Was haben Sie nach dem Spiel gemacht?

Ich bin mit der U-Bahn nach Hause gefahren.

Schießen Ihnen manchmal noch Erinnerungen aus diesem Spiel in den Kopf?

Dieser Schuss mit links, der knapp rechts am Tor vorbei ging. Manchmal denke ich: Geht der rein, wäre vielleicht alles anders gekommen. Dann hätte es vielleicht jemanden gegeben, der mir wirklich auf den Kopf gehauen hätte, Junge, jetzt bleib mal auf dem Teppich, geh deinen Weg, aber konstant, ganz ruhig, einen Schritt nach dem anderen. Aber im Nachhinein weiß man immer alles besser.

Vier Tage später, am 4. Oktober 1998, haben Sie schließlich gegen Borussia Dortmund auch Ihr erstes Bundesligaspiel bestritten. In der Presse wurden damals einige Lobeshymnen auf Sie gesungen, u.a. von Hitzfeld und Beckenbauer. Was haben die beiden in dieser Zeit zu Ihnen persönlich gesagt?

Was man zu einem jungen Spieler wohl sagt, wenn er plötzlich Aufmerksamkeit erregt. Ich solle auf dem Teppich bleiben, nicht so viel auf die Medien geben, einen Schritt nach dem anderen machen. Aber diese Ratschläge habe ich nicht ernst genug genommen.

Was hat Sie in dieser Zeit außer Fußball noch interessiert?

Außer Fußball hat mich meine ehemalige Freundin interessiert. Und das ist auch der Grund gewesen, warum ich mich nicht mehr auf das Wesentliche, den Fußball, konzentrieren konnte. Ich habe mich mit anderen Problemen beschäftigt, auch mit meiner Familie. Das hat sich natürlich auf meine Leistungen ausgewirkt, und ich bin immer schlechter geworden.

In den folgenden vier Bundesligaspielen nach Ihrem Debüt wurden nur noch Ihre Sturmkonkurrenten Zickler, Jancker und sogar Bugera eingewechselt. Sie spielten in den Überlegungen von Ottmar Hitzfeld plötzlich keine Rolle mehr. Warum nur?

Ich weiss es nicht. Ich habe dafür keine Erklärung. Es wäre für mich aber vermutlich besser gewesen, wenn mir die Verantwortlichen aus dem Verein mehr eingebläut hätten, was nun der nächste richtige Schritt für mich sei. Ich wollte alles sofort erreichen. Ich habe damals gedacht, ich gehe besser nach Gladbach und schieße dort 10 Tore - und keiner hat mir Steine in den Weg gelegt. Ich würde mir wünschen, sie hätten gesagt, geh` nicht nach Gladbach, bleib hier, wir bauen dich kontinuierlich auf. Das ist der Punkt, wo ich sage, der FC Bayern hätte mir helfen können.

Wirklich niemand von Bayern hat Ihren Wechsel verhindern wollen?

Nein, niemand hat etwas dazu gesagt, sie haben mich gehen lassen. Das finde ich schade. Gewisse Leute haben immer gemeint, ich sei das Riesentalent. Aber dieses Riesentalent lässt man doch nicht einfach so ziehen. Das macht mich heute noch traurig.

Wie kam schließlich der Kontakt zu Gladbach zustande?

Rainer Bonhof wollte mich haben, und kurz vor der Winterpause hat mich der Manager angesprochen, ob ich mir vorstellen könnte, nach Gladbach zu kommen. Es wäre gut für meine Entwicklung, einen anderen Verein kennen zu lernen, ich könnte Spielpraxis sammeln. Jetzt weiß ich, ich hätte bei Bayern bleiben müssen und mich so wie Hargreaves oder Schweinsteiger über die Amateure empfehlen sollen.

In Ihrem ersten Spiel für Gladbach wurden Sie gegen Lautern eingewechselt, im zweiten Spiel gegen Frankfurt ausgewechselt, haben dann zweimal gar nicht gespielt und hatten gegen Stuttgart und Nürnberg zwei Kurzeinsätze. Es folgten vier Spiele Pause, dann gegen Rostock Ihr letztes Spiel für Gladbach. Das war‘s...

Die Chancen, die ich in Gladbach am Anfang bekommen habe, konnte ich nicht nutzen. Ich habe schnell gemerkt, dass Gladbach genau das Gegenteil von Bayern ist - von dem Verein her, von dem Niveau, von allem Drum und Dran. Ich kam da hin als 17-jähriges Supertalent und wollte spielen. Doch die Anderen haben natürlich auch mit allen Mitteln versucht, in die erste Elf zu kommen. Ich habe zu spüren bekommen, wie krass der Konkurrenzkampf ist. Dann war Abstiegskampf, Bonhof wurde von den Medien unter Druck gesetzt. So hat natürlich ein Toni Polster den Vorzug im Sturm erhalten.

Anstatt in dieser Spielzeit mit Bayern München Erster zu werden, sind Sie mit Borussia Mönchengladbach Letzter geworden. Wie haben Sie sich am 34. Spieltag gefühlt?

Es hat mir natürlich sehr leid getan, dass wir abgestiegen sind. In dem halben Jahr habe ich gemerkt, was wir für super Fans hatten. Das alte Stadion am Bökelberg war zu jedem Spiel voll, auch wenn wir unten drin standen. Das war alles sehr traurig für den Verein und für die Fans.

Nach der Rückrunde in Gladbach sind Sie gleich weiter nach Bielefeld gezogen. Warum kam ein weiteres Ausleihgeschäft zustande?


Frag mich nicht, im Nachhinein ist man immer schlauer. Das war auch wieder so ein Fehler in meiner Vergangenheit.

In Bielefeld kam es wieder nicht zum Durchbruch. Zur Saison 2000/2001 sind Sie zurück nach München gegangen. Was war aus dem „unverkäuflichen“ (Hoeneß), „größten Talent seit Jahren“ (Beckenbauer) geworden?

Ich kam mir damals bei den Bayern vor wie das fünfte Rad am Wagen. Ich habe schnell gemerkt, dass ich bei den Profis keine Rolle mehr spiele. Natürlich auch, weil ich mich bei den zwei Stationen nicht durchbeißen konnte. Ich musste bei den Amateuren spielen. Das war schon eine sehr bittere Erfahrung für mich.

Laut Ihrer Biografie sind Sie trotzdem Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, Champions League-Sieger und Weltpokalsieger mit den Bayern geworden. Fühlen Sie sich für diese Erfolge mitverantwortlich?


Nein, überhaupt nicht. Ich habe dazu keinen Teil beigetragen.

In der darauf folgenden Saison sind Sie in die Türkei zu Galatasaray Istanbul gewechselt. Ein großer Verein für einen Amateurspieler, oder?

Ich habe zu der Zeit in der türkischen Nationalmannschaft gespielt und dort auch meine Leistungen gebracht. Dadurch war ich natürlich immer attraktiv für türkische Vereine.

Wie wurden Sie in Istanbul empfangen?

Das war Wahnsinn! Bei der Vertragsunterschrift waren zwanzig Kameras und etliche Journalisten, das habe ich noch nie erlebt. In der Türkei ist Fußball das Highlight Nummer eins. Es gibt nichts Schöneres für die Menschen. Wenn Du auf die Straße gehst, erkennen Dich die Leute sofort, laden dich zum Essen ein, zum Tee trinken ein. Das war eine Zeit, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe.

In Ihrem ersten Jahr in der Süper Lig sind Sie zu vielen Einsätzen gekommen und mit Galatasaray türkischer Meister geworden. In Ihrem zweiten Jahr ging es für Sie schon wieder abwärts.

In meinem zweiten und dritten Jahr habe ich bei Galatasaray nur noch wenig gespielt. Ich bin dann zu Besiktas gewechselt. Dort wurde der Trainer entlassen, der mich geholt hatte. In dem zweiten halben Jahr habe ich dort keine große Rolle mehr gespielt. Ich wurde nur noch sporadisch eingewechselt. Das hat mich psychisch fertig gemacht. Ich dachte, Junge, Du spielst nie wieder, Du bist ein Einwechselspieler. Mit jedem Schritt bin ich dem Boden näher gekommen.

2005 sind Sie schließlich zurück in die Bundesliga gewechselt. Doch auch in Kaiserslautern sollten Sie Pech mit einer Trainerentlassung haben.

Michael Henke hatte mich damals zurück nach Deutschland geholt. Ich kannte ihn schon als Co-Trainer von Hitzfeld aus meiner Zeit bei den Bayern. Ich habe sehr viel mit ihm geredet, und er hat auf mich gebaut. Dann musste er plötzlich gehen, und es kam ein neuer Trainer (Wolfgang Wolf, Anm der Red.). Ich war schon wieder auf dem Abstellgleis.

Wie fühlt man sich als Spieler, wenn man von einem neuen Trainer nicht berücksichtigt wird?

Mein einziger Rückhalt in dieser Zeit war meine Familie. Sie hat mich immer motiviert und mich auf den Beinen gehalten. Im April habe ich dann meinen Vertrag aufgelöst, meine Sachen gepackt und bin zurück nach München.

Und was haben Sie in München gemacht?

Ich habe mich fit gehalten. Ich wollte in Deutschland bleiben und habe mich verschiedenen Vereinen angeboten. Doch ich habe schnell gemerkt, Junge, jetzt wird`s schwierig, keiner will Dich. Kein Verein will Dich, weil Du ein schlechtes Image hast, weil Du die letzten Jahre nicht gespielt hast. Ich habe es richtig zu spüren bekommen.

Wie hält sich ein vereinsloser Fußballspieler fit?

Auf dem Kunstrasenplatz meines ersten Vereins habe ich meinen Bruder ins Tor gestellt und trainiert. Wir haben auch öfters im Englischen Garten mit anderen Multi-Kultis gekickt. Ich habe alles gemacht in dieser Zeit: Fußball gespielt, Fahrrad gefahren, Schwimmen gegangen, Joggen gegangen. Ich musste mich ja fit halten. Aber natürlich war es nicht das Gleiche wie Mannschaftstraining. Irgendwann wurde ich zu einem Probetraining bei den Amateuren von 1860 München eingeladen.

Waren Sie nervös vor diesem Training?

Nein, warum sollte ich noch nervös gewesen sein? Wenn man auf dem Nullpunkt ist, kennt man keine Nervosität mehr, da ist alles egal. Im Gegenteil, man sieht das Leben und die Situation ganz anders. Ich war glücklich über die Möglichkeit, die ich von 1860 bekommen habe.

Sie waren mittlerweile 25 Jahre alt. 1860 München sollte endlich der erste Verein sein, bei dem Sie sich durchsetzen konnten.

Ich hatte endlich einmal das Glück im Leben, dass ich in München einen Trainer erwischt habe, der auf mich gesetzt hat, der richtig mit mir umzugehen wusste und der auch lange mit mir arbeiten konnte. Davor wurden Henke entlassen, Lucescu entlassen, Terim entlassen. Ich habe immer viel Pech gehabt mit meinen Trainern. In München habe ich dann unter Marco Kurz bei den Amateuren spielen dürfen. Ich hatte lange Zeit nicht gespielt und wir beide wussten, dass ich von meiner Topform noch ein ganzes Stück entfernt war, auch vom Kopf her. Er hatte ein Händchen für mich und wusste ganz genau, wie er mich zu meiner alten Stärke zurück bringen kann. Und mein ganz großes Glück war, dass Marco schließlich Profitrainer geworden ist.

Wann ist Ihnen bewusst geworden, dass Sie sich endlich auf dem richtigen Weg befinden?

Anfangs fragst du dich schon, was tust du dir an? Du hast bei so vielen großen Vereinen gespielt, und jetzt kickst Du mit 18, 19-jährigen, die gerade aus der A-Jugend kommen und nicht einmal wissen, wer Du bist? Aber die Jungs haben mich sehr gut aufgenommen, das muss ich ehrlich sagen. Ich habe in dieser Zeit viel Spaß gehabt und viel gelernt. Nach jedem guten Spiel, nach jedem Treffer kam mein altes Selbstvertrauen weiter zurück.

Wie viel Angst hatten Sie dennoch, dass Sie es auch bei den Löwen nicht schaffen?

Ich habe meine Fehler von früher nicht wiederholt. Ich war wieder erfolgreich, doch ich bin diesmal auf dem Teppich geblieben. Ich habe einen Schritt nach dem anderen gemacht. Ich habe auf die richtigen Leute gehört. Ich habe eine tolle Freundin, die mich ergänzt. Ich habe mich weiterentwickelt. Das sind alles Sachen, die mich nach vorne pushen und die ich in der Vergangenheit nicht hatte.

Nach einem kurzen Gastspiel bei den Amateuren sind Sie sehr schnell bei den Profis gelandet. In 22 Zweitligaspielen haben Sie für die Löwen aktuell 14 Tore erzielt. Haben Sie endlich das Gefühl, als Profifußballer angekommen zu sein?

In der zweiten Liga bin ich auf jeden Fall angekommen. Aber ich bin noch nicht da angekommen, wo ich ankommen will.

Wo wollen Sie ankommen?


Ich möchte das erreichen, was ich schon immer erreichen wollte. Und zwar, auf einem guten Niveau zu spielen.

Was sind die weiteren Ziele Ihrer Profilaufbahn?

Für jeden Fußballer muss das Ziel sein, erstklassig zu spielen. Das ist bei mir genau so. Ich möchte meine Leistung weiter bestätigen und Schritt für Schritt versuchen, so weit zu kommen, wie es geht.

Sie haben ihre Lektionen anscheinend gelernt. Glauben Sie, auch die Verantwortlichen des FC Bayern haben aus den Fehlern mit Ihnen gelernt? Ein Toni Kroos tritt bei Franz Beckenbauer ja gerade Ihre Nachfolge an, als das Riesentalent hochgejubelt zu werden.

Es war den Bayern damals eine Lehre mit mir. Das wird ihnen kein zweites Mal passieren. Der Junge wird seinen Weg dort gehen. Ich habe ihn ein, zwei mal gesehen, und er ist wirklich ein sehr, sehr guter Fußballer. Links, rechts, gutes Auge, reiner Zehner, guter Spielmacher. Ich kenne ihn leider nicht persönlich, aber ich denke, er wird vom Kopf her anders ticken als ich. Ich war ein Chaot.

Fühlen Sie sich von den Bayern eigentlich ein stückweit verarscht?

Nein, im Gegenteil, ich bin ihnen dankbar. Sie haben mir den Weg geebnet und mir sehr viele Dinge ermöglicht. Ich bin eigentlich ganz froh über diese Erfahrung.

Aber es hätte doch ganz anders laufen können?

Ich trage die Schuld daran. Ganz allein ich.

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