Augsburgs Trainer Markus Weinzierl: Der große Unbekannte

»Ich hatte Glück im Unglück«

Markus Weinzierl ist der große Unbekannte unter den 18 Bundesliga-Trainern. Dabei stand der neue Coach des FC Augsburg früher beim FC Bayern unter Vertrag. Verletzungen beendeten früh seine Karriere. Nun holt er Vergangenes nach. Ein Interview über die Lehrmeister Hitzfeld und Trapattoni und Heimatverbundenheit.

Markus Weinzierl, Sie haben sich und Ihren Spielern beim FC Augsburg in dieser Woche ein paar Tage frei gegeben. Wie fühlt es sich an, nochmal die Beine hochzulegen, bevor die Vorbereitung in die heiße Phase geht?
Von Beine hochlegen kann keine Rede sein! Es gibt viele Dinge zu regeln, wie es in den nächsten Wochen weitergehen soll. Ein Trainingslager steht vor der Tür, es müssen Trainingspläne geschrieben werden – ich bin derzeit zwar nicht in Augsburg, sondern in meiner Heimatstadt Straubing, aber meine Gedanken drehen sich pausenlos um den FCA.

Sie haben den FC Augsburg in diesem Sommer übernommen und arbeiten seit Ende Juni mit der Mannschaft. Wie fallen Ihre ersten Eindrücke als Cheftrainer einer Bundesliga-Mannschaft aus?
In den ersten Tagen war alles neu – nicht nur für mich, sondern auch für die Spieler. Ein paar Tage des gegenseitigen Beschnupperns haben wir alle gebraucht, doch diese Phase ist abgeschlossen. Der FC Augsburg hat in der Vergangenheit vom Zusammenhalt gelebt, er wird es auch in der Zukunft tun.

Was Zusammenhalt bedeutet, haben Sie früher beim FC Bayern kennengelernt. In den Neunzigern waren Sie vier Jahre in München aktiv, standen in der Saison 1998/99 sogar im Profikader. Wie viel FC Bayern steckt noch in Ihnen?
Es waren die vier schönsten Jahre in meinem Fußballerleben. Jedes Training, jedes Testspiel war ein Erlebnis. Ich bin froh, dass ich ein Teil des für mich weltbesten Vereins sein durfte. Und dennoch: Vergleiche mit damals sind nur schwer bis gar nicht möglich. Damals war ich ein ganz kleiner Spieler neben vielen Stars, der kein einziges Bundesligaspiel machte. Heute trage ich die Verantwortung für ein Team, das in der Bundesliga spielt. 

Ein bisschen was muss aber doch aus dieser Zeit hängen geblieben sein, schließlich haben Sie unter Ottmar Hitzfeld trainiert...
...und auch unter Giovanni Trapattoni, der mich ab und an bei den Profis mittrainieren ließ. Im Unterbewusstsein bleibt da natürlich einiges hängen, es waren die namhaftesten und besten Trainer in meiner Karriere. Ich war damals aber noch nicht in einem Alter, in dem man daran denkt, irgendwann Trainer zu werden. Dementsprechend habe ich mich mehr auf meine Leistungen anstatt auf die Arbeitsweise meiner Trainer konzentriert.

Sie spielten später für die Stuttgarter Kickers, SpVgg Unterhaching und Jahn Regensburg, mussten Ihre Karriere aber 2005 im Alter von 29 Jahren wegen einer Knieverletzung beenden. Glauben Sie, dass Sie heute überhaupt Bundesliga-Trainer wären, wenn Sie noch weiter hätten spielen können?
Jeder Profifußballer will seinem Beruf so lange nachgehen wie es irgendwie geht. Dafür macht man diesen Job einfach zu gerne. Die Sportinvalidität war ein harter Schlag für mich. Im Nachhinein war es für meine weitere berufliche Laufbahn aber nicht von Nachteil. Ich habe bereits mit 33 Jahren Jahn Regensburg in der 3. Liga trainiert – das schafft auch nicht jeder. Jetzt habe ich mit 37 den Sprung in die Bundesliga geschafft. Mein frühes Karriereende war bitter. Doch ich hatte Glück im Unglück.

Als junger Trainer gerät man heutzutage oft in die Konzepttrainer-Schublade. Können Sie mit diesem Begriff etwas anfangen?
Ich bin bodenständig genug, um zu sagen, dass sich mein Konzept am Potenzial der Mannschaft orientiert. Deshalb sollte man das nicht so hoch bewerten. Ein Konzepttrainer zeichnet sich, wenn überhaupt, dadurch aus, dass er auf verschiedene Situationen spontan mit neuen Konzepten reagieren kann. 

Sie haben Regensburg in der vergangenen Saison zum Aufstieg in die zweite Liga geführt. Vor den entscheidenden Spielen kam heraus, dass Sie mit dem FC Augsburg verhandeln. Hat Ihr Verhältnis zu Jahn Regensburg darunter gelitten?
Nein. Wir haben ja mit dem Aufstieg eine großartige Saison gekrönt und etwas erreicht, was uns Viele nicht zugetraut haben. Wie das gelaufen ist, würden viele Anhänger als Märchen bezeichnen. (Regensburg setzte sich in der Relegation gegen Karlsruhe durch, d. Red) So konnte ich auf dem Höhepunkt gehen und sogar persönlich noch eine weitere Liga aufsteigen. Ich denke nicht, dass man mir das übel nimmt.

Augsburg holte Sie, weil Jos Luhukay zurücktrat. Manager Andreas Rettig verließ den Verein ebenfalls, dazu mehrere Spieler wie der Publikumsliebling Axel Bellinghausen. Haben Sie und der neue Manager Manfred Paula in den vergangenen Wochen überhaupt ein Auge zumachen können?
Wir haben gemeinsam mit unserem Präsidenten Walther Seinsch sehr intensiv und sehr eng zusammengearbeitet. Es hat sich gelohnt. Der Kern des Team ist zusammengeblieben, denn aus der Mannschaft, die in der Rückrunde der vergangenen Saison zusammengespielt hat, sind noch sieben bis acht Spieler vorhanden. Dazu haben wir ein paar gute neue Typen hinzugefügt. Deshalb bin ich mir sicher, dass wir den Klassenerhalt schaffen.

Aus Ihren zehn Neuzugängen ragen Andreas Ottl von Hertha BSC und der ehemalige Mainzer Aristide Bancé heraus. Beide hatten zuletzt Probleme in der Bundesliga. Was erwarten Sie von Ihnen?
Andi Ottl ist ein bodenständiger Typ, der auf seine bisherige Karriere bereits stolz sein kann. Er hatte in Berlin keine glückliche Phase, aber jetzt will er es allen noch einmal zeigen und geht die Sache auch so an. Bei Aristide ist es genauso: Er hat nach seinem Abstecher nach Dubai wieder richtig Lust, sich in der Bundesliga zu beweisen. Vor dem Tor hat er Qualitäten, die man nicht lernen kann.

Wie haben Sie die Entwicklung des FC Augsburg bis zu dieser Saison verfolgt?
Ich bin Bayer, da schaut man den bayrischen Vereinen natürlich genauer hin. (lacht) Wenn ich ehrlich sein soll: Nach der Hinrunde habe ich nicht daran geglaubt, dass der FCA eine Chance hat, in der Liga zu bleiben. Doch die Mannschaft hat sich so unglaublich gesteigert wie ich es selten bei einer Mannschaft erlebt habe. Die Spieler haben irgendwann realisiert, dass sie in der Liga mithalten können, wenn sie mutig spielen - und das haben sie dann auch gemacht.

Markus Weinzierl, Sie leben in Straubing, haben in München gespielt, in Regensburg trainiert und sind nun beim FC Augsburg. Alle diese Städte liegen in Bayern. Wie wichtig ist Ihnen ihre Heimat?
In meinem Beruf darf man sich geographisch eigentlich nicht binden. Allerdings bin ich in meiner Karriere als Spieler oder Trainer niemals allzu weit von zu Hause weggezogen. Ich habe in Augsburg zwar eine Wohnung, pendele aber ein, zwei Mal in der Woche die 90 Minuten nach Straubing. Ich bin ein heimatverbundener Mensch.

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