19.11.2008

Bastian Schweinsteiger im Interview

»Schweini passt nicht mehr«

Bastian Schweinsteiger ist erwachsen geworden. Auf dem Platz und auch daneben. Wir sprachen mit ihm über sein Boygroup-Image, sein Verhältnis zu Kanzlerín Angela Merkel und das Länderspiel gegen England.

Interview: Stefan Hermanns und Michael Rosentritt Bild: Imago
Wie treten Sie denn der Bundeskanzlerin entgegen: Wie ein alter Bekannter, oder haben Sie noch eine gewisse Scheu?

Natürlich ist es etwas Besonderes, aber ich versuche, so zu bleiben, wie ich bin. Ich spreche ganz normal mit ihr. Ich glaube, sie will es auch nicht, dass man sich etepetete benimmt. So bin ich ja auch nicht. Sonst müsste ich mich verstellen. Das will ich nicht.

Wie sind Sie denn?

Ich glaube, ich bin von Natur aus ein ganz normaler Typ wie jeder andere, ich lebe mein Leben. Meine Eltern haben mir das mitgegeben. Ich nehme manchmal auch nicht alles so wichtig.

Wie wichtig ist Ihnen Ihr Image?


Ich habe keinen Plan von mir, den ich aus Imagegründen verfolge. Ich versuche immer so zu sein, wie ich bin. Ich möchte mein Image auch nicht ändern. Natürlich bin ich erwachsener geworden. Ich sehe Dinge jetzt anders als mit 18.

Zum Beispiel?

Um mal auf den Fußball zu kommen: Ich schätze es heute viel mehr, Fußballprofi und Nationalspieler zu sein. Früher bin ich oft nur zum Training gefahren und danach gleich wieder nach Hause. Jetzt komme ich später heim, lasse mich vorher behandeln, mache vieles extra, um mich zu verbessern. Ich habe einfach mehr Sinn für meine Arbeit entwickelt. Ich weiß mein Talent heute mehr zu wertschätzen.

Glauben Sie, dass Sie das Ärgste hinter sich haben?

Schwierige Frage. In meiner Karriere ist schon ziemlich viel passiert. Es gab viele Aufs und Abs. In diesem Jahr bin ich mal so richtig konstant. Es ist mein bestes Jahr bis jetzt. Aber du kannst halt nicht wissen, was noch kommt. Nehmen Sie den Wettskandal. Auf einmal behauptet eine Zeitung, dass ich darin verwickelt bin. Plötzlich stand ich, völlig zu Unrecht, am Pranger und wurde von den Fans beschimpft. Oder dass jemand aus meinem früheren Umfeld meinen Vertrag an die Sportbild verkauft und die ihn dann abdruckt. Das sind Dinge, die zeigen, wie hart es in unserem Geschäft zugeht und einen ins Grübeln bringen. Seitdem weiß ich, dass immer noch was kommen kann, auch unberechtigt. Wenn ich mir anschaue, was Oliver Kahn alles erlebt und mitgemacht hat, dann habe ich noch einiges vor mir.

Aber Kahn hat auch gespielt, bis er 39 war.

Ich weiß, und ich bin erst 24. In diesem Fall: leider erst 24!

Dafür haben Sie das bisher erstaunlich gut weggesteckt.

Ich versuche die Dinge so schnell wie möglich zu verarbeiten und sie dann auch wegzulegen. Ich will nicht in die Zukunft gehen, wenn mich irgendwas belastet. Wenn ich mich mit allem beschäftigen müsste, was über mich geschrieben wird, würde ich innerlich ein bisschen kaputt gehen. Für mich ist es ganz wichtig: Wenn ich nach Hause komme, komme ich in eine andere Welt, dann kann ich den Fußball auch ein bisschen vergessen. Wenn ich meine Wohnungstür hinter mir zugemacht habe, bin ich nicht mehr der Fußballer Basti, dann bin ich der Mensch Basti. Das ist eigentlich ein sehr schönes Gefühl.

Und das gelingt Ihnen?

Das gelingt mir ganz gut.

Haben Sie als Fußballer auch einen großen Plan für Ihre Karriere?

Ich versuche immer, mich weiterzuentwickeln. Ich glaube, das habe ich in den Jahren von 2004 bis jetzt auch getan. Die Medien haben oft behauptet, dass ich stagniere, aber das habe ich nicht so empfunden. Wenn ich daran zurückdenke, wie ich vor vier Jahren war, als Persönlichkeit und auch als Fußballer, und das mit heute vergleiche, dann habe ich mich gut entwickelt. Jetzt ist es an mir, die Welle oben zu halten. Ich weiß, dass es wieder Rückschläge geben wird, im Allgemeinen aber muss es nach oben gehen. Das war bei mir bis jetzt so.

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