04.06.2009

Benjamin Kirsten über Vater und Sohn

»Kirsten ist eine Legende«

Ulf Kirsten war ein Star. Für Sohn Benjamin kein Grund, es nicht auch als Fußballer zu versuchen. Doch statt zu stürmen, stellt er sich bei Dynamo Dresden ins Tor. Wir sprachen mit ihm über den Schatten und den Schuss seines Vaters.

Interview: Marco Weber Bild: imago

Herr Kirsten, vor Kurzem haben Sie Ihr erstes Spiel für Dynamo Dresden in der dritten Bundesliga absolviert. In den Spielberichten werden Sie ausdrücklich gelobt. Sind Sie mit Ihrer Leistung zufrieden?

Ja, das bin ich. Ich habe zwar ein, zwei kleinere Fehler gemacht, aber ich denke trotzdem, dass ich das Spiel gut über die Bühne gebracht habe. Das haben mir auch meine Mannschaftskollegen bescheinigt.



Was überwiegt, die Freude über die eigene Leistung beim Debüt oder die Enttäuschung über die Niederlage?

Natürlich die Enttäuschung. Ich hätte lieber keinen Ball auf das Tor bekommen und 0:0 gespielt, als nach einer guten Leistung zu verlieren. Ich bin nur ein Elftel der Mannschaft und stehe voll im Dienst des Teams.

Schon in Ihrer ersten Saison bei Dynamo haben Sie Marcus Hesse als Nummer Zwei abgelöst. Was haben Sie sich für nächstes Jahr vorgenommen?

Ich bin ja schon seit Oktober die Nummer Zwei in Dresden, nicht erst seit gestern. Mein Ziel für nächstes Jahr ist ganz klar, dass ich meine Position als zweiter Torhüter festigen möchte. Ich habe noch einen Lernprozess vor mir und plane deswegen nächstes Jahr noch nicht mit einem Konkurrenzkampf. Axel Keller ist ein starker Keeper, der sehr wichtig für die Mannschaft ist. Ein Konkurrenzkampf würde nur Unruhe ins Team bringen.

Neben dem Fußball absolvieren Sie eine Ausbildung, nach der schlechten Rückrunde in Mannheim haben Sie auch ein Karriereende nicht ausgeschlossen. Ist es diese Distanz, die Sie in dieser Saison so stark macht?

Das Karriereende stand zwar in Aussicht, aber der Wechsel zu Dynamo war natürlich auch ein sehr persönlicher Wechsel gewesen. Ich habe Dynamo nicht gebeten, sondern Dynamo hat mich nach der letzten Saison angesprochen, worauf ich sehr stolz war. Ich bin, seitdem ich denken kann, Dynamo-Dresden-Fan, das hat sicher den Ausschlag gegeben, meine Leistung nochmal zu erhöhen. Denn wenn man für einen Verein spielt, von dem man zu einhundert Prozent überzeugt ist, dann kann man für diesen Club einhundertzehn Prozent geben. Und zu Dynamo habe ich eine sehr persönliche Bindung, früher bin ich zu jedem Auswärtsspiel gefahren.

Ihre bisherigen Vereine gleichen fast denen Ihres Vaters. Zufall?

Nein, das ist kein Zufall. Dadurch dass wir damals nach Leverkusen gezogen sind, bin ich automatisch in den Jugendbereich von Bayer 04 gerutscht. Aber diesen Sohn-Bonus, den viele immer vermuteten, hatte ich nicht. Ich musste meine Leistung bringen, anders hätte ich das auch nicht gewollt. Ich wollte immer wegen meiner Leistung spielen und nicht wegen der meines Vaters. Hier in Dresden ist es vom Namen natürlich ein sehr heißes Pflaster. Kirsten ist eine Legende, da musste ich ein wahnsinnig großes Erbe übernehmen. Das macht es sehr schwierig für mich, aber die Fans haben mich sehr positiv aufgenommen und behandeln mich genauso wie jeden anderen auch.

Nervt es eigentlich, andauernd nach dem Vater gefragt zu werden?

Manchmal ist es einfach unangebracht. Ich erbringe eigene Leistungen, für die ich auch geschätzt werden will. Ich will nicht immer wieder hören: Super gehalten, aber dein Vater hat doch früher.... Das sind Dinge, bei denen man dann auch mal aus der Haut fährt. Aber natürlich kann ich die Fans verstehen, die mich nach meinem Vater fragen, denn er war ein Riesenfußballer.

Der Name Kirsten steht in Deutschland wie kaum ein anderer für Tore. Kein Stürmer war in den 90er Jahren erfolgreicher als Ulf Kirsten – und jetzt ist sein Sohn Torwart. Brauchte Ihr Vater jemanden, der sich bei Sonderschichten in den Kasten stellt?

Dafür war ich zu klein (lacht). Ich war ja am Anfang Stürmer und kann auch heute noch beide Positionen spielen. Auch bei unserer Zweiten musste ich schon mal als Feldspieler aushelfen. Aber ich wollte einfach Torwart sein, der Vergleich Ulf/Benni ist ja selbst dann gegeben, wenn ich im Tor stehe, da können Sie sich ausrechnen, wie es wäre, wenn ich auch noch als Stürmer spielen würde. Diese Legende Ulf Kirsten kann man nicht überbieten.

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