21.10.2008

Berkant Göktan im Interview

»Ich war ein Chaot«

Berkant Göktan ist von 1860 wegen Kokainmissbrauchs entlassen worden. Der Tiefpunkt einer Karriere, deren Verlauf schon mehrmals ganz unten angekommen war, wie unser Interview aus dem Jahre 2007 zeigt.  

Interview: 11Freunde Bild: imago
Berkant Göktan im Interview

Mit sieben Jahren haben Sie bei Helios München angefangen, Fußball zu spielen. Wer ist überhaupt auf die Idee gekommen, Sie in einen Fußballverein zu stecken?

Ich stand schon damals immer unter Strom, war nie ruhig zu kriegen daheim. Mein Vater hat gemeint, irgendetwas müssen wir mit dem Kleinen machen. Er hat sich sehr für Fußball interessiert und mich dann bei Helios München angemeldet. Dort habe ich angefangen Sport zu treiben, ohne Hintergedanken.

Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Sie besser sind als die Anderen?

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich ein gutes Gefühl habe mit dem Ball. Es hat mir immer mehr Spaß gemacht, und schon mit neun Jahren habe ich mich nur noch auf Fußball fixiert.


Wie kam es dann, dass Sie in die Jugend von Bayern München gewechselt sind?

Die Scouts haben mich damals bei Helios in der E-Jugend gesichtet und mich zum Training eingeladen. Und nach diesem Training haben sie gesagt, sie würden sich freuen, wenn ich für Bayern spielen würde. Ab acht Jahren habe ich dann bei Bayern die ganze Jugend durchgespielt.

War es zu Hause Thema, dass der Sohn zum großen FC Bayern geht?

Mit acht, neun Jahren? Nein, überhaupt nicht. Es war damals schon ein Topverein, aber meine Eltern hatten nie den Hintergedanken, dass ihr Sohn jetzt Profispieler wird. Das konnte man in dem Alter noch nicht absehen.

Und was hat es Ihnen, als kleinen Jungen, bedeutet, das Trikot der Bayern zu tragen?

Das war ein schönes Gefühl. Wir sind viel gereist und haben gegen andere Jugendmannschaften von großen Vereinen gespielt. Ich hatte Kontakt zu vielen verschiedenen Kulturen, das hat großen Spaß gemacht. Außerdem habe ich gelernt, mich richtig zu benehmen. Denn bereits als Jugendspieler hat man bei Bayern den Anderen gegenüber eine Vorbildfunktion.

Stimmt es eigentlich, dass Sie als Jugendspieler in einer Saison 430 Tore geschossen haben und bis heute diesen Rekord bei Bayern München halten?

Ja, das stimmt. Es waren ungefähr 400 Stück in einer D-Jugend-Saison. Da habe ich oft 10, 12 Tore in einem Spiel gemacht.

Wie haben Sie den Fußball mit der Schule unter einen Hut bekommen?

Die Schule hat damals sehr unter dem Fußball gelitten. Ich habe schon ziemlich früh für die Junioren-Nationalmannschaft gespielt und war sehr viel auf Reisen. Mit 13, 14 Jahren wusste ich dann, dass mein Weg in den Profifußball führen wird. Ich wurde immer häufiger vom Unterricht befreit, und meine Leistungen in der Schule wurden immer schlechter.

Sie hatten Ihren Weg also sehr früh vor Augen?

Mit 13 Jahren habe ich einen Vorvertrag bei Bayern München unterschrieben. Mit 16 Jahren durfte ich unter Trapattoni das erste Mal mit den Profis trainieren. Wenn man da schon mal schnuppern darf, dann lässt Du nicht mehr los.

In dieser damaligen Trapattoni-Mannschaft waren noch Spieler wie Lothar Matthäus oder Jürgen Klinsmann...

Matthäus war immer einer, der mich gemocht und mir sehr geholfen hat. In Gladbach hat er den Sprung zu den Profis ja ähnlich schnell geschafft. Er hat mir oft unter die Arme gegriffen und wollte mir immer zeigen, wie ich mich verhalten muss.

Mit 17 Jahren haben Sie Ihren ersten Profi-Vertrag unterschrieben.

Ich saß mit meinem Vater im Büro von Uli Hoeneß. Er hat uns den Vertrag hingelegt, und ich habe keine Sekunde gezögert. In meinem Alter war es für mich eine Ehre von so einem Verein wie Bayern München ein Angebot zu bekommen. Das war immer mein Ziel gewesen. Ich habe sofort unterschrieben.

Was hat diese Unterschrift für Ihre schulische Laufbahn bedeutet?

Ich wusste, dass ich nun jeden Tag trainieren muss und habe die Schule beendet. Es war natürlich ein Risiko, irgendwann einmal ohne Abschluss dazustehen, doch bisher ist es ja gut gegangen.

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