Benjamin Lauth im Interview

»Ich bin in ein Loch gefallen«

Benjamin Lauth spielte einst ein miserables Halbjahr beim Hamburger SV. Wie das kam und wie er sich beim VfB Stuttgart endlich aus der Krise spielen wollte, erklärte er uns vor langer Zeit im Gespräch mit 11freunde.de. Benjamin Lauth im Interviewimago

Herr Lauth, ist der VfB Stuttgart Ihre letzte Chance?

Nein, das wäre übertrieben. Die Zeit in Hamburg war nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe, aber auch nicht so dramatisch schlecht – mal abgesehen von dem letzten halben Jahr. In der vergangenen Saison sind wir mit dem HSV Dritter geworden, waren im UI-Cup und Uefa-Cup dabei und ich habe mehr als 30 Spiele gemacht. So schlecht lief es für mich also nicht.

Wie oft haben Sie sich während der vergangenen Hinrunde zur Aufmunterung Ihr Tor des Jahres 2002 angeschaut?

Gar nicht. Natürlich war es keine einfache Zeit. Aber ich hatte immer noch Spaß am Fußball und bin gerne zum Training gegangen. Meine Laune war natürlich nicht überragend, wenn ich am Wochenende nicht eingesetzt wurde oder auf der Tribüne sitzen musste.

Warum hat es beim HSV nicht geklappt?

Es waren verschiedene Gründe. Aber das ist für mich jetzt abgehakt. Ich bin einfach froh, dass ich den Verein wechseln konnte. Und etwas Besseres als den VfB Stuttgart hätte ich nicht erwischen können.

Warum hat der VfB, ein Champions-League-Aspirant, einen Ersatzspieler von einem Abstiegskandidaten verpflichtet?

Man muss ja erst einmal schauen, warum ich in Hamburg Ersatzspieler war. Da haben andere Gründe eine Rolle gespielt – und nicht nur meine Leistung. Ich habe trotz alledem immer meine Qualitäten unter Beweis gestellt. Beim HSV hat man das aktuell wohl anders gesehen, aber andere Vereine haben es erkannt. Ich habe mich sehr gefreut, dass der VfB Vertrauen in mich hat. Daher spielte es bei meinem Wechsel auch keine Rolle, ob die Stuttgarter Dritter oder Zwölfter sind.

In Hamburg wurde Ihnen vorgeworfen, es fehle Ihnen an Biss und Temperament.

Man darf halt nicht immer nur einen Namen kaufen. Wenn man einen Spieler verpflichtet, sollte man wissen, welchen Typen man unter Vertrag nimmt und wie man mit ihm umgehen kann. Das hat beim HSV leider nicht so geklappt und deswegen gab es dort ein paar Probleme. Aber wie ich es vorhin schon sagte, die vergangenen zweieinhalb Jahre in Hamburg waren ja nicht nur schlecht.

Der ehemalige HSV-Trainer Thomas Doll hat gesagt: „Diese Spielzeit ist Benny Lauths wichtigste Saison“. Hat er Recht?

Dem kann ich nicht zustimmen. Ich wüsste nicht, warum diese Saison wichtiger sein sollte als die nächste. Natürlich hat mir das letzte halbe Jahr überhaupt nichts gebracht. Jetzt bin ich einfach nur heiß darauf, wieder spielen zu dürfen.


Würden Sie sagen, Ihr Engagement beim HSV war eine verlorene Zeit?

Auf keinen Fall. Außerdem bin ich ja nur ausgeliehen (Anm. d. Red.: Vertrag bis 2008 beim HSV) und ich weiß nicht, was nach dieser Saison kommt. Ich habe mich in Hamburg zwei Jahre lang pudelwohl gefühlt. In meinem ersten Jahr hatte ich viel Pech mit Verletzungen, aber dann sind wir Dritter geworden und haben die Champions-League erreicht. Ich bereue gar nichts.

Wie wichtig ist es für Sie, dass Sie als Spieler Vertrauen und Wertschätzung erfahren?

Das ist mir sehr wichtig. Die Vereine sollten bei ihren Verpflichtungen auch wirklich mehr darauf achten, wie ein Spieler tickt und wie man mit ihm umgehen kann.

Haben Sie die Unterstützung, die Sie beim TSV 1860 München erhalten haben, in Hamburg vermisst?

Das ist schwer zu vergleichen. Wo auch immer ich gespielt habe, lief es eigentlich gleich ab: Nach einer guten Partie von mir hieß es, er war leichtfüßig und elegant und nach einer schlechten Leistung sagten alle, er war lustlos und arrogant. Das kenne ich seit meiner Jugend und mittlerweile habe ich gelernt, damit umzugehen.

Negative Berichterstattung prallt also an Ihnen ab.

Die Zeitung lese ich fast nie. Das Meiste erfahre ich erst, wenn mir Bekannte davon erzählen. Ich freue mich über positive Berichte, auch wenn ich einen kritischen Artikel lese, sage ich mir manchmal: Da ist was Wahres dran. Aber den meisten negativen Schilderungen kann ich eher nicht zustimmen.

Können Sie die Bezeichnung „ewiges Talent“ noch hören?

Ach, ich bin ja auch kein 20-Jähriger mehr. Ich habe bewiesen, dass ich in guten Bundesligamannschaften mithalten kann. Natürlich hatte ich auch schwächere Phasen, aber ich muss jetzt einfach Konstanz in meine Leistungen hereinbringen. Dann bin ich auch der Richtige für einen Verein wie den VfB Stuttgart, der um die vorderen Plätze mitspielt.

Haben Ihre Verletzungen den großen Durchbruch verhindert?

Das hat mich natürlich schon zurückgeworfen. Wenn man über ein Jahr verletzt ist, braucht man schon viel Zeit, bis man wieder das alte Leistungsniveau erreicht hat. Ich dachte auch nicht, dass es so lange dauert, bis man alles wieder aufgeholt hat.

Wie haben Sie sich in dieser Zeit motiviert?

Bei der ersten Verletzung empfand ich die Pause als gar nicht so schlimm und ich war relativ flott wieder fit. Als es dann wieder passierte, bin ich natürlich zunächst in ein Loch gefallen. Aber ich war dann auch so heiß aufs Fußballspielen, dass ich gar keine Extramotivation gebraucht habe.



Sie wären als Jugendlicher fast in der Ski-Nationalmannschaft gelandet und haben sich dann doch für den Fußball entschieden. Haben Sie diesen Entschluss in dieser schlechten Phase bereut?

Nein, das Verletzungsrisiko ist beim Skifahren ja genauso hoch. Ich wollte einfach immer Fußballer werden.

Nervt es Sie, der ehemalige Nutella-Spieler zu sein?

Nein, damit muss man umgehen können. Die Werbespots haben mir viel Spaß gemacht und es ist normal, dass diese Geschichte immer wieder herausgeholt wird.

Verkaufen sich Ihre Merchandising-Artikel mit dem Schriftzug „Let’s get lauth“ eigentlich noch?

Das weiß ich gar nicht.

Treffen Sie sich noch mit Bastian Schweinsteiger zum Play-Station-Spielen?

Wenn ich in München bin, verabreden wir uns schon noch zu kleinen Turnieren vor der Konsole.

Auch für Sie, war es der große Traum, bei der WM 2006 dabei zu sein.

Es war am Ende nicht mehr so schlimm, dass ich nicht nominiert wurde. Ich konnte mich ja schon früh darauf einstellen, dass es nichts wird. Natürlich war es schade, aber ich wusste schon, dass ich nicht so zittern müsste wie andere Spieler. Ich hatte auch gar keinen Kontakt zum Nationaltrainer.

Welche Ziele haben Sie mit dem VfB?

Es ist für mich ein kleiner Neuanfang. Ich will mich einfach wieder zeigen und gut spielen.

Ihre Oma hat Ihnen früher für jedes Tor, dass Sie geschossen haben, eine Mark geschenkt. Wollen Sie nicht einmal darüber nachdenken, diese Motivation wieder einzuführen?

Nein, nein. Ich habe mir damals ein Super-Taschengeld dazuverdient. Aber jetzt brauche ich keine zusätzlichen Anreize, um Tore zu schießen. Wenn ich in Stuttgart regelmäßig spiele, wird das auch wieder klappen.

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