Augenthaler zum 50. Geburtstag von Andy Brehme

»So alt?«

Weltmeister Andreas Brehme wird heute 50 Jahre alt. Wir sprachen mit Klaus Augenthaler über Frust bei der Jobsuche, taktische Schulung, einen stillen Jungen und die besonderen Talente seines ehemaligen Mitspielers.  Augenthaler zum 50. Geburtstag von Andy Brehme

Klaus Augenthaler, Andreas Brehme wird 50.

Ist der schon so alt?

Haben Sie denn keinen Kontakt?

Doch, doch. Mit war klar, dass er ein bisschen jünger ist als ich. Aber das er schon 50 wird, hätte ich nicht gedacht.

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Erinnern Sie sich noch daran, wann Sie ihn zu ersten Mal getroffen haben?

Ganz genau weiß ich das nicht mehr. Es muss aber vor der WM 1986 gewesen sein. Andreas Brehme war ein sehr ruhiger Typ. Ich habe nie erlebt, dass er mal sauer wurde oder einem Mitspieler richtig böse war. Er war sogar so still, dass ich gar nicht mehr weiß, wann ich ihn zum ersten Mal traf. (lacht)

Andreas Brehme war still? Eigentlich gilt als sehr gesellig.

Anfangs war das noch anders. Später war Andy aber bei jedem Spaß dabei, das stimmt.

1988 war Ihre gemeinsame Zeit in München vorüber. Andreas Brehme wechselte zu Inter Mailand.

Lothar und er hatten in Italien eine sehr erfolgreiche Zeit. Wir Bayern spielten im Dezember 1988 im Uefa-Cup gegen Mailand. Das Hinspiel verloren wir zu Hause mit 2:0. In Mailand gewannen wir aber mit 3:1 und kamen weiter. Hätte aber Andy im Rückspiel nicht verletzungsbedingt nach den 30 Minuten den Platz verlassen müssen, hätten wir nicht gewonnen.

Was waren die Stärken von Andreas Brehme?

Viele haben ihn unterschätzt. Man wußte nicht, ob er Rechtsfuß oder Linksfuß ist. Elfmeter hat er oft mit links, Freistöße mit rechts geschossen. Sein Abwehrverhalten war stark. Er war taktisch so gut geschult, dass die Gegenspieler nur schwer an ihm vorbei kamen. Andy Brehme war als Spieler schwer ausrechenbar. Ich glaube, viele Mannschaften könnten einen Spieler wie ihn noch heute gut gebrauchen.

1990 wurden Sie gemeinsam Weltmeister. Den einzigen Treffer im Finale erzielte Andreas Brehme. Warum war er der richtige Schütze?

Eigentlich war Lothar vorgesehen. Ihn hatte aber der Mumm verlassen. Da war klar, dass Andy als sicherer Schütze ran muss. Kaum jemand konnte so genau, sicher und hart schießen. Er hat oft im Training aus Spaß noch ein paar Elfer geschossen. Das hinterließ seine Spuren.

Treffen Sie sich heute noch und reden über damals?

Wir sehen uns öfter, reden aber selten über die WM. Wir spielen gemeinsam bei den Bayern-Allstars und manchmal besucht er als ehemaliger Trainer die Spiele bei uns in Unterhaching. Dann reden wir über die verschiedenen Ligen, tauschen uns aus und unterhalten uns über Angebote. Er ist ja vereinslos.

Andreas Brehme sagte einmal, dass Vereinspräsidenten oft zu viel Respekt vor den Weltmeistern von 1990 hätten und es deshalb schwer wäre, einen Job zu finden.


Es schaut so aus. Kaum einer der Weltmeister von 1990 ist heute noch im Geschäft. Ich glaube, Andy würde gerne wieder arbeiten.

Müssen wir uns Sorgen machen?

Bei den letzten Treffen hatte ich nicht das Gefühl, dass er frustriert ist, so wie Lothar das zum Teil war. Ich wünsche Andy einen Job, der ihm wirklich Spaß macht. Sorgen mache ich mir aber nicht. Andy genießt sein Leben.

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