12.12.2012

Barcas Fanstimme Miquel Roue über die Unabhängigkeitswünsche des FC Barcelona

»Xavi würde sofort in die katalanische Nationalmannschaft wechseln«

In Katalonien sind die Wünsche nach Unabhängigkeit wieder lauter geworden. Was das für den FC Barcelona und seine Anhänger bedeutet, weiß der Katalane und Unabhängigkeitsbefürworter Miquel Roure, Vize-Präsident einer Sektion des größten Fanklubs von Barça, den »Almogàvers«. Der 34-Jährige über Hundemörder, Schweineköpfe und Xavis Zukunft in der spanischen Nationalmannschaft.

Interview: Raffaela Angstmann Bild: Imago

Miquel Roue, der FC Barcelona ist bekanntlich »Més que un club«, mehr als nur ein Klub. Woran zeigt sich das?
Der Klub ist für Katalonien von großer Bedeutung. Viele der katalanischen Anhänger sind auch Unabhängigkeitsbefürworter, sogar Barça-Präsident Sandro Rosell hat man schon an Unabhängigkeitsdemonstrationen angetroffen. Am 25. November gab es Wahlen in Katalonien, die katalanischen Nationalisten (CiU) hatten auf viele Stimmen gehofft, um später ihr Unabhängigkeitsreferendum durchzusetzen. Im Vorfeld haben wir am 7. Oktober 2012 im Clásico gegen Real Madrid exakt nach 17:14 Minuten »Independència«-Rufe angestimmt. Wir sind keine Spanier, wir sind Katalanen! Und das mussten wir allen Madrilenen und der ganzen Welt mit diesen Rufen zeigen.

Und euer Fanklub hat diese Rufe iniziiert?
Ja, das waren die Almogàvers. Wir hatten das im September in der Partie gegen Spartak Moskau »geprobt«. Dazu passt die erste Strophe unserer Klub-Hymne »Cant del Barça«. Da heißt es: »Das ganze Stadion macht gemeinsam Lärm. Wir sind die Leute von Barça.«

Wenn im Camp Nou rund 98.000 Fans beginnen »Independència« zu rufen, was ist das für ein Gefühl?
Das ist Gänsehaut pur! Wir erinnern uns dabei an unsere Kindheit, unsere Eltern und Großeltern. Wir mussten leiden. Uns wurde schließlich verboten, unsere eigene Sprache zu sprechen. Real Madrid repräsentiert für uns diejenigen, die uns unsere Rechte genommen haben. Im Clásico denken wir: »Wir müssen Spanien besiegen!«. Das patriotische Gefühl kommt bei dieser Begegnung automatisch in jedem Barça-Fan hoch. Ein Sieg gegen Madrid ist auch immer ein politischer Sieg.

Sehen das die Spieler auch so?
Sicher, aber sie würden das verneinen. Sie dürfen natürlich nichts anderes behaupten, weil viele für Spanien spielen. Wir Katalanen wissen es aber besser.

Warum wurden die Rufe eigentlich nach 17:14 Minuten angestimmt?
Am 11. September 1714 wurde Katalonien Teil von Spanien und starb als eigenes freies Land. Uns wurde alles genommen. Der spanische König Felipe V. annullierte alle katalanischen Gesetze und löste die Regierung auf, schloss unsere Universitäten und verbrannte alle Bücher, die auf Katalanisch geschrieben waren. Er wollte unsere Traditionen, Sprache, die ganze Kultur verschwinden lassen.

Sprecht ihr auf den Rängen noch viel über die katalanische Vergangenheit? 
Wir reden viel über Politik, aber wir denken im Grunde alle gleich, weil wir Katalanen sind. Mehr noch: Wir sind alle Unabhängigkeitsbefürworter. Am 11. September 2012 gab es eine große Demonstration in Barcelona, zwei Millionen Menschen gingen für die Unabhängigkeit auf die Straße.

Und euer Fanklub mittendrin?
Natürlich, ganz Almogàvers war Teil davon. Einige von uns sind auch Mitglieder in politischer´n Parteien.

Die Wahlen vom 25. November verliefen nicht ganz nach Wunsch der Unabhängigkeitsbefürworter.
Es besteht im katalanischen Parlament noch Hoffnung auf eine Koalition der zwei stärksten Parteien, die beide die Unabhängigkeit wollen. Sie werden voraussichtlich ein Gesetz erstellen, das Referenda legalisiert.  Schon 2013 soll das Referendum dann folgen.
 
Im Falle einer Unabhängigkeit: Würden die Katalanen der spanischen Nationalauswahl in die katalanische Nationalmannschaft wechseln?
90 Prozent der Katalanen würden das ganz sicher tun.

Was würde mit den übrigen zehn Prozent geschehen?
Wir würden uns gegen diese Spieler wenden. Katalanen wie Xavi, Puyol, Piqué und Valdez wissen das allerdings. Aber für sie wäre dieser Wechsel selbstverständlich. Ich weiß allerdings nicht, ob die Fifa und die Spanische Fußballföderation das zulassen werden.

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