19.10.2012

Bayer-Profi Stefan Reinartz über seinen Trainerjob

»Profis haben genügend Zeit«

Stefan Reinartz von Bayer Leverkusen könnte seine freie Zeit ja auch mit dem Ankauf hübscher neuer Uhren vertrödeln. Tut er aber nicht. Stattdessen trainiert der 23-Jährige die U-17-Auswahl seines Klubs. Ein Gespräch über Trainingsmethoden für Teenager und den negativen Einfluss von Beratern.

Interview: Jannis Carmesin Bild: Imago

Stefan Reinartz, seit dieser Saison sind Sie Co-Trainer bei der B-Jugend von Bayer 04 Leverkusen. Dementsprechend sollte dieses Interview auch bei einer Trainingseinheit im Jugendleistungszentrum stattfinden. Sie haben das aber strikt abgelehnt. Wieso?
Ich möchte die Jungs so ein wenig von der medialen Beobachtung fern halten. Außerdem mache ich das doch erst seit fünf Monaten. Ich will nicht, dass das jetzt schon so dargestellt würde, als würde ich etwas ganz Tolles leisten. Das wäre mir unangenehm.

Profispieler und Jugendtrainer in einer Person, das ist eine im heutigen Profi-Fußball äußerst ungewöhnliche Konstellation. Wie kam es dazu?
Der aktuelle Cheftrainer der B-Jugend, Tom Cichon, und sein Assistent Andrzej Buncol haben vor der Saison Verstärkung für ihr Team gesucht. Es ist gar nicht so leicht, gute Trainer für den Jugendbereich zu finden. Bei der Suche hat Tom, der damals übrigens mein Co-Trainer in der A-Jugend war, irgendwann offenbar an mich gedacht und einfach mal angerufen.

Ging es dabei auch darum, dass Sie das Trainerteam durch Ihre besondere Rolle als Profi mit speziellen Einblicken bereichern könnten?
Es hat natürlich schon einen besonderen Touch, weil ich erst 23 bin und selbst in der Bayer-Jugend ausgebildet worden bin. Das sollte man aber auch nicht zu hoch hängen. Letztlich bin ich ein ganz normaler Co-Trainer.

Ist diese enge Bindung zum Jugendbereich des Vereins, bei dem Sie zum Profi gereift  sind, eine besondere Motivation? Eine Art Dankeschön?
So altruistisch sind die Beweggründe dann doch nicht. Mir macht es letztlich einfach enorm viel Spaß, außerdem ist es eine gute Chance, um die Erfahrung schon mal zu machen.

Welche Aufgaben übernehmen Sie im Trainingsbetrieb in erster Linie?
Ein bis zweimal pro Woche bin ich bin ich beim Training dabei. Dann komme ich zwei Stunden vor Trainingsbeginn und wir sprechen über einzelne Spieler, analysieren ältere Partien und überlegen uns, was wir verbessern können. Beim Training übernehme ich hin und wieder die ein oder andere Übungsform. Leider konnte ich aber bisher erst bei einem Spiel dabei sein, weil ich am Wochenende mit den Profis unterwegs bin.

Was sind Ihre ersten Eindrücke von der Arbeit als Trainer?
Mich hat überrascht, wie viele Themen anfallen, die mit dem Fußball nichts zu tun zu haben – und wie wenig du dich dadurch letzten Endes wirklich mit Fußball beschäftigst. Du hast 20 Kinder in einem schwierigen Alter, 20 Schulen, 40 Elternteile und ganz viel Organisationskram, in dem man irgendwie mit drin hängt.

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