Bayern-Geschäftsführer Karl Hopfner über das Festgeldkonto

»Unser Ziel sind Titel, nicht Handel«

Bayern-Geschäftsführer Karl Hopfner über das Festgeldkonto
Heft#118 09/2011
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Karl Hopfner, fühlen Sie sich, wenn Sie zwischen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf der Tribüne sitzen, manchmal wie zwischen Waldorf und Statler in der Muppet-Show?

Karl Hopfner: (lacht) Während des Spiels bin ich selbst vollkommen aufs Geschehen auf dem Rasen fokussiert – und dabei stehe ich den beiden emotional wohl in nichts nach. Wenn Sie die unmittelbare Liebe zum FC Bayern nicht mehr hätten, sich nicht freuen und sich auch nicht ärgern würden, hätten Sie die Identifikation verloren.

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Gleichwohl dürften Ihnen als Finanzvorstand doch andere Dinge durch den Kopf gehen als Ihren Kollegen, wenn die Mannschaft zum Beispiel gerade die Champion-League-Qualifikation verspielt.


Karl Hopfner:  Nein. Erstmal geht es für uns alles nur ums Sportliche. Alles andere  kommt dann erst in den Diskussionen nach dem Spiel, wenn man in der Lage ist, das Geschehene einigermaßen kühl zu analysieren.

Wie ist der derzeitige Stand des legendären Festgeldkontos des FC Bayern?

Karl Hopfner: Aktuell verfügen wir über eine freie Liquidität von 64 Millionen Euro. Was den Umsatz anbelangt, kann ich Ihnen, da die Zahlen des letzten Geschäftsjahres noch nicht veröffentlicht sind, nur die aus 2009/10 nennen: der konsolidierte Umsatz betrug damals 350,2 Millionen Euro. Das wird nun etwas weniger werden, da wir im DFB-Pokal und in der Champions League nicht ganz so weit gekommen sind wie im Superjahr 2010.

Wie lange könnte der FC Bayern dieses Niveau ohne Champions-League-Teilnahme halten?

Karl Hopfner: So lange wir Gewinne machen, die ja nur zu einem bestimmten Teil an die Aktionäre ausgeschüttet werden, stellt sich die Frage nicht. Und selbst wenn wir keine Gewinne machen, rutschen wir nicht nicht gleich in die Verschuldung, zumal wir 206 Millionen Euro Eigenkapital vorweisen können. Gleichwohl muss es natürlich der Anspruch des FC Bayern sein, in der Champions League zu spielen.

Über die Jahre gesehen, geben Sie mehr Geld für Spieler aus, als Sie einnehmen. Gibt es Überlegungen, Spieler in Zukunft mehr als Wertanlage zu sehen, wie es etwa der HSV tut?

Karl Hopfner: Ganz klares Nein. Wir wollen unsere Stärke erhalten, und dann kann es nicht darum gehen, dass man bei der Verpflichtung gleich schon über den Weiterverkauf nachdenkt. Das wäre im übrigen auch Handel! Nein, wir gehen davon aus, dass ein Spieler uns im gesamten Vertragszeitraum zur Verfügung steht und uns sportlich weiterbringt. Unser Ziel sind Titel, nicht Handel.

Franz Beckenbauer sagt: »Der FC Bayern ist keine Bank, sondern ein Fußballverein.« Bereitet Ihnen die Offensive, die der Klub in den letzten Jahren auf dem Transfermarkt gestartet hat, schlaflose Nächte?

Karl Hopfner: Überhaupt nicht. Das Geld, das wir ausgeben, haben wir ja vorher auch eingenommen. Der FC Bayern muss keine Kredite aufnehmen. Und wir haben, im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen, nicht nur in Beine, sondern auch in Steine investiert. Wir haben die Allianz-Arena nun für uns allein. Innerhalb von sechs Jahren haben wir bereits 176 Millionen Euro der Baukosten getilgt, den Rest von etwa 164 Millionen werden wir zum überwiegenden Teil bis 2018 getilgt haben. Und nicht zuletzt haben wir in die Infrastruktur an der Säbener Straße weit über 25 Millionen Euro gesteckt. Auch das ohne irgendwelche Kredite.

Und bald greift auch noch das »Financial Fairplay«. Sie müssen der glücklichste Mann im deutschen Fußball sein.

Karl Hopfner:  In der Tat bin ich glücklich über die Einführung des Financial Fairplay durch die Uefa, ja.

Wo sehen Sie überhaupt noch wirtschaftliche Potenziale?

Karl Hopfner:  In der TV-Vermarktung, sowohl national als auch international. Dort hinken wir weit hinter den europäischen Ligen in Italien, England, Spanien und sogar Frankreich hinterher.

Über den Pay-TV-Sender SKY lässt sich offenbar nicht viel verdienen. Wann nehmen Sie die Sache selbst in die Hand. Wann kommt FC-Bayern-TV?

Karl Hopfner:  Wir haben schon einen Stream auf unserer Homepage. Aber einen echten Sender sehe ich nicht, denn wenn ich die Kosten für die Einführung und notwendige Infrastruktur betrachte, halte ich  eine Gewinnerzielung mittelfristig für nicht gegeben.

Sehen Sie denn Chancen auf Mehrerlöse?

Karl Hopfner:  Ja, speziell in der Auslandsvermarktung. Nachdem die DFL lange Jahre nicht gerade sehr aktiv war, weht jetzt ein neuer, frischer Wind und erste Erfolge konnte die DFL bereits erzielen.


Bitte schlüsseln Sie es uns auf: Womit verdient der FC Bayern im Einzelnen sein Geld?

Karl Hopfner:  Wenn man die Bayern München AG allein sieht, also die Allianz-Arena herausnimmt, haben wir 312 Millionen Euro Umsatz gemacht. Aus Sponsoring und Vermarktung kommen 82,6 Millionen, 38,9 Millionen aus dem Merchandising, 111,6 Millionen kommen aus dem Spielbetrieb, 38,5 Millionen aus der TV-Vermarktung (ohne die Champions League), aus den Transfers 27,2 Millionen aus Sonstigem 13,2 Millionen.

Und nur in der TV-Vermarktung erwarten Sie noch eine Steigerung?

Karl Hopfner:  In den anderen Bereichen wird sich nicht mehr allzu viel tun, mit Ausnahme vielleicht des Merchandise-Segments.

Sie haben mit Takashi Usami einen japanischen Spieler geholt – spielten dabei auch Marketingüberlegungen eine Rolle?

Karl Hopfner:  Überhaupt nicht. Da gibt es eine ganz klare Rangfolge: Der Spieler muss uns verstärken, er muss eine sportliche Perspektive haben. Wenn er dann auch noch Marketingpotenzial birgt, ist es wunderbar – aber nur als Nebeneffekt. Wir würden uns ja auch niemals einen chinesischen Spieler holen, nur um einen chinesischen Spieler zu haben, der uns aber sportlich nicht verstärkt. Auch wenn der dortige Markt riesig ist.

Sie sind seit 1983 beim FC Bayern. Erinnern Sie sich an die Anfänge?

Karl Hopfner:  Wir hatten damals zwölf Mitarbeiter und zwei leitende Angestellte – Uli Hoeneß als Manager und meine Wenigkeit als Geschäftsführer. Damals waren wir nicht auf Rosen gebettet. Aber das änderte sich schon mit dem Transfer von Karl-Heinz Rummenigge im Sommer 1984 für elf Millionen Mark zu Inter Mailand. Seitdem schreiben wir schwarze Zahlen. Alles andere ist im Laufe der Jahre gewachsen, vor allem durch das Engagement und den Einsatz von Uli Hoeneß.

Sehen Sie nur die Zahlen? Oder auch die enervierende Dauerwerbesendung bei Heimspielen im Stadion?

Karl Hopfner:  Ich weiß nicht, was daran Dauerwerbung sein soll. Ich finde das durchaus geschmackvoller als in anderen Stadien
, vor allem durch die innovativen LED-Banden. Und im Business-Bereich etwa findet überhaupt keine Werbung statt. Ganz ohne geht es freilich nicht: Wir benötigen die Einnahmen aus dem Sponsoring, um den Kader dort zu halten, wo er jetzt steht. Der kostet  schließlich Geld! Deswegen muss der wirtschaftliche Background stimmen. Und da sind wir international mit an der Spitze.

Wird der FC Bayern in zehn Jahren die Nummer 1 in der Welt sein?

Karl Hopfner:  Das weiß ich nicht, und es ist auch nicht entscheidend. Derzeit sind wir Nummer 4 in Europa. Es muss unser Ziel sein, immer unter den Top 8 zu sein, damit wir z.B. bei der Champions-League-Auslosung top gesetzt sind.

Zwei Ihrer Sponsoren sind auch Shareholder: Adidas und Audi halten je 9,1 Prozent. Was bringen solche Beteiligungen?

Karl Hopfner:  Wir sind diese Partnerschaften u.a. auch deshalb eingegangen, damit die Allianz Arena stabil finanziert werden kann. Es ist ausdrücklich nicht angedacht, einen weiteren Shareholder aufzunehmen. Die  restlichen 81,8 Prozent verbleiben im Besitz des FC Bayern München e.V.

Beraten Sie Ihre Spieler eigentlich in finanziellen Dingen?

Karl Hopfner:  Früher haben wir so etwas mal angeboten. Da haben wir in den 80er Jahren einen Investmentklub gegründet, Spielern und Mitarbeiter konnten eine Grundsumme und monatliche Beträge einzahlen, dies wurde dann von einer Bank verwaltet.

Eine Art vermögensbildende Maßnahme.

Karl Hopfner:  Wenn Sie so wollen, ja. Heutzutage werden natürlich ganz andere Summen verdient als damals, da können wir nur hoffen, dass die Spieler einen guten Berater haben. Sollten sie trotzdem Fragen haben, können sie natürlich jederzeit zu uns kommen.

Was ist Ihre schönste Erinnerung im Zusammenhang mit dem FC Bayern?

Karl Hopfner:  Es wird Sie vielleicht nicht überraschen: der Champions League Sieg 2001.

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