Artur Wichniarek über Bielefeld und Berlin

„Wir haben sehr viel Spaß“

„König Artur“ nennen sie ihn wieder in Bielefeld. Und sollte Wichniarek seinen momentanen Höhenflug fortsetzen, wäre auch die Rückkehr in die polnische Nationalmannschaft denkbar. Imago

11freunde.de: Herr Wichniarek, wann wurde man in Bielefeld zum ersten Mal auf Sie aufmerksam?

Artur Wichniarek: Ich weiß, dass die Arminia mich lange beobachten ließ, bevor ich 1999 verpflichtet wurde. Vor 1996 gab es aber bestimmt keine Späher, die sich für mich interessierten. Denn erst als ich von Lech Poznan zu Widzew ?odz wechselte, kam meine Karriere richtig ins Rollen. Und das hat anscheinend gereicht, um über die Landesgrenzen hinaus aufzufallen. Denn die Arminia war nicht der einzige Klub, der sich damals um einen Transfer bemühte.

11freunde.de: Ein Zufall also, dass Sie letztlich in Deutschland unterschrieben.

Wichniarek: Sehen Sie, ein Angebot aus der Bundesliga ist für viele junge polnische Spieler ein Traum, auch für mich – mit Zufall hatte es daher nur wenig zu tun.

11freunde.de: Brauchten Sie lange Zeit, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen?

Wichniarek: Sich damals zu akklimatisieren, war wirklich nicht einfach. Besonders das erste halbe Jahr hat mir gezeigt, wie groß der Schritt tatsächlich war und, wie fremd das Ausland sein kann. Hinzu kam, dass meine Leistungen sehr zu wünschen übrig ließen und es außerhalb des Platzes oft an der Kommunikation haperte. Zwar konnte ich mich gut auf Englisch mitteilen, allerdings konnte ich den meisten Kabinengesprächen ohne die Kenntnis der deutschen Sprache kaum folgen. Ein Glück, dass sich ein Lehrer gefunden hatte, der mir das Nötigste im Schnellverfahren beibringen konnte.

11freunde.de: Ihre erste Saison auf der Alm endete mit dem Abstieg.

Wichniarek: Einerseits war das sehr tragisch für den Verein, die ersten Spiele liefen noch ganz gut... – aber andererseits verstehe ich den Abstieg heute, also mit gebührendem Abstand, als persönliche Chance. Das Spielniveau der Zweiten Liga kam mir einfach mehr entgegen, so dass ich mich spürbar verbessern konnte. Ich fand zurück zu meinem Spiel, zu meinen Stärken – mit dem Ergebnis: Ich wurde zwei Mal Torschützenkönig und die Arminia stieg 2002 wieder auf.

11freunde.de: Es folgten 12 Treffer in der ersten Bundesliga und dann der Wechsel nach Berlin. Ein Missverständnis?

Wichniarek: Warum meine Zeit bei Hertha nicht so verlief, wie von der Vereinsführung und mir selbst gewünscht, will ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Fakt ist: Sich in Berlin nicht durchgesetzt zu haben, war eine persönliche Niederlage, an der ich zu knabbern hatte. Ich habe mein Ziel nicht erreicht, aber ich weiß auch, dass ich nicht der einzige auf der Welt bin, der diese Erfahrung machen musste. Schade, sagt man halt am Ende.

11freunde.de: Die hektische Hauptstadt Berlin ist im Vergleich zum beschaulichen Bielefeld...

Wichniarek: ...allein schon aufgrund der Einwohnerzahl eine ganz andere Welt. Aber ehrlich gesagt, habe ich von den Vorzügen der Großstadt kaum profitiert. Es war mir letztlich egal, wo ich wohne. Ich habe mich in beiden Städten gleichermaßen wohl gefühlt.

11freunde.de: Drehen wir die Zeit zurück. Würden Sie es, der schlechten Erfahrung zum Trotz, erneut in Berlin versuchen?

Wichniarek: Ich war von meiner Entscheidung, nach Berlin zu wechseln, zutiefst überzeugt – und bin es immer noch. Ich war 26, also im besten Alter für einen weiteren Karrieresprung. Und aufgrund meiner positiven Entwicklung war es auch absehbar, dass sich andere Vereine melden würden. Ich wollte es einfach noch mal wissen – wer kann mir das verübeln?

11freunde.de: Jetzt sind Sie zurück an alter Wirkungsstätte. Und Ihr alter Spitzname „König Artur“ hat wieder Hochkonjunktur.

Wichniarek: Das schmeichelt mir natürlich. Den Spitznamen habe ich mir während meines ersten Aufenthalts in Bielefeld verdient. Und ich werde auch weiterhin versuchen, ihm gerecht zu werden. Das ist jedoch kein Grund, sich darauf etwas einzubilden und abzuheben.

11freunde.de: Sind die Fans der Arminia zurzeit schon abgehoben, wenn Sie vom Uefa-Cup träumen?

Wichniarek: Träume sind nicht verboten. Unser Ziel ist es aber nach wie vor, auch nächstes Jahr in der Bundesliga zu spielen, sprich: Wir wollen so schnell wie möglich 40 Punkte erreichen, die ja bekanntermaßen den Klassenerhalt garantieren. Und dann schauen wir in Ruhe weiter, wie viele Punkte noch hinzukommen werden. (lacht)

11freunde.de: Beschreiben Sie mal das momentane Erfolgsrezept der Arminia.

Wichniarek: Das ist keine große Sache: Wir haben in dieser Saison sehr viel Spaß, spielen einen attraktiven Fußball, der den Fans und uns selbst gefällt. Das soll einfach noch so lange wie möglich anhalten.

11freunde.de: Wie verstehen Sie sich mit Ihrem Trainer Thomas von Heesen?

Wichniarek: Sich miteinander gut oder schlecht verstehen – das sind nicht die entscheidenden Kategorien. Wir sind beide Profis, die ihre Arbeit erledigen. Meine Aufgaben liegen dabei auf dem Platz, seine außerhalb. Entscheidend ist einzig der Erfolg.

11freunde.de: Thema Nationalmannschaft. Wann werden Sie wieder für Polen stürmen?

Wichniarek: Wenn ich geduldig bleibe und meine Leistungen auf konstant hohem Level halten kann, dann hoffentlich schon bald. Es ist definitiv mein Ziel, wieder berufen zu werden. Ich bin erst 29 und bestimmt noch nicht zu alt, um in der Nationalmannschaft zu spielen.

11freunde.de: Hat sich der neue Trainer der Polen, Leo Beenhakker, schon gemeldet?


Wichniarek: Nein.

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