Babak Rafati über seinen Weg aus der Depression

»Ich wurde seelisch gefoltert«

Am 19. November 2011 sollte Babak Rafati ein Bundesligaspiel pfeifen. Weil er schwer krank war, wollte er sich das Leben zu nehmen. Er wurde gerettet und begab sich in Behandlung. Von seiner Depression ist er inzwischen geheilt und hat ein Buch über seine Leidensgeschichte geschrieben. Ein Interview über die Folgen seines »Coming outs« und ein neues Leben.

19. November 2011 / 6:20 Uhr

Ich habe unbemerkt die absolut letzte Eskalationsstufe erreicht. Ich knie vor der Minibar und trinke sehr hektisch hintereinander die restlichen Flaschen hochprozentigen Alkohols aus, so dass ich exzessiv betrunken bin. Ich lasse parallel Badewasser einlaufen. Mit dem Alkohol spüle ich die hundert Baldriantabletten herunter, die ich mir gestern am Bahnhof gekauft habe […]. Gleichzeitig krakle ich alkoholzittrige Notizen auf einen Hotelblock, verabschiede mich von meiner Familie, von Rouja, ritze lautlos meine Schreie, meine Angst mit tiefen Kerben ins Papier. […] Ich reiße mir intuitiv die Kleider vom Leib, um in die Badewanne steigen zu können. Jetzt. Mein Adrenalin steigt ins Unermessliche an und ich spüre eine Riesenflamme in meinem Körper aufsteigen, die durch nichts mehr zu löschen ist. Ich werde verbrennen. Ich will nicht mehr existent sein. […] Der Entschluss, es zu tun, ist für mich die Befreiung, endlich bin ich Handelnder und nicht mehr Leidender. […] Ich werde mich jetzt selbst erlösen, diesem miesen Film, der in meinem Kopf tobt, ein Ende setzen.


Die Zeilen stammen aus dem Buch »Ich pfeife auf den Tod!«. Geschrieben hat es Babak Rafati. Es ist die Geschichte seines Aufstiegs, seines schleichenden Untergangs, seines Beinahe-Endes und seiner Auferstehung. Rafati war bis zu jenem 19. November 2011 Bundesliga-Schiedsrichter, jahrelang Teil der Elite von Fifa-Schiedsrichtern, einer der Besten seines Fachs. Abteilungsleiter einer großen Bank in Hannover. Ein Erfolgsmensch. Wie es wirklich um ihn stand, erfuhr die Öffentlichkeit erst in seinem Buch, das im März 2013 auf den Markt kam. Darin beschreibt Rafati eindringlich, wie er von Herbert Fandel, dem Vorsitzenden der Schiedsrichter-Kommission und damit seinem Chef, ein Jahr lang gezielt gemobbt oder, wie es Rafati beschreibt, »seelisch gefoltert« wurde. Ein »menschenverachtendes Verhalten« (Zitat Rafati), das den so selbstbewussten Schiedsrichter nach und nach in seinen Grundfesten erschütterte und schließlich in immer größere Selbstzweifel stürzte. Am 19. November 2011 sollte Rafati das Bundesliga-Spiel 1. FC Köln gegen FSV Mainz 05 leiten. Am frühen Morgen des 19. November versuchte sich der Schiedsrichter umzubringen. Nur weil ihn seine Schiedsrichterkollegen rechtzeitig fanden, blieb Rafati am Leben. Ärzte und Psychologen diagnostizierten eine schwere Depression. Rafati musste zunächst zu einer Behandlung gezwungen werden, ehe er schließlich selbstbestimmt den schweren Gang der Heilung antrat.

Sein Buch erzählt diese Geschichte. Es ist schockierend zu erfahren, in welchem Teufelskreis sich Rafati verloren hatte. Wie sich die Verantwortlichen im deutschen Schiedsrichterwesen hinter verschlossenen Türen verhalten. In was für eine Knochenmühle sich der deutsche Fußball verwandelt hat. Welche Reaktionen negative Presse oder wütende Fans auslösen können. Mit welcher Ignoranz der DFB die Problemfälle in seinem Zuständigkeitsbereich behandelt.

Es gibt viele Dinge in Rafatis Geschichte, die man zunächst nicht glauben möchte. Aber es ist die Wahrheit, sagt er selbst. »Sonst wären die angeklagten Personen längst juristisch gegen das Buch vorgegangen.«

Seit der Veröffentlichung seines Buches ist Babak Rafati viel unterwegs, er gibt Lesungen, hält Vorträge, nimmt an Diskussionen teil. Er ist ein begehrter Gesprächspartner wenn es um das Thema Depression geht, eines der vielen Tabuthemen im deutschen Fußball. Auf der Fahrt von Hannover nach Göttingen findet dieses Gespräch statt. Am Steuer sitzt seine Frau Rouja, ohne die er, so Rafati, die Behandlung seiner Krankheit vielleicht nicht durchgestanden hätte. Rafati sieht gut aus, im Wagen trägt er eine Trainingsjacke, auf der Bühne wird er später im Anzug sitzen. Seine Karriere als Schiedsrichter ist beendet, auch wenn er gerne wieder pfeifen würde. Gerne auch im Ausland. Und wenn das nicht klappt, sein Wissen und seine Erfahrungen als TV-Experte weitergeben. Vielleicht gehe da ja mal was. So lange ist Rafati auf einer Mission. Er möchte den Zuhörern seine Geschichte erzählen und dabei gleichzeitig über die Volkskrankheit Depression aufklären. Eigentlich sollte jeder Mensch zweimal im Jahr prophylaktisch zum Therapeuten gehen, sagt er. Und irgendwo zwischen Hannover und Göttingen hat er die Idee, solche Behandlungen in den Bonusheftchen der Krankenkassen anzubieten. Später, im »Stadion an der Speckstraße«, dem Veranstaltungsort in Göttingen, wird er diese Idee wiederholen.

Die Gäste werden beeindruckt sein von seiner schonungslosen Offenheit. Von den Ereignissen hinter den Kulissen des großen DFB. Von seiner Geschichte.



Babak Rafati, naheliegende erste Frage: Wie geht es Ihnen?
Danke, gut. Die Klinik habe ich im Februar 2012 verlassen, im September 2012 dann die Medikamente abgesetzt. Seitdem bin ich nicht mehr in Therapie gewesen – nach eineinhalb Jahren Behandlung wurde ich als vollständig geheilt entlassen.

Fühlen Sie sich heute, nach überstandener Depression, stärker oder schwächer als noch vor ein paar Jahren?
Ob stärker oder schwächer ist schwer zu beurteilen – welchen Maßstab kann es dafür geben? Ich weiß nur, dass ich mich quasi neu erfunden habe. Meine Werte und Prinzipien sind die gleichen geblieben, aber ich habe auch deshalb so hart an mir gearbeitet, um die Welt heute anders zu betrachten und die Geschehnisse für mich anders einzuordnen. Alte Dinge mit neuen Augen zu betrachten – das ist, grob zusammengefasst, mein Schlüssel zum Erfolg.

Was machen Sie heute besser als früher?
Ein Fehler war, dass ich Werte, die ich für mich als wesentlich betrachte – Respekt, Ehrlichkeit, Anstand – immer auch bei meinen Mitmenschen vorausgesetzt habe. Und ich habe auch keinen Unterschied gemacht, ob es Freunde oder Kollegen waren. Das war falsch. Ein zweiter entscheidender Fehler, den ich heute nicht mehr begehen möchte: Dem, was andere Menschen über mich denken könnten, zu viel Bedeutung zuzumessen. Das war mir früher extrem wichtig und hat mich entsprechend unter Druck gesetzt. Was halten meine Vorgesetzten von mir, meine Kollegen? Lachen die über mich, halten die mich für unqualifiziert oder finden mich einfach unsympathisch? Dieses Denken habe ich abgestellt.

Wie macht man das?
Das habe ich in der Therapie gelernt. Mein Therapeut fragte mich irgendwann: »Was glauben Sie denn, was passiert, wenn ihr Gegenüber Sie nicht mag, oder Sie für unfähig hält? Welche Auswirkungen hat das in diesem Moment?« Und ich musste eingestehen, dass überhaupt nichts passieren würde. Gar nichts. Wenn Sie in diesem Interview denken würden: »Der Rafati ist aber ein Idiot!« – würden mir dann die Haare ausfallen oder bekäme ich Kopfschmerzen? Nein! Es wäre Ihr Problem, nicht meins.

Der Weg in die Depression, die bei Ihnen schließlich in einen Suizidversuch und psychatrische Behandlung gipfelte, soll in Ihrem Fall allerdings nicht nur durch das negative Denken anderer verursacht worden sein, sondern durch gezieltes Mobbing des Vorsitzenden der DFB-Schiedsrichterkommisson Herbert Fandel und DFL-Schiedsrichter-Experte Hellmut Krug. Dieses Verhalten beschreiben Sie sehr genau in Ihrem Buch. Wie würden Sie heute damit umgehen?
Ich würde alles daran setzen, dass man mich nicht mehr so menschenunwürdig behandelt, mich seelisch foltert. Mir wurde ja von vielen meiner damaligen Schiedsrichterkollegen bestätigt, dass man mich gezielt abschießen wollte. Dagegen habe ich damals brutal angekämpft, schließlich wollte ich meine Leidenschaft, die Schiedsrichterei, und auch die damit verbundenen Annehmlichkeiten unter keinen Umständen verlieren. Nur: Wenn ich Wahl habe zwischen der Leidenschaft und meinem Leben, dann würde ich mich heute immer für das Leben entscheiden. Dann würde ich versuchen, meine Vorgesetzten zu einem klärenden Gespräch zu bewegen.

Und wenn Sie dann immer noch keine Chance auf eine Zukunft ohne Mobbing sehen würden?
Arschlecken, tschüss.

Sind Sie heute noch wütend auf Fandel und Krug?
Nein. Ich kann diese Menschen sowieso nicht ändern. Vor einem halben Jahr habe ich sicherlich noch anders gedacht. Das Verhalten der beiden Personen hat bei mir damals ein Trauma ausgelöst, von dem ich mich fast nicht erholt hätte. Und es ist mir wichtig zu betonen, dass nicht die Fans, Spieler, Trainer oder der Fußball für dieses Trauma verantwortlich waren. Sondern das Mobbing und meine Reaktion darauf.

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»Schiedsrichter sind heute nicht mehr unabhängig«, betont Babak Rafati mit Nachdruck, während seine Frau den Wagen über die Autobahn steuert. Eigentlich ist nur ein Mann für Ansetzungen und Beurteilung der deutschen Schiedsrichter zuständig: Der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission, angestellt beim DFB. Gegenwärtig ist das Herbert Fandel. Dessen Vorgänger Volker Roth gehörte zu den Förderern von Rafati, das Verhältnis von Fandel und Roth, so beschreibt es Rafati, war hingegen merklich angekratzt. Eine wesentlich bessere Beziehung pflegt Fandel allerdings zu Hellmut Krug, der ebenfalls lange Zeit für den DFB arbeitete, den Verband allerdings verließ, als er damit scheiterte, Volker Roth durch Lutz-Michael Fröhlich zu ersetzen. Krug wurde stattdessen von der DFL als Schiedsrichter-Experte eingestellt. Obwohl ihm das offiziell untersagt ist, soll Krug nach Rafatis Darstellungen aktiv Einfluss auf die Entscheidungen von Herbert Fandel nehmen und dafür sorgen, dass von bestimmtem Klubs unbeliebte Schiedsrichter nicht wieder auf Partien dieser Vereine angesetzt werden. In seinem Buch zitiert Rafati aus einer E-Mail eines ungenannten Schiedsrichterkollegen, die die Situation Rafatis treffend zusammenfasst: »Ich bin sehr geschockt darüber, wie mit Dir umgegangen wird. Das hätte es bei Volker (Roth, d. Red.) nicht gegeben… Ich kann mir ziemlich genau vorstellen, wie Deine Gefühlslage aussieht, aber da musst Du durch. Eine fiese Zeit: keine Rückendeckung, kein Kontakt, kein Vertrauen. Aber aufgeben kann jeder! Ich hoffe, Du hast die Kraft, noch weiter durchzuhalten.«

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Haben Sie inzwischen eine Entschuldigung erhalten?
Nein, und die erwarte ich auch nicht. Da bleibe ich realistisch. Wenn Sie mir ein Glas Wasser über die Hose kippen würden, könnten Sie sich dafür entschuldigen. Wenn Sie mir aber ganz bewusst zehnmal hintereinander ein Glas Wasser ins Gesicht schütteten, bräuchte ich keine Entschuldigung von Ihnen zu erwarten. Weil Sie es ja mit voller Absicht getan hätten. Verstehen Sie? Ich habe andere Erwartungen.

Die da wären?
Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der DFB und damit die Verantwortlichen im deutschen Fußball, meinen Fall als Chance nutzen, um in ihrer Funktion als wesentlicher gesellschaftlicher Faktor Tabuthemen aufzubrechen. Depression, Homosexualität, Suchtverhalten – all diese Dinge. Ich wünsche mir, dass sich der DFB erhebt, und solche Fälle offen und ehrlich betrachtet. Dass sich der Verband endlich mit der Wahrheit befasst.

Die Wahrheit?
Machen wir uns doch nichts vor, natürlich gibt es auch im Fußball solche »Problemfälle«. Ich war ja dabei, ich weiß, dass es so ist. Aber der DFB gaukelt den Zuschauern eine Scheinwelt vor, und das ist der vollkommen falsche Weg.

Können Sie sich erklären, warum der Fußball so ein großes Problem damit hat, diese Tabuthemen vernünftig zu behandeln?
Überall, wo viel Geld im Spiel ist, leiden gesellschaftliche Werte wie Ehrlichkeit, Anstand oder Menschenwürde. Es ist also wie so häufig: Diese Probleme hat nicht nur der Fußball, sondern die Gesellschaft an sich. Ich glaube aber trotzdem daran, dass sich in Zukunft etwas ändert. Weil es so auf Dauer nicht mehr weitergeht.

Sie gehen in Ihrem Buch sehr offen mit diesen Themen um. Beschreiben, wie Sie und Ihr Umfeld unter der Depression, dem Suizidversuch und der öffentlichen Reaktion zu leiden hatten. Wie viel Überwindung hat es gekostet, daraus auch noch ein Buch zu machen?
Die Öffentlichkeit und die Medien haben mich überzeugt, nach Robert Enkes Tragödie das Thema Depression zu entabuisieren. Er selbst konnte das ja leider nicht mehr tun. Wissen schafft Verständnis. Allerdings hatten meine Frau und ich zu Beginn große Angst davor, dass mich das Buch bzw. die Reaktionen auf die Veröffentlichung zu einem Rückfall provozieren würden.

Wie sahen die ersten Reaktionen auf das Buch aus?
Bis heute erreichen mich pro Tag mehr als hundert E-Mails und Nachrichten, in denen sich Menschen für die Offenheit und Ehrlichkeit bedanken. Das hat meine Frau und mich natürlich sehr erleichtert und bestärkt mich in der Meinung, dass die Öffentlichkeit solche vermeintlichen Tabuthemen endlich enttabuisieren will.

Gab es auch negative Reaktionen?
Eine einzige. Der Redakteur einer Zeitung, die mich monatelang angebaggert hatte, um einen Vorabdruck zu veröffentlichen, den Zuschlag dann aber nicht bekam, schrieb einen Artikel mit der Kernaussage: »Warum Rafatis Abrechnung ein Fehler war«. Früher hätte ich gedacht: »Was für ein blödes Schwein!« Aber das war der alte Rafati. Der neue Rafati dachte: »Was für ein armes Schwein!«

Warum?
Nachdem ich den Artikel gelesen hatte, machte ich mir meine Gedanken dazu. Warum hat er das geschrieben? Und dann wurde mir klar, dass der Redakteur wahrscheinlich Anschiss von seinem Chef bekommen hatte, vielleicht sogar genötigt wurde, diesen Text zu schreiben. Und damit hatte ich eine Erklärung, die ich zwar nicht gutheißen, mit der ich aber leben konnte. Solche Überlegungen musste ich während meiner Therapie erst lernen.

Haben sich die Schiedsrichterkollegen bei Ihnen gemeldet?
Mit drei aktiven Bundesliga-Schiedsrichtern stehe ich in Kontakt, nenne aber nicht die Namen, um den Jungs Ärger zu ersparen. Sonst hat sich niemand gemeldet. Ich habe dafür aber Verständnis: Sie haben Angst um ihren Job, um ihr Ansehen gegenüber Herbert Fandel.

Sie haben bereits erwähnt, dass Mobbing durch ihre Vorgesetzten der Hauptgrund für Ihren Absturz gewesen sein soll. Spielen Fans, Spieler, und Medien wirklich keine Rolle?
In meinem Fall: nein. Wer es als Schiedsrichter bis in die Bundesliga geschafft hat, hat längst gelernt, mit diesen äußeren Einflüssen umzugehen und sich dabei nicht von seiner Arbeit ablenken zu lassen. Wer mit diesem Druck nicht klar kommt, schafft es erst gar nicht in die Spitze und deshalb kann ich auch nicht Fans, Spieler oder Medien für meinen Fall verantwortlich machen. Zugegeben: Als es mir schon schlecht ging, taten die Pfiffe der Fans und die schlechte Presse weh. Aber sie waren nicht die Ursache.

Sie waren vor dem Suizidversuch hauptberuflich als Abteilungsleiter einer Bank in Hannover tätig. Wie hat man dort auf Ihren Fall reagiert?
Ganz anders als bei den Verantwortlichen im Fußball: Mit Ehrlichkeit und Menschlichkeit. Nicht nur nach meinem Absturz, als man mir jede erdenkliche Hilfe angeboten hat und trotz meiner Kündigung meinen Arbeitsplatz für mich freihalten wollte. Nein, auch schon vorher. Selbstverständlich habe ich auch bei diesem Job Druck verspürt, gute Leistungen abzuliefern und selbstverständlich gab es auch hier Kritik, wenn diese Leistung nicht zufriedenstellend war. Aber diese Kritik wurde offen und ehrlich ausgesprochen, wir haben uns zusammengesetzt und die Probleme in Ruhe besprochen. So, wie es sein muss.

Babak Rafati, Sie haben Ihre Karriere als Schiedsrichter inzwischen beendet. Wenn Sie heute noch einmal die Wahl hätten: Würden Sie wieder in der Bundesliga pfeifen wollen?
Auf jeden Fall. Ich bin dem Fußball dankbar, 23 Jahre lang hatte ich eine tolle und aufregende Zeit. Das war eine geile Zeit. Ich genieße diese Erfahrungen bis heute. Und vielleicht kann ich ja in Zukunft von diesem Wissen und diesen Erfahrungen etwas abgeben. In welcher Funktion auch immer.

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Nach der Göttinger Lesung am Tresen. Babak Rafati erinnert sich an die ersten Tage nach seinem gescheiterten Suizidversuch. Wie er sich während einer Autofahrt aus dem Wagen stürzen wollte und gerade noch von seiner Frau und seiner Mutter daran gehindert werden konnte. Wie sie ihn daraufhin zurück in die Klinik brachten, die Rafati wie ein Gefängnis für Geisteskranke vorkam. Wie sehr sich die Krankheit in sein Gehirn gefressen hatte. »Ich habe meine Frau dafür gehasst, dass sie mich wieder einsperren lassen wollte. Ich sagte ihr: ›Wenn Du das tust, dann verlasse ich Dich!‹«, erzählt er und bestellt sich eine letzte Apfelschorle. Wenn er dann sagt: »Ich habe mich in der Therapie neu erfunden«, mag man ihm das gerne glauben.

Sein Buch endet mit diesen Worten:

Ich bin geheilt und zurück im Leben. Ein Leben, dass ich jeden Tag umarme – eben weil ich so nahe am Tod gewesen bin. Ich kann daher sagen, dass der Tod seinen Schrecken verloren hat – und das Leben das ist, was mich so unendlich fasziniert und mit Liebe erfüllt, dass ich heute sagen kann: Ich pfeife auf den Tod!



Babak Rafati / Ich pfeife auf den Tod! / Kösel Verlag / 17,99 Euro

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