Austria-Legende Andreas Ogris über das Aus des Wiener Stadthallenturniers

»Das schönste Turnier Europas«

Das Wiener Stadthallenturnier war bis zu seiner Abschaffung 2009 eine Institution im österreichischen Fußball, eine Facebook-Initiative will es nun zurück. Wir sprachen mit der Austria Wien-Legende Andreas »Revolverjubel« Ogris über nostalgische Erinnerungen an das schönste Hallenturnier Europas und Tänze auf dem »Wiener Parkett«.

Andreas Ogris, woran denken Sie als Erstes, wenn Sie den Ausdruck »Wiener Parkett« hören? An das »Wiener Stadthallenturnier« oder den weltbekannten »Wiener Opernball«?
Ich denke sofort an das Stadthallenturnier. Auch das hat in Wien eine lange Tradition und dort wird genauso auf Parkett getanzt – allerdings mit einem Fußball statt einer Tanzpartnerin. Die Wiener Fußballlegende Josef Argauer hat es 1959 erfunden. Für mich war es das schönste Hallenturnier europaweit.

Was machte das Wiener Stadthallenturnier so besonders?
Jeder einzelne Spieler hat sich immer riesig gefreut, in der Stadthalle zu spielen, weil dort eine einmalige Atmosphäre herrschte. Besonders die Austragung der Wiener Derbys lockte die Zuschauer aus der Reserve. Für die Spieler war das Turnier nicht minder prestigeträchtig: Im Grunde war es eine Indoor-Stadtmeisterschaft.

In Deutschland ist »Budenzauber« fast komplett ausgestorben. Bei Hallenturnieren spielen fast nur noch übergewichtige Ex-Profis. Wie sieht es in Österreich aus?
Leider ähnlich. Auch unser Stadthallenturnier wird nicht mehr ausgetragen, weil in den letzten Jahren immer weniger Stars mitspielen wollten. Vereine kamen teilweise mit dem dritten Anzug. Das Turnier verlor dadurch deutlich an Attraktivität, woraufhin die Zuschauer ausblieben und das Turnier abgeschafft wurde. (Die letzte Austragung fand 2009 statt, d. Red.)

Inzwischen gibt es eine Facebook-Gruppe mit 1800 Mitgliedern, die das Stadthallenturnier wieder ins Leben rufen wollen. Teilen Sie die Trauer um das Turnier?
Absolut. Nach meinem Karriereende 1998 bin ich selbstverständlich als Zuschauer hingegangen. Das Turnier und seine Austragung am 26. Dezember waren eine Institution in Wien. Jeder feierte zwei Tage lang ausgiebig Weihnachten mit der Familie und ging dann zum Stadthallenturnier. Einfach schade, dass es diese Tradition nicht mehr gibt.

Gingen Sie als Kind auch schon in die Stadthalle?
Ja, meine Eltern nahmen mich hin und wieder mit, aber viel schöner war es, selber auf dem Parkett zu stehen. Das Turnier war eine schöne Konstante meiner Karriere. Wir haben dort oft gewonnen und ich war einige Male Torschützenkönig.



Die Austria ist mit 19 Titeln »Hallenkönig«. Wie wichtig sind diese Titel?
Für jeden Wiener Verein war der Sieg in der Stadthalle ein extrem prestigeträchtiger Titel. Beim Stadthallenturnier musste man einfach gewinnen. Es gab nur eine Sache, die für Austria wichtiger war, als den Titel selbst zu holen: Dass Rapid Wien (die lokale Konkurrenz, d. Red.) nicht gewinnnt! Zu meinen aktiven Zeiten kann ich mich glücklicherweise an keinen Rapidsieg erinnern. Jedenfalls nicht, solange ich beteiligt war.

Nicht umsonst gelten Sie aufgrund Ihrer Leistungen und vielen Teilnahmen als eine Legende des »Wiener Stadthallenturniers«. Berüchtigt ist ihr »Revolverjubel«. Was hat es damit auf sich?
Die Stimmung in der Stadthalle kochte schnell über und als ein Spieler der Wiener Austria war ich bei den Rapid-Fans natürlich nicht sonderlich beliebt. Einmal pfiffen sie mich aus und beschimpften mich besonders deftig. Meine Antwort: Ich schenkte »den Grünen« zwei Tore ein und schoss mit einem imaginären Revolver in Richtung der Rapidfans. Es war ein Riesenspaß, auf dem »Wiener Parkett« zu spielen!

Dabei klingt Parkett zunächst nach fiesen Schürfwunden. War es nicht eher ein Horror, auf diesem Bodenbelag zu spielen?
Österreich war das einzige Land, in dem in der Halle auf Parkett gespielt wurde. Ausländische Gästeteams sind oft im wahrsten Sinne des Wortes ausgerutscht. Das ist komplett anders als auf Kunstrasen: Je länger das Turnier war, desto rutschiger wurde der Boden. Für mich war das nicht unbedingt schlecht, denn als Angreifer konnte man den rutschigen Bodenbelag zum eigenen Vorteil nutzen, um Verteidiger auszutanzen.

Was war für Sie das Schönste am Stadthallenturnier?
Es gab zu viele schöne »Bandenzauber«-Momente (in Österreich heißt es »Bandenzauber« und nicht »Budenzauber«, d. Red.), um alle aufzuzählen. Jeder einzelne Turniersieg war etwas Besonderes. Aber wenn ich mich auf eine Spielszene festlegen müsste, wäre das der Siegtreffer von Manfred Schmid, dem heutigen Co-Trainer der Austria, im Finale 1995/96 gegen Rapid. Er traf fast in der letzten Sekunde zum 1:0 und wir gewannen mit Abpfiff den Titel. Übrigens: Auf der anderen Seite stand damals kein geringerer als der heutige Austria-Trainer Peter Stöger.

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