Bachirou Salou über die WM in Afrika

»Der Kontinent ist stolz«

2006 begleitete Bachirou Salou die Nationalmannschaft seines Heimatlandes noch als Teammanager nach Deutschland, 2010 wird Togo nicht dabei sein. Warum sich trotzdem jeder auf die erste WM in Afrika freut, verrät er hier. Bachirou Salou über die WM in Afrika

Bachirou Salou, die WM-Gruppen stehen fest, in genau 184 Tagen geht es los. Freuen Sie sich auf die Weltmeisterschaft?

Natürlich! Ich kann ihnen versichern, dass jeder Afrikaner begeistert ist, dass die WM in Südafrika stattfindet. Das macht uns alle stolz.

Sind Sie als gebürtiger Togolese nicht nicht traurig, dass ihr Heimatland die Qualifikation für 2010 verpasst hat?

Na klar. Das ganze Land ist todtraurig darüber, wie gerne wären wir in Südafrika dabei gewesen! Aber so ist Fußball, du gewinnst und du verlierst. Daran können wir auch nichts ändern.

Sie waren 2006 als Teammanager für Togo in Deutschland aktiv. Haben Sie Zweifel daran, dass die WM in Südafrika mit dem Turnier in Deutschland nicht mithalten kann?

Man kann die WM in Deutschland mit keiner Weltmeisterschaft vergleichen. Das Turnier 2006 war so grandios, alle, die daran teilgenommen haben, schwärmen noch heute davon. Das war eine Riesenparty. Aber gleichzeitig ist man in Afrika motiviert, eine ähnlich tolle Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

Was ist das Besondere an der WM im kommenden Jahr?

Für uns als Afrikaner, für mich, ist es schon besonders, dass die WM überhaupt in Südafrika stattfindet. Ich kenn das Land und bin mir sicher: Es wird ein großartiges Turnier.

Man spricht immer von der ersten WM in Afrika. Muss man da nicht differenzieren, schließlich findet das Turnier in Südafrika statt und der Kontinent ist groß...

Nicht unbedingt, denn im Fußball ist ganz Afrika gleich. Egal aus welchem Land man kommt, auf die WM freuen sich alle wie verrückt. Außerdem will man den Europäern und dem Rest der Welt zeigen, was dieser Kontinent zu leisten im Stande ist.

Eine Befürchtung, die man immer wieder hört ist die, dass die Organisation nicht so reibungslos klappen könnte. Eine berechtigte Sorge?

Ja, schließlich hat es in ganz Afrika noch nie ein Turnier von solchem Ausmaß gegeben. Allerdings: Wir sind ja nicht allein, aus Europa gibt es und wird es Unterstützung geben.

Ein weiterer Punkt, der in Bezug zur WM 2010 immer wieder angesprochen wird ist die hohe Kriminalität. Muss man sich als WM-Tourist nun Sorgen machen?

Nein, das denke ich nicht. Südafrika hat viele arme Menschen und Armut macht aggressiv. Aber der Stolz über diese WM wird die Aggressivität übertreffen, kein Afrikaner wünscht sich, dass nach dem Turnier nur schlecht über Südafrika gesprochen wird. Es soll schließlich nicht die einzige WM bleiben, die in Afrika ausgetragen wird.

Wie schätzen Sie die Chancen der deutschen Mannschaft ein?

Deutschland ist für mich klarer Favorit auf den Titel. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn mindestens eine afrikanische Mannschaft auch das Viertel- oder sogar das Halbfinale erreicht.

Wie stark ist der deutsche Gruppengegner Ghana?

Das ist ein sehr ernst zu nehmender Gegner, gespickt mit tollen Spielern, die sich in Europa bewiesen haben. Deutschland gegen Ghana – das wird ein echtes Kampfspiel. Wer da das größere Durchsetzungsvermögen hat, gewinnt.

Sie selbst haben auch den Sprung aus Afrika nach Europa gewagt. Wie lief das damals ab?

Ich war 19, als mich Anton Ondruš, ein ehemaliger Nationalspieler aus Tschechien, in Kamerun entdeckt hat. Ich spielte damals bei einem kleinen Verein und er machte dort Urlaub. 1990 hat er mich zu Borussia Mönchengladbach vermittelt.

Glauben Sie, dass die WM 2010 auch eine Chance für den afrikanischen Fußball-Nachwuchs ein wird?

Auf jeden Fall. In diesem Kontinent steckt so viel Talent, doch nur ein minimaler Bruchteil bekommt die faire Chance sich in den Ligen Europas zu beweisen. Gerade Deutschland hat gute Erfahrungen mit afrikanischen Fußballer gemacht, siehe Tony Yeboah oder Jay Jay Okocha. In Afrika gibt es viele Jungs, die genauso gut sind, aber noch nicht entdeckt wurden.

Am 2. Januar 2010 sind Sie beim Traditionsturnier in Berlin für Borussia Mönchengladbach am Start. Sind Sie überhaupt ein Hallenspieler?

Ich spiele schon lieber unter freiem Himmel, aber mit 39 Jahren hat auch bei mir die Schnelligkeit deutlich nachgelassen. Da dürfte die Halle das Richtige für mich sein. (lacht) Im Ernst: Ich freue mich, mit den ganzen Gladbach-Legenden in Berlin auflaufen zu dürfen. Die Zuschauer wollen Tore sehen, und ich bin schließlich für Tore zuständig.    


Bachirou Salou ist Teil des Traditionsturniers »Legenden des deutschen Fußballs« in der Max-Schmeling-Halle. Beim prominent besetzten Budenzauber des »Flexstrom-Cups« sind am 2. Januar 2010 die Altstars von Bayer Leverkusen, Werder Bremen, Hertha BSC, Union Berlin, Borussia Mönchengladbach und 1. FC Köln am Start. Alle Infos findet Ihr hier.

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