Augsburgs Kapitän Uwe Möhrle über den Aufstieg

»Ich genieße die Aufmerksamkeit«

Eigentlich kann Uwe Möhrle nichts mehr schocken: Doch der Aufstieg mit FC Augsburg in die 1. Bundesliga ist auch für den 31-jährigen Verteidiger eine neue Dimension. Im Interview mit 11FREUNDE sagt er: »Das Gefühl koste ich jetzt richtig aus.« Augsburgs Kapitän Uwe Möhrle über den Aufstieg

Uwe Möhrle, wie man hört, sollen die Aufstiegsfeierlichkeiten in Augsburg recht aufreibend gewesen sein. Das kann Sie mit Ihren 31 Jahren doch sicherlich nicht mehr beeindrucken, oder?

Aber hallo! Das war auch für mich mein erster Aufstieg. Vorher gab es vielleicht mal den Klassenerhalt zu feiern, aber da hat die Party danach eine ganz andere Gewichtung: Man freut sich einfach, dass es vorbei ist. Bei uns in Augsburg geht es jetzt ja erst richtig los.

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Wie sah die Party denn konkret aus?

Eigentlich hatten wir nach dem 2:1-Sieg gegen den FSV Frankfurt mit der Mannschaft, den Frauen und den Verantwortlichen im Verein ein Lokal in der Augsburger Innenstadt reserviert. Aber als wir in die Stadt fuhren, machte bald die Meldung die Runde, dass vor dem Rathaus mehrere tausend Augsburger auf uns warten würden. Das war spontan, davon wussten wir nichts! Die Privat-Party wurde natürlich abgesagt, mit einer Polizeieskorte wurden wir die 600 Meter bis zum Rathaus gefahren und in Ermangelung eines anständigen Balkons, mussten schließlich die großen Fenster geöffnet werden.

Wie war die Stimmung?

Eigentlich unbeschreiblich. Ich habe so etwas jedenfalls noch nicht erlebt.

Und Sie als Kapitän haben sich erst einmal anständig bei den treuen Fans bedankt?

Das hätte ich ja gerne getan, aber gerade als ich mir das Megaphon greifen wollte, war auch schon Michael Thurk am Mikro. Und der ist diesbezüglich natürlich nicht zu stoppen.

Was hat er gesungen?

Ach, die üblichen Fangesänge halt. Humba und Co...

Und: »Zieht den Bayern die Lederhosen aus!«?

(lacht) Ja, auch das.

Sie sind seit vier Jahren in Augsburg. Wie sehr ist die Stadt durch den sportlichen Erfolg verändert worden?

Man spürt die Veränderungen an jeder Straßenecke. In den ersten beiden Jahren haben wir soeben noch den Abstieg verhindern können, jetzt spielt der FCA zum ersten Mal in seiner Geschichte in der 1. Bundesliga. Wenn ich in den vergangenen Wochen mit Kinderwagen und Hund an der Leine durch die Stadt spaziert bin, hat es nie lange gedauert, bis mir jemand Glück gewünscht hat.

Nervt Sie denn die neue Prominenz?

Im Gegenteil: Sie können sich gar nicht vorstellen, wie sehr ich diese Aufmerksamkeit genieße. Es ist fantastisch.

Am Sonntag spielt der FCA sein letztes Pflichtspiel in dieser Saison ausgerechnet beim frisch gekürten Zweitligameister Hertha BSC. Das dürfte der laueste Sommerkick aller Zeiten werden...

Aber leider ohne mich. Sie wissen ja, die dumme Aktion vom Frankfurt-Spiel.

Die gelbe Karte nach drei Minuten, als Sie FSV-Stürmer Sascha Mölders im Strafraum foulten und damit einen Elfmeter verursachten?

Genau. Gegen Berlin bin ich nun gesperrt. Selber schuld.

Immerhin: Für Sie beginnt die Sommerpause schon vorzeitig. Die Kollegen müssen noch einmal schwitzen.

Ich hätte gerne mitgeschwitzt. Dann entspanne ich mich halt.

Können Sie das denn überhaupt als Profi-Fußballer: Einen Erfolg genießen?

Ich weiß nicht, wie die Kollegen so ticken, aber ich kann das ganz gut. Diesen Aufstieg und die Gewissheit, mit dem FC Augsburg nächste Saison in der ersten Liga zu spielen, werde ich bis zum letzten Moment auskosten. Und ich finde, das haben wir uns auch verdient!

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