Benjamin Köhler über seinen Kampf gegen den Krebs

»Ich dachte nicht an den Tod«

Ihr wollt gute Nachrichten? Ihr bekommt gute Nachrichten! 357 Tage nach seinem letzten Einsatz hat Unions Benjamin Köhler sein Comeback gefeiert.

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»Angst habe ich keine«, hat Benjamin Köhler im Sommer 2015 gesagt, als wir ihn zum Interview in Berlin trafen und nach einem möglichen Comeback fragten. »Der Weg dahin wird verdammt hart, ich musste ja quasi bei Null starten, das sind ganz andere Voraussetzungen, als wenn man nach einer herkömmlichen Sportlerverletzung wieder ins Training einsteigt.«

Im Februar 2015 war beim Mittelfeldspieler des 1. FC Union Berlin ein bösartiger Tumor im Lymphsystem festgestellt. Krebs. Köhler stellte sich dem Kampf gegen den Krebs, unterzog sich insgesamt sechs Chemotherapien – und wurde wieder gesund. Als wir ihn damals zum Gespräch trafen, sagte Köhler: »Ich habe ein ganz wunderbares Ziel: die vollen 90 Minuten auf dem Platz stehen, wieder Profifußballer sein. Dafür lohnt sich die Plackerei.«

Am vergangenen Sonntag stand er tatsächlich wieder auf dem Rasen. Wenn auch nicht 90 Minuten, sondern 80 im Testspiel gegen eine Auswahl arbeitsloser spanischer Profis. Köhler gelang sogar ein Tor, per Elfmeter. »Es war schön, ich bin glücklich«, gab der Rückkehrer nach dem Spiel zu Protokoll.

Hier veröffentlichen wir das komplette Interview mit Benjamin Köhler. Und gratulieren zu einem Comeback, das seinen Namen auch verdient hat.

Benjamin Köhler, vertrauen Sie als Fußballer Statistiken?
Das hält sich in Grenzen. Wieso?

Welche Heilungschancen nannten Ihnen die Ärzte, als sie im Februar 2015 bei Ihnen einen bösartigen Tumor im Lymphsystem diagnostizierten?
Etwa 80 Prozent.

Haben Sie jemals an die anderen 20 Prozent denken müssen?
(überlegt) Wirklich nur ganz selten.

Wie haben Sie die Diagnose aufgenommen?
Die erste Woche war sehr hart. Ich informierte mich im Internet über meine Krankheit (das sogenannte »Hodgkin-Lymphom«, d. Red.), das soll man ja bekanntlich nicht tun. Eigentlich hatte ich geplant, in den Urlaub zu fahren, doch statt in der Sonne zu liegen, begann wenig später die erste Chemotherapie.

Wie war das?
Es war die erste von sechs und mit Abstand die Schlimmste. Tagelang hatte ich mit üblen Bauchschmerzen zu kämpfen, auch die Schmerztabletten halfen nichts. Ich konnte mich nicht viel bewegen und lag zu Hause vor der Glotze. Diese Zeit war echt beschissen.

Wie groß war die Gefahr, dass Sie daran zerbrechen?
Gar nicht. Dafür bin ich ein viel zu optimistischer Mensch. Ich sagte dem Krebs den Kampf an, ohne einmal wirklich darüber nachzudenken, dass ich vielleicht sterben könnte.

Wer hat Ihnen dabei geholfen?
Mein Umfeld. Meine Familie, meine Freunde – und auch die unzähligen Briefe, Mails oder Nachrichten bei Facebook und Instagram. Wenn du dauerhaft von Menschen umgeben bist, die an dich glauben oder dir mit ihren Nachrichten positive Energie schenken wollen, dann ist das alles nur noch halb so schwer. Ich will gar nicht erst darüber nachdenken, ob ich den ganzen Mist alleine durchgestanden hätte.

Hatten Sie ein Problem damit, als Ihnen die Haare ausfielen?
Die Haare und der Bart waren kein Problem. Mütze aufgesetzt, fertig. Die Augenbrauen haben mich allerdings wirklich gestört, so ganz nackt sah ich wirklich komisch aus. Ich ging in ein Fachgeschäft und kaufte mir neue Brauen. Meine Frau hat sie mir dann zugeschnitten. Damit konnte ich leben.

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