27.08.2010

Bastian Schweinsteiger über seine Karriere (2)

»Angst habe ich nie«

Im zweiten Teil unseres großen Schweinsteiger-Interviews sprachen wir mit dem Bayern-Star über seinen Respekt vor Louis van Gaal, Glück im Fußball und eine mögliche neue »Duz-Freundin«. Exklusiv für 11freunde.de-User.

Interview: Tim Jürgens Bild: Christian Kaufmann

Ottmar Hitzfeld, Felix Magath, Jürgen Klinsmann, Jogi Löw, Jupp Heynckes und nun Louis van Gaal. Können Sie zwischen Ihren Trainern Ähnlichkeiten feststellen?


Jeder denkt anders über Fußball. Aber wenn ich gezwungen wäre, Parallelen herzustellen, würde ich sagen, Jogi Löw und Louis van Gaal ähneln sich am ehesten. Beide lieben offensiven Fußball.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Van Gaal beschreiben?

Er ist sehr direkt und ehrlich. Das war bei den vorigen Trainern nicht immer der Fall. Mit seiner Art muss man lernen klarzukommen. Er ist der Dirigent, der uneingeschränkte Boss. Ein sehr spezieller Typ mit einem sehr eigenwilligen Charakter. Mit seiner Art kann er einem im ersten Augenblick fast ein bisschen Angst einjagen.

Hatten Sie Angst vor ihm?

Angst habe ich nie, aber Respekt. Schließlich muss ich als Spieler lernen, einen Trainer zu verstehen. Felix Magath war für mich am Anfang auch nicht leicht zu durchschauen.

Wie äußerte sich das?

Am ersten Tag kam ich zum Training, er schaute mich an und sagte:»Und, wer bist Du?« Also musste ich mich mit Namen bei ihm vorstellen. Anschließend war ich für eine Operation am Knie zehn Tage weg. Als ich wieder kam, guckte er mich an und fragte wieder: »Wer bist Du?«

Schikane?

Er wollte mich aus der Reserve locken, das habe ich erst im Nachhinein verstanden. Aber in dem Moment habe ich nur gedacht: »Bin ich hier im falschen Film?«

In Magaths erster Saison bei den Bayern mussten Sie die ersten Wochen bei den Amateuren spielen.

Ich war verletzt, deswegen habe ich drei Spiele bei der zweiten Mannschaft gemacht. Er wollte mit seiner Art eine Trotzreaktion bei mir hervorrufen, was offensichtlich auch geklappt hat. Jedenfalls hatte ich im weiteren Verlauf auch eine erfolgreiche Zeit mit ihm.

Sie erwähnten eben, dass nicht alle Trainer so entwaffnend ehrlich waren wie Louis van Gaal. Was meinten Sie damit?

Das meine ich jetzt nicht als Schleimspur. Sie können jeden bei Bayern fragen, wie es ist, mit ihm zu arbeiten. Jeder sagt: »Sehr, sehr gut.« Er ist ein Trainer, der klare Vorgaben äußert, an die er sich dann aber vollständig hält. Bei ihm passiert es nicht, dass sich irgendwelche Termine verändern.

Hat Van Gaal sie ähnlich gefoppt wie damals Magath?

Nein, aber er sagt mir schon klipp und klar die Meinung, wenn ich einen Fehler mache.

In welchen Situationen?

Etwa als ich den Fehler beim 1:1 für Uruguay im Spiel um den dritten Platz gemacht habe. Als ich den Ball verlor, ahnte ich bereits, dass ich, wenn ich nach München ins Training zurück kehre, einen Spruch dazu hören werde. Schon nach dem Spiel habe ich zu Mario (Gomez, d.Red.) gesagt: »Pass auf, da kommt hundertprozentig vom Trainer noch etwas.« Und gestern kam der Spruch.

Was hat er denn gesagt?

Wir gingen eine Spielsituation durch, es ging um Ballannahme. Ich hatte gegen Uruguay den Ball mit dem Blick nach vorne angenommen und dabei die Distanz zum Gegenspieler etwas unterschätzt. Van Gaal erklärte uns also, dass man die Distanz zum Gegenspieler immer genau im Auge haben muss. Und plötzlich sagt er mit Blick zu mir: »Und nicht so, wie du gegen Uruguay.« So ist er. Sehr genau, er achtet auf alles.

Haben Sie bei ihm mehr Kredit als junge Spieler wie Thomas Müller oder Holger Badstuber.

Überhaupt nicht. Er fördert jeden Spieler, aber geht mit mir genauso um, wie mit einem der erst neu hinzu gekommen ist.

Seit der WM 2006 haftet Ihnen dieses »Schweini«-Image an. Sind Sie wirklich dieser lockere Typ, der Frust einfach weglächeln kann?


Selbst wenn ich ein Trainingsspiel verliere, bin ich wütend und versuche zu vermeiden, mit Leuten zu sprechen. Aber in Gesellschaft bin ich ganz gut in der Lage, Frust weitgehend zu überspielen.

Wie dick sind Sie denn nun wirklich mit Lukas Podolski befreundet?

Gut. Als er nach München wechselte, haben wir uns schon vorher viele SMS geschickt. Vielleicht hat er in München nicht die richtige Wahl getroffen, als er sich seine Wohnung suchte. Er lebte ziemlich außerhalb am Wörthsee, auf diese Weise hat er die Münchner Mentalität nie richtig kennen gelernt. Obwohl ich nach wie vor der Meinung bin, dass er als Spieler zum FC Bayern passt.

Kann man im Fußballgeschäft gute Freunde haben?

Auf jeden Fall. Ich habe hier bei Bayern zwei, drei enge Freunde, mit denen ich auch privat sehr viel mache.

Wer ist das?

Mario Gomez, der wohnt im Gegensatz zu Lukas damals auch in der Stadt, genauso wie Holger Badstuber. Hans Jörg Butt wohnt zwar etwas außerhalb, aber den schätze ich auch sehr.

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