07.07.2008

Benjamin Lauth im Interview

»Ich konnte das nicht stoppen«

Benjamin Lauth spielt nun wieder für seinen »Jugendverein« 1860 München. Der 26-jährige Stürmer über seinen rasanten Aufstieg, seine Lehrjahre in der ersten Liga, die Rückkehr zu 1860 München und seine Ziele.

Interview: Moritz Kielbassa und Gerald Kleffmann Bild: Imago
Benjamin Lauth im Interview
Für Journalisten sind Sie trotzdem eine Reizfigur geblieben. Erst kürzlich wurden Sie mit einem teuren Sportwagen fotografiert, den schon James Bond fuhr. Dazu die bissige Schlagzeile: »Autos wie 007, spielt aber 08/15«.

Solche Schubladen kann man manchmal nicht verhindern. Aber man lernt, damit umzugehen. Wenn solche Dinge in der Welt sind, ist es schwer, sie zurechtzurücken. Ich will das auch gar nicht. Ich muss mich nicht rechtfertigen.

Sie sind 1860 abgestiegen. Damals hieß es: Trainer Falko Götz sei eifersüchtig gewesen, weil mit Ihnen ein Star in der Mannschaft war. Der Eindruck war: Götz hat sie schlecht behandelt. Und damit Ihre Entwicklung aufgehalten.

Es hat manches nicht gepasst, aber mir liegt nichts daran, die Vergangenheit aufzuarbeiten. Mit Peter Pacult als Trainer kam ich vorher besser zurecht, das ist kein Geheimnis. Als Junger habe ich oft nicht verstanden, dass sich der Trainer (Götz, d.Red.) bei Kritik von außen nicht vor mich gestellt hat.

Von Marco Kurz können Sie solche Rückendeckung nun erwarten. Sie sind mit dem Löwen-Trainer befreundet. Könnte das der Schlüssel sein, damit bald wieder der alte, torgefährliche Lauth zu sehen sein wird?

Es ist immer gut, wenn du weißt, dass du bei ein, zwei schlechten Spielen nicht sofort aus der Mannschaft fliegst. Der Trainer war sehr wichtig für meine Entscheidung, hierher zu kommen. Wir hatten ja auch privat immer Kontakt. Aber dass ich Marco gut kenne, ist keine Garantie für mich. Ich muss Leistung bringen, wie jeder.

Lassen Sie nochmal Ihre vier Auswärtsjahre Revue passieren. Sie waren 2004 auch beim FC Bayern im Gespräch, gingen dann nach Hamburg ...

Ich habe mir meinen Verein selber ausgesucht, ich musste nirgendwo hingehen, weil mich ein anderer nicht wollte. Bei allen Entscheidungen hatte ich das richtige Näschen. Als ich nach Hamburg ging, war der HSV noch eine graue Maus im Mittelfeld, aber ich spürte: Da entsteht was - und so ist es gekommen. Dann ging ich nach Stuttgart - und wurde Deutscher Meister. Und jetzt bei Hannover das Gleiche: Wir haben die beste Bundesliga-Saison des Vereins seit ewigen Zeiten gespielt.

Klingt alles wunderbar. Leider war Ihre persönliche Bilanz das nicht.

Für mich lief es nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte und wie es sich die Leute von mir erwartet haben. Die Messlatte lag durch meine Zeit bei 1860 eben sehr hoch.

Sie waren quasi auf dem Gipfel ins Geschäft eingestiegen.

Ja, das war schon eine Bürde. Beim HSV hatte ich zweieinhalb schöne Jahre, im zweiten wurden wir Dritter, wir haben den UI-Cup gewonnen und ich habe im Team die meisten Spiele gemacht. In Stuttgart wurden wir Meister, in den letzten Spielen war ich immer von Beginn an dabei. Und in Hannover hatte ich auch über 20 Einsätze. Wäre ich vorher ein Durchschnittsspieler gewesen, dann würde sich das alles gar nicht so schlecht anhören. Aber alle, auch ich, hatten mehr erhofft. Deshalb heißt es jetzt: Der ist gescheitert.

Sie sehen das natürlich anders?

Ich bin nicht zufrieden, wie es gelaufen ist. Aber »gescheitert« ist eindeutig übertrieben.

Es gab 2007 sogar mal die Kicker-Schlagzeile: »Der schlechteste Bundesliga-Spieler der Hinrunde«.

Das wurde anhand irgendwelcher Noten errechnet. So etwas ist nicht schön, aber ich nehme es nicht so ernst.


Lest weiter auf Seite 3: Die Besonderheiten der Stürmerposition und die Liebe zu München.

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