Auf der Suche nach den wahren Helden der Kurve

»Kern-Asis durch und durch«

Sie heißen Vokuhila-Bodo oder Tankwart a.D. und sind verdammt geile Typen. Das findet jedenfalls Gerrit Starczewski, der einen Film über Fan-Originale im Pott gedreht hat.

Gerrit Starczewski

Gerrit Starczewski, warum heißt der Tankwart a.D. eigentlich Tankwart a.D.?
Die meisten Menschen denken, weil er ein Alkoholproblem hat. Das hat er tatsächlich, aber der Name hat einen anderen Hintergrund. Der Tankwart a.D. hat in jungen Jahren tatsächlich mal eine Ausbildung in einer Tankstelle gemacht. Kurz vor seiner Abschlussprüfung griff ihm allerdings der Sohn des Tankstellenbesitzers an den Hintern. Worauf der Tankwart a.D. ihm eine ballerte und rausflog. Und seitdem hat er seinen Spitznamen weg.



Der Tankwart ist einer der Hauptfiguren in Ihrem Filmdebüt »POTToriginale«. Bevor wir über die anderen wunderbaren Charaktere sprechen: Warum gibt es diesen Film?
Ich bin im Bochumer Ruhrstadion quasi aufgewachsen, den Tankwart und viele andere sind Teil meiner Kindheit und standen schon mit ihrer Kutte im Block, als ich ein kleiner Junge war. Seit 20 Jahren arbeite ich als Fotograf und habe häufig genau solche Typen fotografiert. Jetzt war es mal Zeit für einen Film. Gemeinsam mit Natascha Wiese wollte ich diese Figuren im Bewegtbild würdigen.

Warum haben gerade sie solch eine Würdigung verdient?
Es gibt viele, die meine Filmhelden als Asis bezeichnen. Und, hey, das sind sie im Grunde auch: Kernasis durch und durch. Was für mich nur ein anderer Begriff für »Geile Typen« ist. Meistens ein Pilsken am Hals, jahrzehntealte Kutte, Schreien für den Verein. Solche Figuren sind für mich das Herzstück einer jeden Kurve. Das ist nun mal Fußball: bisschen rau, ziemlich laut – aber mit ganz viel Herz. Einige haben mir vorgeworfen, ich würde diese Menschen in meinem Film oder in meinen Video-Clips vorführen. Das stimmt nicht. Ich will ihnen die Bühne geben, die sie verdient haben.

So wie den VfL-Jesus, den Sie dabei zeigen, wie er seine Bochum-Bettwäsche präsentiert?
Thomas kenne ich vom Sehen schon seit Jahren, der ist bei den VfL-Fans bekannt wie ein bunter Hund. Ich durfte ihn kennenlernen und erfahren, dass er ein unglaublich herzensguter Mensch ist. Ein positiv Verrückter, der für seinen Verein sogar eine Ehe geopfert hat. Und Träger einer der ältesten Kutten im Stadion. Die wiederum gehörte einst einem Schalker, mit dem er in jungen Jahren aneinander geraten war. Aber ich will nicht zu viel verraten.

Welche Geschichten haben Pommes-Horst und seine Gisela zu erzählen?
Horst war Metzger, und als er noch ein junger Kerl war, lief er an einem Schaufenster der Konkurrenz vorbei und dachte sich: Wer so schön Fenster mit Fleisch dekorieren kann, muss einfach was auf dem Kasten haben! Das war Gisela. Inzwischen stehen die beiden seit über 40 Jahren mit ihrer mobilen Würstchenbude bei jedem Bochumer Heimspiel vor dem Ruhrstadion und sind längst fester Bestandteil der VfL-Fankultur. Ich habe mir da schon als Junge meine Pommes-Schranke gekauft. Als Bochum 2004 gegen Lüttich aus dem UEFA-Cup flog, sammelte sich um diese Bude eine Traube trauriger VfL-Anhänger. Mittendrin Horst, der eine aufmunternde Rede zum Besten gab. Anschließend ging es den meisten Fans schon wieder besser. Was für ein Typ! Übrigens: Wenn Horst auf Gisela wütend ist, geht er in die Küche und macht zehn Kilo Wurst. Das hilft dann meistens.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!