Axel Bellinghausen über die Liebe Düsseldorf und sein Idol Pierre Littbarski

»Ich habe auch ein Bayern-Trikot«

Er ist der vielleicht letzte Grasfresser der Liga: Axel Bellinghausen kämpft am Samstag mit dem FC Augsburg gegen Bayern München um wichtige Punkte im Abstiegskampf, zum Ende der Saison wechselt er zurück zur großen Liebe Fortuna Düsseldorf. Wir sprachen mit ihm.

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Axel Bellinghausen, schön, dass Sie Zeit haben, wir dachten schon, Sie melden sich nicht mehr.
Axel Bellinghausen: Doch, doch. Ich komme nur gerade aus dem Kindergarten, das hat etwas länger gedauert, als geplant.

Wir wussten gar nicht, dass Sie Kinder haben.
Axel Bellinghausen: Habe ich auch nicht. Ich war nur eingeladen, um die kleinen Wichte ein wenig zu bespaßen.

Und, wie war es?
Axel Bellinghausen: Großartig! Die Kindergärtnerin hat mir gesagt, dass sie in den Tagen vor meinem Besuch schon mit Fragen gelöchert wurde: »Wie lange müssen wir noch schlafen, bis der Axel Bellinghausen kommt?« Ich hatte also einen äußerst warmen Empfang.

Wie passend: Nach dem 2:1-Sieg gegen den 1. FC Köln am vergangenen Wochenende haben Sie sich gefreut, dass viele Kinder in Augsburg nun wieder voller Stolz das das FCA-Trikot spazieren tragen würden. Hatten Sie Recht?
Axel Bellinghausen: Absolut! Die Entwicklung des FCA ist großartig. Vor zehn Jahren hat der Verein noch in der Bayernliga gespielt. Damals, so wurde mir gesagt, hat sich niemand mit einem FCA-Trikot auf die Straße getraut. Jetzt werden es immer mehr und es ist längst selbstverständlich.

Was macht Sie da so sicher? Gehen Sie durch die Innenstadt und zählen die Trikots?
Axel Bellinghausen: Ich wohne direkt neben einer Schule und kann die Feldforschung also vor der eigenen Haustür betreiben.

Wie viele »Bellinghausen« laufen da dann rum?
Axel Bellinghausen: Nicht so viele, dass sind zum Glück alles keine kleinen Schleimer! Die wissen ja, wer neben ihrer Schule wohnt. Hoch im Kurs sind auf jeden Fall Simon Jentzsch (Augsburgs Torwart, d. Red.) und Tobi Werner.

Sie selbst sind in Siegburg, bei Köln, geboren. Mit welchen Trikots sind Sie zur Schule gegangen?
Axel Bellinghausen: Ich habe eine ziemlich große Sammlung, die auch noch bei meinen Eltern liegt. Wäre ja zu schade, die tollen Dinger einfach wegzuschmeißen, dafür waren sie auch zu teuer. Mein Lieblingstrikot war früher das Pierre-Littbarski-Leibchen vom FC. Litti war der Held meiner Kindheit.

Sie waren Fan vom 1. FC Köln?
Axel Bellinghausen: Meine ersten Erfahrungen als Zuschauer habe ich beim FV Bad Honnef gesammelt, die spielten damals in der Oberliga Nordrhein mit Fortuna Düsseldorf, Fortuna Köln und Alemannia Aachen. Das waren Klassiker! Und mein erstes Bundesligaspiel habe ich tatsächlich Ende der Achtziger im Müngersdorfer Stadion gesehen. Köln fand ich super. Das änderte sich natürlich, als ich später in der Jugend für Bayer Leverkusen und Fortuna Düsseldorf spielte.


Haben Sie eigentlich auch ein Trikot vom FC Bayern auf dem elterlichen Dachboden?
Axel Bellinghausen: Tatsächlich ja. Bekannte von meinen Eltern wollten mir eine Freude machen – und brachten mir aus dem Urlaub in Bayern ein Alan McInally-Trikot mit! (der Schotte spielte von 1989 bis 1992 beim FC Bayern, d. Red.)

Am Samstag spielen Sie mit dem FC Augsburg bei den Bayern. Preisfrage: Wie schafft man es, gegen diese Mannschaft nicht zu verlieren?
Axel Bellinghausen: Wenn Sie ein Patentrezept hätten, dann würde ich Ihnen viel Geld dafür anbieten. Ehrlich gesagt: ich weiß es nicht. Diese Mannschaft ist so stark, meiner Meinung nach schon die ganze Saison über. Wir können am Samstag nur unser Herz in beide Hände nehmen und alles geben, was wir haben. 

Auf welche Bayern-Spieler müssen sie ganz besonders aufpassen?
Axel Bellinghausen: Also, richtig gut sind Manuel Neuer, Philipp Lahm, Jerome Boateng, Holger Badstuber, Toni Kroos, Thomas Müller, Franck Ribery, Arjen Robben, Mario Gomez...

Ist schon gut, wir haben verstanden. Fußball ist ein Mannschaftssport.
Axel Bellinghausen: Was nützt es uns, wenn wir Gomez ausschalten, aber Ribery blank steht? Wenn Robben keinen Stich macht, aber Kroos alle Freiheiten hat? Aber um Sie nicht komplett zu enttäuschen: Was die Bayern zu einer richtigen Spitzenmannschaft macht, ist natürlich die Auswahl von gleich vier Fußballern, die ein Spiel alleine entscheiden können: Ribery, Robben, Gomez und Müller. Wir müssen es einfach schaffen, so lange wie möglich ohne Gegentor zu bleiben, dann haben wir vielleicht eine Chance.

Sie sprachen davon »das Herz in beide Hände nehmen« zu wollen. Niemand kann das so gut wie Sie. Sind Sie deshalb bei jedem Ihrer Vereine zum Publikumsliebling avanciert?
Axel Bellinghausen: Ich glaube, die Menschen in der Kurve merken es, dass ich an jedem Wochenende richtig Bock habe, Fußball zu spielen. Dass ich, wenn es mal schlecht läuft, mir zumindest den Hintern aufreiße. Das habe ich so gelernt.

Von wem?
Axel Bellinghausen: Von meinem Vater. Der hat mir immer gesagt: »Junge, wenn du scheiße spielst, dann kannst du immer noch laufen und kämpfen. Das geht immer.« Da hat er Recht. 

Kann man nicht auch anders herum läuferische Defizite mit Talent und Technik ausgleichen? Siehe zum Beispiel Mario Basler?
Axel Bellinghausen: Sie wissen aber schon noch, mit wem Sie hier gerade sprechen, oder? Allein aus meiner Mannschaft kann ich Ihnen einen ganzen Strauß Spieler aufzählen, die talentierter sind als ich! Was Daniel Baier oder Hajime Hosogai im Spiel mit dem Ball anstellen, schaffe ich nicht mal im Training. Elf Axel Bellinghausen in der Mannschaft – das wäre eine Katastrophe! Es gibt Tage, da gelingt mir auch mal ein Hackentrick. Und wenn nicht...

...dann laufen Sie. 
Axel Bellinghausen: Ja, genau. Und wenn ich dann abends nach Hause komme, völlig fertig bin, mich ins Bett lege und sofort einschlafe, dann weiß ich, dass ich meinen Job gut gemacht habe.

Und wenn nicht?
Axel Bellinghausen: Dann sitze ich nach einem Spiel auf der Couch und denke mir: Jetzt könntest du aber noch mal ne Runde laufen gehen. Das wäre schlecht. Ist mir aber zum Glück in dieser Saison noch nicht so häufig passiert.

Zur neuen Saison werden Sie den FC Augsburg verlassen und zu Fortuna Düsseldorf wechseln. Der Verein, für den Sie bereits von 2002 bis 2005 gespielt haben. Freuen Sie sich schon?
Axel Bellinghausen: Auf jeden Fall. Es geht zurück in die Heimat, was gibt es Besseres? 

Was fasziniert Sie so an der Fortuna?
Axel Bellinghausen: Der Verein ist wie mein Zuhause. Außerdem sind die Fans sensationell, viele von ihnen kenne ich schon seit ich den Klub damals verlassen habe. Als klar war, dass ich zurück nach Düsseldorf komme, habe ich gleich bei ihnen angerufen. 

Sie stehen in telefonischen Kontakt zu Ihren Fans?
Axel Bellinghausen: Ich würde sogar sagen, dass ich mit Ihnen befreundet bin. Selbst aus meiner Zeit in Kaiserslautern gibt es noch einige Bekannte, die regelmäßig zum Betzenberg gehen. Es soll ja auch ein Leben nach dem Fußball geben, da sind ein paar gute Freunde keine schlechte Idee.

Hand aufs Herz: Wenn Sie mit Augsburg den Klassenerhalt schaffen und Fortuna in der 2. Bundesliga bleibt, werden Sie sich ärgern.
Axel Bellinghausen: Nein, überhaupt nicht. Dann feiere ich mit dem FCA eine dicke Party, packe meine Sachen und freue mich auf Düsseldorf. Dieser Wechsel hat nichts mit der Liga-Zugehörigkeit zu tun. 

Macht Ihnen die 1. Bundesliga denn gar keinen Spaß?
Axel Bellinghausen: Doch, natürlich. Vor 80.000 Zuschauern in Dortmund zu spielen, davon habe ich als kleiner Junge immer geträumt! Aber vor allem will ich ja Fußball spielen. Und das geht auch in der 2. Bundesliga ganz gut.

Fiese Frage: Wenn der Vertrag mit Düsseldorf noch nicht unterschrieben wäre und die TSG Hoffenheim Ihnen ein Jahresgehalt von vier Millionen Euro anbieten würde – wie würden Sie sich entscheiden?
Axel Bellinghausen: Erstmal würde ich mich fragen, ob die in Hoffenheim noch alle Latten am Zaun haben. Vier Millionen Euro Jahresgehalt für mich? Pfft. Tja, und dann müsste ich mir in der Tat Gedanken machen, so ein Angebot hört man sich ja zumindest einmal in Ruhe an. Aber irgendwo hört man im Leben doch immer auf sein Herz, oder?

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