26.08.2010

Bastian Schweinsteiger über seine Karriere (1)

»Es kann schnell bergab gehen«

In unserer neuen Ausgabe verfolgen wir den Weg vom unbekümmerten »Schweini« zum wichtigsten deutschen Spieler: Bastian Schweinsteiger. Lest hier das Interview zur großen Reportage. Exklusiv für 11freunde.de-User.

Interview: Tim Jürgens Bild: Christian Kaufmann

Bastian Schweinsteiger, wie war Ihr Urlaub?

Gut und nach so einer langen Saison auch mehr als nötig.

Mussten Sie viel an Fußball denken?

Ich habe versucht, es zu vermeiden. Aber natürlich plant man innerlich und überlegt sich, wie die nächste Saison laufen sollte.



Wo waren Sie?

In Thailand. Ich dachte, dass die Leute dort nicht so viel mit der WM am Hut haben. Aber die Mitarbeiter im Hotel haben alle nach Autogrammen gefragt. Dort ist die englische Liga Nummer eins, aber die meisten haben mir gesagt, dass ihnen bei der WM der deutsche Fußball am besten gefallen hat.

In Südafrika war die deutsche Elf im Verlaufe des Turniers auch der größte gemeinsame Nenner in der Bevölkerung. Woran lag das Ihrer Meinung nach?

Der große Unterschied zu früheren Turnieren ist, dass wir sehr viel aufgeholt haben. Wir spielen einen Fußball, an dem die Zuschauer Gefallen finden. Unser Spiel hat Hand und Fuß und es ist kein Glücksspiel mehr. Schneller Fußball nach vorne – das kommt einfach an.

Wie hat die WM Ihnen persönlich gefallen?

Auch sehr gut. Keiner hätte gedacht, dass wir mit einer so jungen Mannschaft so weit kommen. Aber ich bin schon mal Dritter bei einer WM geworden, deswegen war ich nicht ganz so euphorisiert. Langsam wird es Zeit für mich, auch internationale Titel zu gewinnen.

Nach dem EM-Finale 2008 haben Sie gesagt, Sie wünschten, Sie könnten das Spiel gegen Spanien noch einmal machen. Die Chance hatten Sie jetzt – erneut ohne Erfolg.

Wir waren näher dran als 2008, aber wir haben uns die Niederlage selbst zugeführt.

Was meinen Sie damit?

Wir haben nicht den Level wie in den Spielen zuvor erreicht. Ich glaube immer noch, dass Spanien bezwingbar ist. Aber ich will so ein Spiel nicht so gewinnen, wie es die Schweiz in der Vorrunde gemacht hat…

Die Spanien 90 Minuten unterlegen war und glücklich mit 1:0 gewann.

Ich will gewinnen, indem wir gleichwertig sind und in den letzten zwanzig Minuten einen Tick besser. Klar haben wir mehr Druck als 2008 gemacht, aber letztlich muss gegen Spanien jeder Spieler auf dem Platz genau wissen, was zu tun ist.

Was aber nicht der Fall war. Haben Sie die Defizite im Spiel während des Urlaubs noch einmal rekapituliert?

Nein, dazu hatte ich während des Rückflugs von Südafrika genügend Zeit. Ich versuche solche Niederlagen zügig abzuhaken, zumal ich relativ schnell wusste, an was es gelegen hat.

Sie gelten als sehr analytischer Spieler. Wie bereiten Sie sich auf ein Halbfinale gegen Spanien vor?


Ich will viel über den Gegner wissen. Wie spielt er? Was sind seine Stärken und Schwächen? Der Rest liegt an mir selbst: Habe ich den Glauben an die eigene Stärke?

Über welche Rituale gelangen Sie zu diesem Bewusstsein?

Persönlich habe ich da einen gewissen Ablauf, der bei jedem Spiel derselbe ist: Bei der Nationalmannschaft gehe ich immer als letzter aus dem Bus. In der Kabine bilden wir kurz vor dem Rausgehen noch einen Kreis und auf dem Spielfeld dann noch einmal.

Es fällt auf, dass Sie inzwischen einer der Spieler sind, die in diesen Kreisen die Ansprachen halten.

Bei Bayern macht das auch der Mark (van Bommel, d.Red.). Mir geht es in diesen Momenten darum, den anderen nochmal die Wichtigkeit des Spiels zu verdeutlichen und in wenigen Sätzen klar zu machen, was auf dem Spiel steht. Wir hatten gerade bei dieser WM viele junge Spieler, die diese Unterstützung brauchten.

Was sagen Sie denn zu den Anderen?

Das gehört nicht an die Öffentlichkeit.

Sind es Schlachtrufe und ritualisierte Anfeuerungen oder individuelle Ansprachen.


Es ist nicht immer das Gleiche. Jeder Gegner spielt anders, deswegen ist es auch von der Situation abhängig, was ich da sage.

Ab wann war es klar, dass Sie diese Ansprachen halten? Seit Sie bei Bayern auf die zentrale Position versetzt wurden?

Ich plane so etwas nicht. Aber bei konstant guten Leistungen kann man Verantwortung übernehmen. Ist es nicht in jedem Beruf so, dass es nach ein paar Jahren leichter wird, Erfahrungen weiterzugeben? Natürlich wurde bei mir die Sache auch dadurch beschleunigt, dass mein Trainer bei Bayern mich zum ersten Mal dort aufgestellt hat, wo ich am besten bin. Dazu kam, dass ich dritter Kapitän bei Bayern und Vize-Kapitän in der Nationalelf geworden bin.

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