18.07.2010

Auf den Spuren von Peter Thorwarth

90 Minuten Ruhrpottleben

Im Ruhrgebiet ist Fußball Religion, und wenn es die Kreisliga ist. Johannes Klais zeigt in seinem Film »Oh Fortuna« die wahren Helden des Fußballwestens. Mit uns sprach er über Bier, Amateurfußball und Klischees.

Interview: Felix Grimm Bild: Imago
Auf den Spuren von Peter Thorwarth

Zusammen mit ein paar Freunden beschloß Johannes Klais, Kamerastudent von Adolf Winkelmann (»Nordkurve«), vor mehr als drei Jahren einen Film zu drehen - über einen fiktiven Kreisligaverein namens »Oh Fortuna«! Zwei waschechte Ruhrpottler, deren Begeisterung für Mopeds, Pils und Kreisliga-Fußball keine Grenzen kennt, kämpfen auf dem Platz für ihren Verein.

Johannes Klais, die Premiere eures Films »Oh Fortuna« stieg vor ein paar Wochen im Signal Iduna Park in Dortmund; ein ziemlich außergewöhnlicher Premieren-Ort für Außenstehende. Für euch auch?


In der Tat. Damit hatten wir nicht gerechnet. Als vor einem Jahr die Anfrage vom Stadion kam, war der Film noch gar nicht fertig. Damals sind wir noch davon ausgegangen, dass die Premiere in einem kleinen Programmkino stattfindet. Und als sich dann die Möglichkeit mit dem Open Air Kino ergab, haben wir uns natürlich riesig gefreut. Das war ein toller Abend.



Die Geschichte des Films ist im Amateurfußball-Milieu angesiedelt. Bringt ihr zusammen, was zusammen gehört: Fußball, Schrebergarten und Bier?

Ja. Aber nicht ausschließlich. Natürlich sind das die klassischen Klischees über das Ruhrgebiet. Aber da stehen wir halt auch drauf – eine Sache, mit der wir bei Gratisfilm immer schon gearbeitet haben. Und diese Klischees tragen wir dann auch gerne extra dick auf. Das ist unsere besondere Art von Humor.

Trotzdem wird der Film von dir und dem Rest des Produktionsteams als Heimatfilm angepriesen. Für Menschen, die nicht aus dem Ruhrgebiet kommen, ist das wohl erstmal fremd.

Dortmund und Fußball, das gehört natürlich zusammen. Darum haben wir uns auch sehr bewusst für dieses Element Sportplatz und dann auch für die Kreisklasse, eine der untersten Ligen, entschieden. Man hätte »Oh Fortuna« natürlich auch in einer höheren Liga spielen lassen können. Aber uns war sehr wichtig, dass sich die Geschichte an der unteren Kante des Fußballs abspielt.

Ihr habt den Film also bewusst im Amateurliga-Milieu spielen lassen?

Ja, das gab uns die Möglichkeit, die derben Sprüche und Dialoge, die wir uns vorab für das Drehbuch ausgedacht haben, unterzubringen. Diese Sprüche, die den Humor des Films  ausmachen, passen viel besser in ein Kreisliga C-Ambiente als in den Profifußball. Das kann mit Sicherheit jeder nachvollziehen, der schon in einer Kabine oder im Vereinsheim einer Kreisligamannschaft gewesen ist.

Der Film wurde auch immer wieder mit »Bang Boom Bang« verglichen. Ist das jetzt der Film, den Peter Thorwarth nie gedreht hat, wie es in einigen Medien dargestellt wurde?

Nein, auf keinen Fall. Natürlich kommen jetzt diese Vergleiche auf. Aber so richtig trifft das nicht zu. Schon allein wegen der Produktionsbedingungen. Im Gegensatz zu unserem Film ist Peter Thorwarths »Bang Boom Bang« eine richtig große Produktion gewesen, mit namhaften Schauspielern. Abgesehen davon gibt es natürlich schon Parallelen zu »Bang Boom Bang«, einem Film, den ich persönlich übrigens sehr mag und den ich auch schon oft gesehen habe. Dass man dadurch auch ein bisschen beeinflusst wird, ist normal, denke ich.

Trotzdem verbindet die beiden Hauptcharaktäre Jürgen Sugar und Eduard Grabowsky, genau wie »Bang Boom Bang«, eine innige Männerfreundschaft. Dieses Thema scheint für Filmemacher aus dem Ruhrgebiet ein sehr zentrales zu sein.

Darüber habe ich so noch nicht nachgedacht, aber wahrscheinlich ist das wirklich so. Uns war zum Beispiel auch wichtig, dass vor allem Freunde bei dem Projekt mitmachen. Jürgen Sugar kenne ich schon seit dem Kindergarten. Und das spiegelt sich dann auch im Drehbuch wider - ohne das man darüber nachdenkt. Ob man das jetzt auf Männer beschränken muss, weiß ich nicht. Aber Freundschaft wird im Ruhrgebiet auf jeden Fall sehr groß geschrieben. Und ich glaube, deswegen lebe ich auch noch hier.

Der Film läuft am 23.Juli zum allerersten Mal außerhalb des Ruhrgebiets. Was sind deine Erwartungen?

Naja, für uns ist das immer noch ein spannender Testballon, zu sehen, wie unser Humor in Berlin ankommt. Da ist man dann natürlich nervöser als vor einer Vorstellung in Dortmund. Auch, weil der Heimspielfaktor natürlich nicht mehr da ist. Allerdings bin ich sehr gespannt, ob auch die Berliner so über den Film lachen können.

»Oh Fortuna« läuft am 23. Juli um 20 Uhr im Freiluftkino im Cassiopeia in Berlin. Zu sehen ist er auch in Dortmund und Essen. Mehr Infos unter: www.gratis-film.com
 

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