16.08.2013

Aue-Trainer Falko Götz über den Wandel des Trainerberufs

»Christoph Daum hielt einen Medizinball mit den Füßen hoch«

Einst führte Falko Götz Hertha BSC in den Europapokal, heute kämpft er mit Erzgebirge Aue für den Klassenerhalt in der Zweiten Liga. Ein Gespräch über veränderte Ansprüche an Trainer, die Philosophie im Erzgebirge und seine alte Liebe Hertha.

Interview: Manuel Schumann Bild: Imago
Wie kann ein Trainer den Teamspirit verbessern, ohne sich dabei abzunutzen?
Das ist in der Tat eine Gratwanderung. Bleiben die positiven Resultate aus, wird man schnell in eine Negativspirale hineingezogen. Jeder Trainer ist in solchen Momenten abhängig von den Charakteren in der Mannschaft. Es gibt daher auch keinen Königsweg, wie man eine Mannschaft perfekt motiviert, sie erfolgreich führt und sich dabei nicht irgendwann abnutzt.

Mit anderen Worten: Eine ständige Suche?
Unter meiner Führung wird es definitiv nicht in jeder Woche eine Teambuilding-Maßnahme geben, so was wäre Blödsinn. Ob Einzelgespräche oder Diskussionen mit dem Mannschaftsrat - ich versuche stets, nah an die Mannschaft heranzukommen. Manchmal ist es jedoch sinnvoller, wenn meine Assistenten sich mit einigen Jungs unterhalten. Ich will nicht immer die Hauptperson sein.

Gehören Sie zu den Trainern, die behaupten: »Meine Spieler können auch mit privaten Problemen zu mir kommen«?
Ich denke schon, ja. Hat ein Spieler einen Todesfall zu beklagen, ist es selbstverständlich, dass er zur Beerdigung geht. Wird ein Spieler zum ersten Mal Vater, erlauben wir ihm, bei der Geburt dabei zu sein. Ist allerdings die Oma vierten Grades gestorben, muss zumindest eine gewisse Diskussionsgrundlage da sein. (lacht)

Aber welcher Spieler weiht seinen Vorgesetzten schon in brisante private Angelegenheiten ein?
Jeder Spieler geht anders damit um, klar. Es gibt Profis, die sagen dir schon vor dem Training Sätze wie »Mensch, meine Tochter hat ihren ersten Zahn bekommen« oder »Hey, mein Junge hat heute seinen ersten Schultag«. Diese Kandidaten hätten vermutlich auch keine Scheu, mir ihre privaten Probleme zu erzählen. Andere wiederum sind komplett verschlossen und sprechen nie über Privates. Wichtig ist mir nur eins: Meine Spieler sollen wissen, dass sie auch mit Sorgen zu mir kommen können. Leidet die Leistung unter diesen Problemen, erwarte ich sogar von ihnen, dass sie zu mir kommen.

Man hört häufig den Satz, ein Profitrainer denke rund um die Uhr an Fußball, 14, 15 Stunden am Tag – alles Blödsinn?
Ich finde solche Sätze übertrieben. Natürlich denke ich oft an Fußball, allerdings möchte ich das nicht in Stunden messen. Wenn du Cheftrainer einer Bundesligamannschaft bist, hast du an sieben Tagen der Woche mit Fußball zu tun. Mal eben so einen Tag abschalten? Das ist nicht drin. Allerdings kennt auch jeder Trainer die Phasen, in denen er arbeitslos ist und das Tagesgeschäft eine Weile beiseite schieben kann. Man sollte sich also nicht beschweren, Bundesligatrainer sind schließlich privilegiert.

Haben Sie einen Ausgleich?
Ich bin leidenschaftlicher Golfer. Wenn ich es tatsächlich mal schaffe, mir drei Stunden freizuschaufeln, genieße ich es, auf der Driving Range Abschläge zu machen und eine 9-Loch-Runde zu spielen. Stehe ich auf dem Golfplatz, denke ich an nichts anderes als den nächsten Schlag.

Eine 18-Loch-Runde ist während einer Saison nicht drin?
Auf keinen Fall! Das schaffe ich höchstens im Urlaub.
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