Auf eine Kippe mit Mario Basler

»Die Gegner hatten Angst«

Mario Basler dachte in seiner aktiven Zeit, er sei der Star der Bundesliga. Und wer mehr kann, darf auch mehr. Ein Gespräch über Zigaretten und Bier, den braven Profi von heute und die grauen Haare seiner ehemaligen Trainer. Auf eine Kippe mit Mario BaslerImago

Herr Basler, Sie galten zu Ihrer aktiven Zeit als Charakterkopf, der aneckte und provozierte. Gibt es in der Gegenwart eigentlich einen würdigen Nachfolger?

Schwer zu sagen. Die Bundesliga ist nicht mehr die wie vor zehn Jahren. Die Vereine legen heutzutage großen Wert darauf, dass solche Charaktere, wie ich es war, klein gehalten werden. Für die Spieler ist es wesentlich schwieriger geworden, ihr Ding durchzuziehen. Also versuchen die meisten Spieler, sich so gut es geht anzupassen.

[ad]

Eine negative Entwicklung?

Das kann man nicht unbedingt sagen. Wenn sich die Spieler für den Verein opfern, profitiert schließlich der Verein davon.

Oliver Kahn hat seine Karriere im Sommer beendet. Ist mit Ihm einer der letzten Charakterköpfe der Liga gegangen?


Ich denke schon, dass mit Olli Kahn einer der letzten – wenn nicht der Letzte – von den störrischen Typen geht, die immer klar und deutlich ihre Meinung vertreten haben – auch wenn das nicht jedem schmeckte. Jetzt wird es natürlich wesentlich schwieriger, solch jemanden zu finden.

Sie sind seit Anfang der 90er Jahre im Bundesligageschäft dabei. Inwiefern haben sich die Spieler-Persönlichkeiten verändert?

Mir ist aufgefallen, dass es heute viel weniger Skandale gibt als früher. Und mit Skandale meine ich Geschichten, die für die Journalisten ein gefundenes Fressen sind, die sich in jeder Zeitung gut machen. Einer der letzten Skandale war die Posse um Claudio Pizarro, mit der er im Alkoholrausch Auto gefahren ist. Das ist schon eine der letzten Geschichten, an die ich mich erinnern kann.

Braucht die Liga Ihre kleinen Skandale?

Wie ich schon sagte, für die Vereine ist das gut. Die werden solche oder ähnliche Geschichten bestimmt nicht vermissen. Probleme gibt es nur für die Journalisten, für die es damit immer schwieriger wird, Stoff für eine Sensationsstory zu liefern. Das wird in den nächsten Jahren sicherlich noch weniger werden – aber die Vereine freut es.

[intext]Sie haben mit Ihren Bekenntnissen zu Kippen und Weißbier regelmäßig für Aufsehen gesorgt. Hätte sich das auch ein Spieler ohne Ihr Talent erlauben können?

Klar trinke ich gerne ein Bier, aber das ist doch nichts Neues! Das ist seit mehr als zehn Jahren bekannt, deshalb kann ich nicht verstehen, warum die Medien andauernd davon berichten möchten. Viele meinen, sie schreiben da was ganz Besonderes, wenn der Basler sich mal einen einschenkt. Das wird langweilig. Heute trinken die Spieler doch genau so viel oder wenig Alkohol wie wir es damals gemacht haben. Es gibt genügend Spieler, die trinken gerne mal ein Bierchen, können am Spieltag aber dementsprechend spielen.

Mit etwas Abstand zu Ihrer aktiven Zeit als Profi: Wie würden Sie den Spielertypen Mario Basler beschreiben?

Meine Trainer haben nicht immer viel Spaß mit mir gehabt. Ich habe den Trainer auch mal ungebetene Dinge gesagt – und sicherlich hat der ein oder andere wegen mir ein paar graue Haare bekommen. Aber die leben heute alle noch (lacht).

In Bremen sind Sie Torschützenkönig geworden, zum Nationalspieler gereift – und sind schließlich zum FC Bayern gewechselt. Verändert dieser neu gewonnene Star-Status die eigene Persönlichkeit?

Dass man sich verändert, ist doch klar, wenn man plötzlich ein gut verdienender Fußball-Star ist. Damals waren Olli Kahn und ich die großen Stars der Bundesliga, international waren es Beckham – und Ronaldo mit seinen krummen Beinchen. Für uns war es enorm wichtig, dass man auch mal alleine weggehen konnte oder ähnliches. Wenn man mehr kann, kann man sich auch mehr erlauben. Und natürlich kann die eine oder andere Schlagzeile der Persönlichkeit auch nicht schaden.

Gab es in Ihrer Karriere Spielerpersönlichkeiten, zu denen Sie aufgeschaut haben, die Ihnen imponierten?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe immer für mich selbst gesprochen und möchte auch nicht für oder über andere sprechen. Ich denke, jeder muss für sich selbst entscheiden, was gut oder schlecht ist.

Gab es denn einen Verein auf der Welt, für den Sie auf Zigaretten, Bier und Ihre freie Meinung verzichtet hätten?

Ich hätte mich für niemanden verbogen! Wer sich verbiegt, wird ein anderer Mensch. Jeder Mensch ändert sich, entwickelt sich weiter. Aber niemals sollte man seinen Charakter verbiegen lassen. Man muss Mensch bleiben. Das ist extrem wichtig.

Bei welchem Verein hat Ihnen das Fußball spielen am meisten Spaß gemacht?

Ich habe überall meinen Spaß gehabt und aus Freude Fußball gespielt, ob das nun in Bremen, München oder Kaiserslautern war. Von daher will ich kein Team herausheben oder die Mannschaften miteinander vergleichen.

So sehr Sie provoziert und angeeckt haben, die Fans hatten Sie meistens auf Ihrer Seite. War das Ihre Motivation oder nimmt man die Zuschauer gar nicht wirklich wahr?

Doch natürlich. Wenn ich ins Stadion eingelaufen bin, und die Fans haben meinen Namen gerufen, war das ein absolutes Gänsehaut-Feeling. Und genau so angenehm war es bei Auswärtsspielen, wenn du in Dortmund 90 Minuten lang ausgepfiffen und beschimpft wurdest (lacht).

Das müssen Sie uns erklären.

Das zeigt doch nur, wie groß der Respekt ist, den die gegnerischen Fans vor dir haben. Sie versuchen dich mit dem Geschrei aus dem Konzept zu bringen, deine Konzentration zu zerstören, doch mich hat das eher angestachelt. Die Beschimpfungen haben mich kalt gelassen.

Gab es Gegenspieler, gegen die Sie besonders ungern gespielt haben?

Da fällt mir eigentlich keiner ein. Meine Gegenspieler hatten meistens mehr Angst vor mir, als ich vor ihnen (lacht).

Die Spieler aus dem aktuellen DFB-Auswahlkader gelten als erste Generation der Internatsprofis. Professionell, skandallos, lernfreudig – auch langweilig?

Die Spieler der heutigen Generation sind anders, sie haben viel weniger Möglichkeiten irgendwo anzuecken. Dafür bringen sie auch eine gewisse Qualität mit, das ist die andere Seite der Medaille. Spieler aus dem Internat werden mit dem Fußball quasi groß gezogen, sie verschreiben ihr Leben dem Fußball und müssen dabei sehr professionell sein. Ob sie dabei langweilig sind, will ich ihnen nicht unbedingt unterstellen.

Sie haben bereits vor einigen Jahren die Seiten gewechselt und stehen als Trainer an der Außenlinie. Stellen Sie sich vor, sie hätten die Möglichkeit einen eigenen Spielertyp zu formen. Wie sähe der aus?

Das linke Bein von Maradona, den Spielwitz von Platini… (überlegt) Spieler aus dem Katalog gibt es nicht – und das ist auch gut so. Als Trainer musst du mit dem Spielermaterial arbeiten, das dir zur Verfügung steht. Diese Herausforderung macht es doch aus.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!