Attraktivitätsforscher Ulrich Rosar über Fußballer und Schönheit

Hässlich kickt besser!

Der Soziologe Prof. Dr. Ulrich Rosar hat in einer Studie herausgefunden, dass hässliche Fußballer die besseren Spieler sind.

Ulrich Rosar, Sie wollten in einer empirischen Studie herausfinden, wer mehr arbeitet: Attraktive oder unattraktive Menschen. Als Beispiel griffen Sie auf Fußballer zurück. Warum?
Im Fußball lassen sich Leistungen viel besser messen als in der alltäglichen Berufswelt. Wir haben für die Studie auf die Leistungsdatenbank zurückgegriffen, die auch von den Medien und Vereinen zur sportlichen Analyse verwendet wird. Die 8420 detaillierten Messungen von allen 483 Fußballprofis, die in der Bundesligasaison 2007/2008 zu Einsätzen kamen, liefern uns eine sehr gute Grundlage für die Untersuchung von Spielleistung in Abhängigkeit den physischen Attraktivität der Spieler.

Wie lässt sich die Leistung eines Stürmers mit der eines Abwehrspielers vergleichen? Wiegen Sie da eine gelungene Grätsche mit erfolgreichen Torschüssen ab?
So in der Art. Wir haben das positionsunabhängige Leistungsbewertungssystem der »Impire AG« übernommen. Tore aus unmöglicher Position bringen für einen Stürmer viele Punkte. Das Gleiche gilt für einen wichtigen gewonnenen Zweikampf eines Verteidigers. Vergibt ein Stürmer eine Großchance oder verliert ein Verteidiger einen wichtigen Zweikampf, gibt es Maluspunkte. Je höher am Ende die Punktezahl, desto besser. Bei jedem Spiel werden diese Daten von zwei unabhängigen Beobachtern für jeden eingesetzten Spieler ermittelt und später noch von zwei Experten mithilfe von Zeitlupen im Videostudium überprüft. Bei Toren lassen sich rund 20 Detailinformationen unterscheiden.

Wie bestimmen Sie die Attraktivität von Bundesligaspielern?
Das ist gar nicht mal so schwer: Das Schöne an der Attraktivitätsforschung ist, dass wir alle zu ähnlichen Einschätzungen hinsichtlich der Attraktivität eines Menschen kommen. Man benötigt daher lediglich Porträtfotos der Bundesligaspieler, die bewertet werden sollen. Diese Fotos zeigt man dann einer Testgruppe, die ein spontanes Attraktivitätsurteil der Bundesligaspieler auf einer Skala von eins bis sieben abgeben soll. Anschließend müssen die Einzelbewertungen nur noch zu einem Mittelwert verrechnet werden.

Haben Sie etwa veröffentlicht, wer die unattraktivsten Spieler der Liga sind?
Die unattraktivsten Spieler haben wir aus Gründen der Diskretion natürlich nicht veröffentlicht. Nur Franck Ribery haben wir erwähnt. Er ist wohl auch der Erste, der allen dazu einfällt, da er bekanntermaßen Opfer eines schlimmen Autounfalls wurde. Zudem ist Ribery das Paradebeispiel unserer Untersuchung: Obwohl er wegen seiner Narben der viertunattraktivste Spieler war, war er einer der besten Spieler der Saison. Die Namen der zehn attraktivsten Spieler haben wir übrigens veröffentlicht, bloß das hat niemanden interessiert. (Falls doch: Bildergalerie der zehn attraktivsten Bundesligaspieler der Saison 2007/2008, d. Red.)



Inwiefern wirkt sich nun das Aussehen auf die Leistung der Spieler aus?

Wir haben herausgefunden, dass unattraktive Spieler in der Regel mehr leisten, also besser spielen. Im Umkehrschluss müssen attraktive Spieler weniger ackern, um positiv wahrgenommen zu werden. Allerdings zählt nicht alleine das Aussehen des einzelnen Spielers, sondern auch die durchschnittliche Attraktivität der Mannschaft. Je mehr ein Spieler vom Durchschnitt der Mannschaft abweicht, desto größer ist der Effekt.

Wenn ich mir also beim Bolzen eine unattraktive Truppe suche, dann sieht es automatisch so aus, als spielte ich besser?
Das nennt sich »Frog-Pond-Effekt« (deutsch: Froschteich-Effekt, d. Red.). Einfacher ausgedrückt: Unter den Blinden ist der Einäugige König. Tatsächlich wird die Wahrnehmung der individuellen Leistung eines Spielers durch das Aussehen unbewusst beeinflusst: Der Trainer, die Medien und die Fans bewerten nach der Attraktivität der Spieler. Bei gleichen Leistungen von unterschiedlich attraktiven Spielern wird das Spiel des Attraktiveren durch das soziale Umfeld besser bewertet.

Allerdings ist Fußball nicht unbedingt ein Sport, wo Schönheit besonders viel zählt. Besonders beliebt bei den Fans sind diejenigen Spieler, die auf dem Platz Rasen fressen. Dafür muss man nicht besonders hübsch sein. Schönlinge wie Cristiano Ronaldo hingegen sind eher Reizfiguren.
Leider hatten wir in unserer Studie keinen richtigen Schönling wie Cristiano Ronaldo. Ich würde mutmaßen, dass sich der Effekt einfach umkehrt bei jemanden, dem sein Aussehen scheinbar wichtiger ist, als gut zu spielen. Wer in der Halbzeit die Frisur wechselt, wird natürlich weniger ernst genommen.

Laut einer anderen Studie werden Schulkinder, die Kevin heißen, von Lehrern schlechter bewertet als andere. Wirken sich Variablen wie Namen auch auf die subjektive Leistungsbewertung von Fußballern aus?
Das ist durchaus denkbar, findet in unserer Studie allerdings keine Berücksichtigung. Man könnte mutmaßen, dass südländisch klingende Namen mit größeren Ballkünsten assoziiert werden. Umgekehrt werden in der Regel Menschen mit typisch deutschen Namen von uns bevorzugt, da es bei Bewertungen von Leistungen auch so etwas wie einen »Eigengruppenbonus« gibt.

Dann hat das Südtribünenkind Kevin Großkreutz trotz seines Namens automatisch einen besseren Stand auf der Südtribüne?
Das wäre jedenfalls nicht unplausibel und müsste mal eingehend geprüft werden.

>>> Die zehn attraktivsten Bundesligaspieler des Saison 2007/2008 in der Bildergalerie <<<

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!