BAG-Sprecher Volker Körenzig über die neuen Sicherheitsrichtlinien

»Ein Stadionverbot ist keine Bestrafung«

Im Januar 2014 treten die neuen Stadionverbotsrichtlinien in Kraft. Wir sprachen mit Volker Körenzig von der »Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte«, der an der Erarbeitung mitgewirkt hat, über Bestrafungen, »Wiederholungstäter« und die Zusammenarbeit mit dem DFB.

Privat

Volker Körenzig, zum neuen Jahr treten die neuen Stadionverbotsrichtlinien des DFB in Kraft. Was hat sich geändert?
Die wichtigste Neuerung betrifft die Verfahrensweise beim Verhängen eines Stadionsverbots. Bisher war es so, dass die Polizei bei einem Vergehen eine Anzeige stellte und diese an den entsprechenden Verein weiterleitete. Die meisten Vereine haben diese Anzeige dann ungeprüft zum Anlass genommen, ein Stadionverbot zu erteilen. Die neuen Richtlinien sehen vor, dass die Betroffenen vom Verein angeschrieben werden sollen, um eine Stellungnahme zu erreichen. Der Stadionverbotsbeauftragte soll daraufhin prüfen, ob der Beklagte in Zukunft ein Sicherheitsrisiko darstellt, sollte er erneut das Stadion betreten.

Das heißt, es geht beim Stadionverbot nicht um eine Bestrafung durch die Vereine, sondern um eine Abwägung des zukünftigen Gefährdungspotentials?
Genau. Eine mögliche Bestrafung geschieht im Rahmen der strafrechtlichen Ermittlungen durch die Polizei. Die Vereine können und sollen keinen Fan bestrafen, sondern möglichst die Sicherheit zukünftiger Veranstaltungen gewährleisten.

»Spiegel Online« hat die neuen Richtlinien als »Verschärfung« deklariert. Dem widersprechen Sie entschieden.
»Spiegel Online« unterschlägt in seiner Meldung die positiven Neuerungen und schreibt zudem von der »Bestrafung von Wiederholungstätern«. Dazu ist zum einen zu sagen, dass der Begriff »Wiederholungstäter« in den neuen Richtlinien anders gefasst wird als bisher, und zum anderen, dass ein Stadionverbot eben keine Bestrafung darstellt, sondern eine Vorkehrung.

Was hat sich an der Definition »Wiederholungstäter« geändert?
Als »Wiederholungstäter« gilt nicht mehr, wer in der Vergangenheit ein inzwischen abgelaufenes Stadionverbot hatte, sondern wer sich während eines geltenden Stadionverbots erneut etwas zu Schulden kommen lässt.

Wie zufrieden waren Sie mit der Zusammenarbeit mit dem DFB?
Da muss man den DFB zur Abwechslung mal loben. Die Zusammenarbeit war optimal! Die Sitzungen liefen sehr offen und ehrlich, aber auch kritisch ab.

Wer waren die Teilnehmer der Kommission »Sicherheit, Prävention und Fußballkultur«?
Der DFB hat sich sehr viel Mühe gegeben, jede Interessensgruppe mit an den Tisch zu bringen. So bestand die Kommission schlußendlich aus je zwei Mitgliedern von DFB, der Justiz, den Sicherheits- und Stadionverbotsbeauftragten der Vereine, der Polizei und drei Fanvertretern.

Das klingt nach einer schwierigen Beschlußlage.
Es war eher eine Chance. Da alle Beteiligten wirklich mit Interesse an die Sache herangegangen sind, waren die Gespräche allesamt sehr konstruktiv. Am Ende sind wir Punkt für Punkt durchgegangen und haben jeweils einen Vorschlag erarbeitet, den der DFB als letzte Instanz dann in allen Fällen angenommen hat.

Was müsste aus Ihrer Sicht trotz allem Konsens noch verbessert werden?
Unsere Forderung kann nur lauten, dass sich die Stadionverbotsbeauftragten der Vereine nun auch tatsächlich an die erarbeiteten Richtlinien halten. Das vorgesehene Verfahren dauert länger. Vorher, als die meisten Vereine einfach der Anzeige der Polizei folgten, war das oft nur ein Schreiben. Jetzt dauert das drei bis vier Stunden. Wir erhoffen uns mehr Einzelfallgerechtigkeit. Aber die Richtlinien können so gut sein wie sie wollen - wenn sie nicht umgesetzt werden, ist niemandem geholfen.

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