Bachirou Salou über Togos Trauer

»Die Angst spielt jetzt mit«

2006 war Bachirou Salou noch als Togos Teambetreuer bei der WM-Party in Deutschland unterwegs, jetzt ist auch der Ex-Stürmer schockiert über den tödlichen Angriff in Angola. Im Interview spricht er über die Angst beim Africa-Cup. Bachirou Salou über Togos Trauer

Bachirou Salou, wann haben Sie von dem Überfall auf die togolesische Nationalmannschaft erfahren?

Kurz nachdem es passiert war. Freunde aus Togo haben mich angerufen, und ich habe sofort mit ein paar Spielern telefoniert. Unter anderem mit Emmanuel Adebayor, der mir erzählt hat, wie er Serge Akakpo unter den Sitz gezogen hat, nachdem der von einer Kugel in den Rücken getroffen worden war.

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Wie haben Ihnen die Kollegen den Übergriff der FLEC-Rebellen geschildert?

Die Mannschaft saß ganz normal im Bus, als plötzlich die Rebellen mit Maschinengewehren aus dem Unterholz stürmten und das Feuer eröffneten. Die Jungs haben sich auf den Boden geworfen und unter die Sitze verkrochen, der vordere Bus wurde komplett von Kugeln durchsiebt. Zum Glück war da nur das Gepäck untergebracht. Aber trotzdem sind drei Menschen gestorben und zwei schwer verletzt. Es ist furchtbar.

Assistenztrainer Abolo Amelete, Pressesprecher Stanislas Ocloo und der Busfahrer sind von den Terroristen ermordet worden. Wie geht es den beiden Schwerverletzten Kodjovi Obilale und Serge Akakpo?

Ich weiß nur, dass sie nach Südafrika in ein Krankenhaus geflogen worden sind, inzwischen sind sie wohl außer Lebensgefahr, aber es geht ihnen nicht gut.

Die Mannschaft wollte zunächst doch beim Afrika-Cup antreten, jetzt hat Togos Premierminister Gilbert Houngbo die Spieler nach Hause beordert. Eine richtige Entscheidung?

Ich denke ja. Drei Mitglieder aus der Delegation sind bereits getötet worden, und man weiß nicht, was noch alles bei diesem Turnier passieren kann. Die Mannschaft ist in zu großer Gefahr und hätte auch gar nicht den Kopf frei, um ein anständiges Turnier zu spielen. Diese Bilder im Kopf wird man so schnell nicht los. Außerdem finde ich es richtig, wenn die Spieler jetzt bei ihren Familien sind und an der Trauerfeier teilnehmen können. Abolo Amelete ist bereits im Sarg zurückgekehrt.

Machen Sie den Verantwortlichen Vorwürfe, dass der Africa-Cup ausgerechnet in einem Land wie Angola stattfindet?

Nein, es ist richtig, ein solches Turnier in Angola stattfinden zu lassen. Der Bürgerkrieg ist seit acht Jahren vorbei, und das Land hat sich eine Chance verdient, so eine Veranstaltung zu organisieren und positive Resonanz zu bekommen. Dieser Überfall war ein Tat von terroristischen Rebellen und hätte jeden treffen können.

Viele Vereine in Europa bangen jetzt um Ihre Spieler, die beim Africa-Cup für Ihre Heimatländer antreten. Wie ist die Stimmung bei den anderen Mannschaften?

Dieser Vorfall beschäftigt jeden. Die Angst spielt jetzt mit. Alle Spieler wollen das Turnier unbeschadet zu Ende spielen und dann schnell nach Hause. Die Spieler können sich ab sofort nicht mehr frei fühlen in Angola. Sie werden Angst haben aus dem Hotel zu gehen, sie werden Angst haben im Stadion zu spielen. Niemand weiß, was noch passieren wird.

Finden Sie es dann richtig, dass das Turnier nicht abgesagt wurde, obwohl die Rebellen angekündigt haben, dass es weitere Übergriffe geben wird?

Ja. Man kann den Africa-Cup jetzt nicht einfach absagen, das geht nicht. So blöd es klingen mag, aber das Leben geht weiter. Jetzt müssen die Spiele zu Ende gespielt werden, das Ergebnis ist ohnehin zweitrangig geworden. Normalerweise ist der Africa-Cup eine große Party, aber dieser Überfall hat die Party zerstört. Ein normales Turnier wird es in Angola nicht geben.

Viele befürchten jetzt, dass die Weltmeisterschaft in Südafrika nicht sicher sein wird. René Adler wird auf »bild.de« mit den Worten zitiert: »Ich frage mich, wie die das mit der Sicherheit bei der WM handhaben wollen.«

Diese Befürchtungen sind nicht gerechtfertigt. Südafrika ist mit Angola nicht zu vergleichen, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. In Südafrika gibt es keine Rebellenarmee, keine FLEC und keine Nachbeben aus einem 27 Jahre langen Bürgerkrieg. Außerdem sind die Sicherheitsmaßnahmen bei einem WM-Turnier noch größer als beim Afrika-Cup. Wir werden eine sichere Weltmeisterschaft erleben.  

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