30.08.2011

Bayern-Geschäftsführer Karl Hopfner über das Festgeldkonto

»Unser Ziel sind Titel, nicht Handel«

Bayern-Geschäftsführer Karl Hopfner ist vor allem als der dritte Mann im bayrischen Tribünen-Triumvirat zwischen Rummenigge und Hoeneß bekannt. Wir sprachen mit ihm über zukünfitge Einnahmequellen, Bayern-TV und das »Financial Fairplay«.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Karl Hopfner, fühlen Sie sich, wenn Sie zwischen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge auf der Tribüne sitzen, manchmal wie zwischen Waldorf und Statler in der Muppet-Show?

Karl Hopfner: (lacht) Während des Spiels bin ich selbst vollkommen aufs Geschehen auf dem Rasen fokussiert – und dabei stehe ich den beiden emotional wohl in nichts nach. Wenn Sie die unmittelbare Liebe zum FC Bayern nicht mehr hätten, sich nicht freuen und sich auch nicht ärgern würden, hätten Sie die Identifikation verloren.



Gleichwohl dürften Ihnen als Finanzvorstand doch andere Dinge durch den Kopf gehen als Ihren Kollegen, wenn die Mannschaft zum Beispiel gerade die Champion-League-Qualifikation verspielt.


Karl Hopfner:  Nein. Erstmal geht es für uns alles nur ums Sportliche. Alles andere  kommt dann erst in den Diskussionen nach dem Spiel, wenn man in der Lage ist, das Geschehene einigermaßen kühl zu analysieren.

Wie ist der derzeitige Stand des legendären Festgeldkontos des FC Bayern?

Karl Hopfner: Aktuell verfügen wir über eine freie Liquidität von 64 Millionen Euro. Was den Umsatz anbelangt, kann ich Ihnen, da die Zahlen des letzten Geschäftsjahres noch nicht veröffentlicht sind, nur die aus 2009/10 nennen: der konsolidierte Umsatz betrug damals 350,2 Millionen Euro. Das wird nun etwas weniger werden, da wir im DFB-Pokal und in der Champions League nicht ganz so weit gekommen sind wie im Superjahr 2010.

Wie lange könnte der FC Bayern dieses Niveau ohne Champions-League-Teilnahme halten?

Karl Hopfner: So lange wir Gewinne machen, die ja nur zu einem bestimmten Teil an die Aktionäre ausgeschüttet werden, stellt sich die Frage nicht. Und selbst wenn wir keine Gewinne machen, rutschen wir nicht nicht gleich in die Verschuldung, zumal wir 206 Millionen Euro Eigenkapital vorweisen können. Gleichwohl muss es natürlich der Anspruch des FC Bayern sein, in der Champions League zu spielen.

Über die Jahre gesehen, geben Sie mehr Geld für Spieler aus, als Sie einnehmen. Gibt es Überlegungen, Spieler in Zukunft mehr als Wertanlage zu sehen, wie es etwa der HSV tut?

Karl Hopfner: Ganz klares Nein. Wir wollen unsere Stärke erhalten, und dann kann es nicht darum gehen, dass man bei der Verpflichtung gleich schon über den Weiterverkauf nachdenkt. Das wäre im übrigen auch Handel! Nein, wir gehen davon aus, dass ein Spieler uns im gesamten Vertragszeitraum zur Verfügung steht und uns sportlich weiterbringt. Unser Ziel sind Titel, nicht Handel.

Franz Beckenbauer sagt: »Der FC Bayern ist keine Bank, sondern ein Fußballverein.« Bereitet Ihnen die Offensive, die der Klub in den letzten Jahren auf dem Transfermarkt gestartet hat, schlaflose Nächte?

Karl Hopfner: Überhaupt nicht. Das Geld, das wir ausgeben, haben wir ja vorher auch eingenommen. Der FC Bayern muss keine Kredite aufnehmen. Und wir haben, im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen, nicht nur in Beine, sondern auch in Steine investiert. Wir haben die Allianz-Arena nun für uns allein. Innerhalb von sechs Jahren haben wir bereits 176 Millionen Euro der Baukosten getilgt, den Rest von etwa 164 Millionen werden wir zum überwiegenden Teil bis 2018 getilgt haben. Und nicht zuletzt haben wir in die Infrastruktur an der Säbener Straße weit über 25 Millionen Euro gesteckt. Auch das ohne irgendwelche Kredite.

Und bald greift auch noch das »Financial Fairplay«. Sie müssen der glücklichste Mann im deutschen Fußball sein.

Karl Hopfner:  In der Tat bin ich glücklich über die Einführung des Financial Fairplay durch die Uefa, ja.

Wo sehen Sie überhaupt noch wirtschaftliche Potenziale?

Karl Hopfner:  In der TV-Vermarktung, sowohl national als auch international. Dort hinken wir weit hinter den europäischen Ligen in Italien, England, Spanien und sogar Frankreich hinterher.

Über den Pay-TV-Sender SKY lässt sich offenbar nicht viel verdienen. Wann nehmen Sie die Sache selbst in die Hand. Wann kommt FC-Bayern-TV?

Karl Hopfner:  Wir haben schon einen Stream auf unserer Homepage. Aber einen echten Sender sehe ich nicht, denn wenn ich die Kosten für die Einführung und notwendige Infrastruktur betrachte, halte ich  eine Gewinnerzielung mittelfristig für nicht gegeben.

Sehen Sie denn Chancen auf Mehrerlöse?

Karl Hopfner:  Ja, speziell in der Auslandsvermarktung. Nachdem die DFL lange Jahre nicht gerade sehr aktiv war, weht jetzt ein neuer, frischer Wind und erste Erfolge konnte die DFL bereits erzielen.

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