Barca-Präsident Sandro Rosell im Interview

»Camp Nou geben wir niemals her!«

FC Barcelona, das ist »mehr als nur ein Klub«. Spaniens Vorzeigeverein ist immer auch ein Versprechen auf eine bessere (Fußball-)Welt. Wir sprachen mit Barça-Präsident Sandro Rosell über Katar und Klub-Philosophie. Barca-Präsident Sandro Rosell im Interview

Sandro Rosell, zum ersten Mal in der Geschichte des FC Barcelona wird es mit der »Qatar Foundation« einen kommerziellen Trikotsponsor geben. Der Verein erhält in den nächsten fünf Jahren insgesamt 170 Millionen Euro – die höchste Summe, die je an einen Fußballverein gezahlt wurde. Das ist eine ziemliche Kehrtwende in der Klubtradition. Wie kam es zu diesem Deal?

Sandro Rosell: Es hätte für uns so nicht weitergehen können. Wir brauchten einen Sponsor, der uns dabei hilft, uns aus einer sehr heiklen finanziellen Lage zu befreien. Es gab nur drei Wege, der Misere zu entkommen: 1. unsere Assets (Vermögen. d. Red.)  zu verkaufen, 2. Preise für Mitgliedschaften und für Fans zu erhöhen oder 3. einen Sponsor zuzulassen. Wegen der Wirtschaftskrise brauchten wir dringend Ressourcen, doch wir wollten nicht irgendeinen Sponsor akzeptieren. Wir entschieden uns für die »Qatar Foundation«, weil wir glauben, dass da Werte vertreten werden, die wir auch unterstützen.

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Was sind das für Werte?

Sandro Rosell: Der FC Barcelona hält sich selbst für mehr als nur einen normalen Fußballverein: eben »Mès que un club«. Wir wollen unseren Einfluss nutzen, um auch sozial etwas zu verändern. Einer unser wichtigsten Werte heißt Solidarität. So kam die Hilfe für UNICEF zu Stande. Unser Team hat mit den Trikots Werbung für UNICEF gemacht und Geld überwiesen, nicht umgekehrt. Das wollten wir weiter aufrecht erhalten und haben einen Sponsor gesucht, der das ermöglicht.

Der FC Barcelona steht weltweit als Modell für einen Fußball, den andere zu kopieren versuchen. Was ist die Philosophie und Stärke Barças?

Sandro Rosell: Wir haben heute fast 190.000 Mitglieder, aber nur 90.000 Plätze im Camp Nou. Das heißt, 100.000 Leute zahlen Jahresbeiträge, ohne überhaupt ein Spiel sehen zu können. Daran sieht man, wie populär wir wirklich sind. Barça wird auf der ganzen Welt gemocht, weil jeder unsere Philosophie versteht: ein Sieg ist nichts wert, wenn nicht gut gespielt wurde.

Was hat Barça, was andere nicht haben?

Sandro Rosell: Bei uns bekommen auch Fans Tickets, die es sich sonst nicht leisten könnten. Live im Stadion zu sein, bedeutet hier etwas ganz Besonderes. Unsere Fans identifizieren sich auf einer ganz persönlichen Ebene mit den Hochs und Tiefs des Teams und der Spieler. Es geht nicht allein ums Gewinnen, sondern darum, wie man gewinnt. Das ist Teil unserer Kultur. Weltweit verbinden die Leute mit Barça hohe Qualität und besondere Spielerpersönlichkeiten. Wir wollen nicht nur gute Spieler haben, sondern auch gute Menschen. Mit der globalen Medienexpansion kann jetzt jeder unseren Stil überall auf der Welt sehen. Das ist auch eine Verantwortung. Für unsere Mannschaft und die Spieler sind diese Werte sehr real. Es ist keine Show, die wir nur für die TV-Kameras zeigen. Das ist authentisch.

Der FC Barcelona und Real Madrid machen jedes Jahr die Meisterschaft unter sich aus. Der Abstand zum Rest der Liga wird immer größer. Was halten Sie von der Idee der Euro-Superliga, wo nur die Top-Klubs unter sich spielen?

Sandro Rosell: Mir persönlich gefällt die Idee gar nicht. Die Saison ist in Spanien sehr lang. Wir sollten eigentlich die Liga verkleinern und damit mehr Zeit für die Vorbereitungen auf europäische Spiele wie in der Champions League schaffen. Wir wollen auch 2015 dafür sorgen, dass die kleineren Vereine in der spanischen Liga mehr von den Fernseheinnahmen abbekommen.

Was bedeutet der FC Barcelona als Marke?

Sandro Rosell: Der FC Barcelona verkörpert ein »Feeling.« Ich möchte aber behaupten, wir verkaufen gar nicht so sehr, sondern bieten vielmehr etwas, was andere gern kaufen möchten. Unser Ziel ist es, künftig aus weniger mehr zu machen. Die Qualität unserer Sponsoren muss besser werden. Das heißt, wir wollen so viel Wirkung wie möglich, durch so wenige Sponsoren wie nötig erzielen.

Katar ist in der Fußballwelt nicht gerade mit offenen Armen als Gastgeber der WM 2022 begrüßt worden. Wo wird der FC Barcelona in 10 Jahren stehen?

Sandro Rosell: Wir erleben gerade eine sehr unsichere Zeit. Ich bin schon froh, wenn die Dinge so bleiben wie sie sind. Allerorts sind Auflösungserscheinungen zu erkennen. Wir müssen die Gegenwart genießen und hoffen, dass sie sich lange hält. Trotzdem braucht man als Manager immer einen Plan B, für den Fall, dass sich doch noch alles ändert.

Heißt das, die vielfach spekulierte Umbenennung des Camp Nou-Stadions wird doch noch umgesetzt?

Sandro Rosell: Nein, die Sache ist entschieden. Wir werden den Namen Camp Nou niemals hergeben!


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