31.08.2011

Bayerns Vize-Präsident Fritz Scherer

»Wir möchten anerkannt werden«

Vize-Präsident Professor Dr. Fritz Scherer gehört zum FC Bayern wie Gerd Müller und der knappe 1:0-Sieg. Für die große Reportage »Die Bayernformel« sprach Tim Jürgens mit Scherer über Millionentransfers und Silvio Berlusconi.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Sein Name ist untrennbar mit dem kommerziellen Erfolg vom FC Bayern München verbunden: Fritz Scherer, 1940 geboren, spielte in der Jugend beim BC Augsburg, 1979 wurde er Schatzmeister beim FC Bayern und blieb in dieser Funktion bis 1985. Anschließend wurde er Präsident des FCB, erst 1994 löste ihn Franz Beckenbauer ab. Heute ist der emirierte Professor für Betriebwirtschaftslehre Vize-Präsident und Mitglied im Aufsichtsrat des FC Bayern, sowie im Steuer- und Wirtschaftsausschuss des DFB.

Professor Dr. Fritz Scherer, »Mia san Mia« – was bedeutet das für Sie?


Fritz Scherer: Das wurde zu den Spielerzeiten von Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge geprägt. Es steht dafür, dass der Klub unbeirrbar seinen Weg geht und sich die handelnden Personen nicht auseinander dividieren lassen.

>>> Fritz Scherer beim FC Bayern: Die Bildergalerie!



Wie viel hat es heute noch mit der Realität gemein?

Fritz Scherer: Es ist Realität. Schauen Sie, unsere große innere Stärke ist doch, dass hier in allen Bereichen seit vielen Jahre Menschen arbeiten, die in diesem Klub groß geworden sind: Dremmler im Scouting, Pflügler im Merchandising, Aumann als Fanbeaufragter, Breitner, Rummenigge, Nerlinger. Und oben drüber steht Uli Hoeneß. 


Sie wurden 1979 Schatzmeister bei einem Klub, der acht Millionen Mark Schulden hatte. Der neue Manager dieses Klubs war eben jener Uli Hoeneß.

Fritz Scherer: Wir passten gut zusammen, er ist Schwabe, ich halber Schwabe. Und wir haben uns geschworen, nie wieder Schulden mit dem FC Bayern zu machen. 


So ein Anliegen haben viele Vereine, dennoch schaffen es nur sehr wenige ohne fremdes Geld, solche Erfolge zu erzielen wie der FC Bayern seitdem.

Fritz Scherer: Wir hatten über lange Jahre das Glück, viele gute Spieler aus dem Jugendbereich zu bekommen, die sich mit dem Klub identifizierten und den jeweiligen Trainern auch gefördert wurden und sich hervorragend entwickelt haben.

Wie hoch war der Klub-Etat, als Sie 1979 anfingen?

Fritz Scherer: Unser Umsatz belief sich im Spieljahr 1979/80 auf zwölf Millionen DM, davon kamen 90 Prozent aus den Ticketverkäufen. Heute sind es ca. 350 Millionen Euro. Unvorstellbar zum damaligen Zeitpunkt! Von den Sponsoren nahmen wir 600.000 DM, vom Fernsehen 400.000 DM, von der Bandenwerbung 40.000 DM und von den Fanartikeln 100.000 DM als Lizenzgebühr ein. Wir hatten ca. 6.500 Mitglieder. Heute haben wir  168.000 Mitglieder. An der Säbener Straße in München hatten wir ein Gelände mit drei Fußballplätzen und einem Gebäude für unsere Mannschaften und für die Verwaltung. Diese Anlagen wurden dann 1990 und 2008 erheblich erweitert.

Was empfinden Sie bei dem Gedanken, dass Ihr Klub heute in nur einer Sommerpause 44 Millionen Euro für Ablösesummen ausgibt?

Fritz Scherer: Früher wäre so etwas undenkbar gewesen, aber heute sind wir in der komfortablen Situation, dass wir es uns leisten können, weil auch perspektivisch genug Geld eingenommen wird. Auch wenn der FC Bayern so viel ausgibt, können Sie sicher sein, dass die Verantwortlichen die Transfers eingehend diskutiert haben. Und dass bei einer Entscheidung berücksichtigt wurde, dass auch namhafte Spieler Zeit brauchen, um sich bei uns zu Recht zu finden.

Wie hat sich die Philosophie beim FC Bayern seit 1979 verändert?

Fritz Scherer: Damals mussten wir überall sparen. Heute sagt man sich, wir haben das Geld und wollen uns sportlich verstärken. Denn zwischen dem sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg besteht eine gegenseitige Abhängigkeit. Der sportliche Erfolg zum Beispiel, die Teilnahme an der Champions League, bringt zusätzlich Mehreinnahmen. Damit wird es möglich, starke und attraktive Spieler zu verpflichten und somit die Attraktivität für Fans und Sponsoren zu steigern.

Welche Transfers waren aus dieser Perspektive Quantensprünge für den FC Bayern?

Fritz Scherer: Beim FC Bayern wurde nie ein Spieler allein wegen des Namens geholt. Es ging immer darum, was er für uns sportlich bringen kann und ob er zu uns passt. Und es gab natürlich ein finanzielles Limit. Wenn man von einem Quantensprung sprechen kann, war es zu dieser Zeit der Transfer von Sören Lerby von zwei Millionen DM.   


Ein Bayern-Spieler muss über Ellenbogen verfügen, um sich durchzusetzen. Können Sie sich erinnern, einen Spieler nicht verpflichtet zu haben, weil er Ihnen zu exzentrisch vorkam?

Fritz Scherer: Nein, generell waren wir hier immer der Überzeugung, wenn einer sportlich ins Gefüge passt,  kommen wir beim FC Bayern auch menschlich mit ihm zurecht.


Haben Sie als ehemaliger Schatzmeister mitunter moralische Bedenken, was die heutigen Spielergehälter anbetrifft?

Nein, solange wir die Gehälter finanzieren können, habe ich keine Bedenken. Hohe Gehälter können nur mit hohem Einkommen bezahlt werden. Und die hohen Erlöse bringen die Spieler, und daraus ergibt sich die Relation zu den Gehältern anderer Arbeitnehmer.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden