27.08.2010

Bastian Schweinsteiger über seine Karriere (2)

»Angst habe ich nie«

Im zweiten Teil unseres großen Schweinsteiger-Interviews sprachen wir mit dem Bayern-Star über seinen Respekt vor Louis van Gaal, Glück im Fußball und eine mögliche neue »Duz-Freundin«. Exklusiv für 11freunde.de-User.

Interview: Tim Jürgens Bild: Christian Kaufmann
Bastian Schweinsteiger, Sie entstammen einer Jugendmannschaft beim FC Bayern, in der auch Spieler wie Andreas Ottl, Michael Rensing, Piotr Trochowski und Christian Lell spielten. Waren Sie damals schon der Beste?

Der Zweitbeste.

Wer war besser?

In der Jugend war Piotr Trochowski sehr angesehen. Er kam von einem kleinen Verein in Hamburg und hat immer bei den Älteren mitgespielt. Er stand immer ein Stück höher als ich oder Michael Rensing.



Warum stehen Sie inzwischen am Kopf der Nahrungskette?

Ich versuche immer, mein Bestes zu geben. Auch wenn es stärkere Spieler gab, habe ich immer an mir gearbeitet. Wenn es mal nicht so gut lief, habe ich mich nicht unterkriegen lassen. Ich habe versucht, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und natürlich kommt auch immer ein bisschen Glück dazu.

Welches Glück hatten Sie?

Dass ich im November 2002 gegen Lens in der Champions League eingewechselt wurde, folgte daraus, dass viele Stammspieler ausgefallen waren. Hermann Gerland hätte auch einen anderen von den Amateuren auswählen können, aber er hat Philipp (Lahm; d.Red) und mich mitgeschickt. Ich habe in meiner Karriere ein ganz gutes Timing. Jedenfalls hat es in diesen 15 Minuten auf dem Platz ganz gut geklappt.

Hatten sie in den vergangenen Jahren auch mal den Eindruck, dass Ihnen das Glück abhanden kommt?

Letzte Saison habe ich mich das oft gefragt. In der Bundesliga habe ich neun Mal die Latte getroffen, aber kein Tor gemacht. Da fragte ich mich schon: »Da stimmt doch was nicht?!« Andererseits waren wir in der Champions League fast vor dem Aus und sind in der Bundesliga nicht gut gestartet, dennoch haben wir fast alle Saisonziele erreicht.

Man kann Glück auch erzwingen.

So bin ich erzogen. Dass es auch schwächere Phasen gibt, in denen es wichtig ist, nicht aufzugeben. Mit dem entsprechenden Fleiß und dem Glauben an sich, wird man sein Ziel erreichen. Das haben mir meine Eltern vorgelebt.

Louis van Gaal hat durch Ihre Umbesetzung ins zentrale Mittelfeld Ihrer Karriere einen entscheidenden Dreh gegeben. Wie müssen wir uns Ihre Zusammenarbeit vorstellen?


Er trägt den absoluten Perfektionismus in sich. Er gibt vor, wie die Mannschaftsfotos gemacht werden, genauso wie er das Trainingsspiel unterbricht, wenn ein Pass nicht genau gespielt wurde. Er erklärt uns haarklein, wie der Pass in den Lauf und auf den richtigen Fuß gespielt wird. Diese Form von Perfektion haben inzwischen viele Spieler verinnerlicht. Wir wissen: Man muss bei jeder Aktion nachdenken.

Haben Sie eine Erklärung, warum frühere Trainer Ihrem Team dies nicht verdeutlichen konnten?

Vielleicht hat das mit den Holländern zu tun. Als kleines Land sind sie gezwungen, aus begrenzten Möglichkeiten das Optimale herauszuholen. Im Fußball ist es den Holländern seit jeher gelungen, Perfektionismus und schönes Spiel zu verbinden. Ich glaube, diese Mischung tut uns beim FC Bayern richtig gut: diese schöne, perfektionistische Ausrichtung von Van Gaal und der auf Effektivität abgestellte Fußballstil der Deutschen ergänzen sich optimal.

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