16.06.2008

Ballack und Frings im Interview

»Wir sind nicht wie Lothar«

Michael Ballack und Torsten Frings sind zwei Führungsspieler, die sich perfekt ergänzen - auf dem Platz, aber inzwischen auch daneben. Hier sprechen sie über ihre erste Begegnung in der U21, die EM und ihre alten Knochen.

Interview: Philipp Selldorf und Christof Kneer Bild: imago
Ballack und Frings im Interview
Noch eine Gemeinsamkeit: Nach Ihrem Abschied beim FC Bayern ist nicht nur gut über Sie beide geredet worden.

Ballack: Für mich zählt nur der sportliche Erfolg. Ich war vier Jahre da und hab’ drei Doubles geholt - und der Torsten ist nach ’nem Jahr wieder abgehauen.

Frings: Ich hatte halt ein paar Probleme mit Felix Magath.

Ballack: Als ich ging, war halt ein bisschen Theater in den Boulevardzeitungen, so ist einfach das Spiel heute - aber das hat ja nichts mit meinem Stellenwert beim FC Bayern zu tun gehabt oder mit dem, was ich da erreicht habe. Sag ich jetzt einfach mal so.

Worauf wir hinauswollten: Die Wahrnehmung der wichtigen Spieler bei den Bayern wird über all die Jahre von den Platzhirschen geprägt: Von Beckenbauer über Breitner bis Matthäus, Effenberg oder Kahn. Sie beide fallen charakterlich aus dieser Reihe raus - haben Sie das zu spüren bekommen?


Frings: Ich weniger. Ich hab’ mich einfach nicht wohlgefühlt bei den Bayern, das hab’ ich dem Balle schon nach drei Wochen gesagt. Mir hat’s einfach keinen Spaß gemacht. Für Michael war es ganz anders: Er war voll anerkannt. Ich musste direkt gegen Vorbehalte des Trainers ankämpfen. Ich habe den Vertrag unterschrieben, als Hitzfeld noch Trainer war. Trotzdem war’s ein schönes Jahr. Ich habe das Double geholt und mit Super-Spielern zusammengespielt.

Aber auch mit Michael Ballack.

Frings: Ja, eigentlich hab ich mich gewundert, dass man mit dem überhaupt was gewinnen kann.

Ballack: Ich habe dich das Siegen gelehrt.

Stimmt es, dass Torsten Frings Sie nach dem verlorenen ChampionsLeague-Finale mit dem FC Chelsea gegen Manchester angerufen hat?

Frings: Nein. Ich glaube, ein Spieler kann nach so einem Spiel nichts weniger gebrauchen, als wenn er hundert Anrufe kriegt und alle sagen: Ach, du armer Kerl, das tut mir aber leid. Das wollte ich ihm nicht antun, und da muss man als Spieler auch selber durch.

Ballack: Das stimmt, selbst ganz enge Freunde haben mich in Ruhe gelassen.

Sie beide sind ja fast schon Dinos in dieser jungen Nationalelf. Wie äußerst sich ihr gehobener Stellenwert?

Ballack: Es ist klar, dass wir eine Führungsrolle spielen, aber es ist ja nicht so, dass wir wie die Lehrer in der Schule überwachen, ob die Jungen auch brav ihre Aufgaben erfüllen.

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