20.11.2006

Artur Wichniarek über Bielefeld und Berlin

„Wir haben sehr viel Spaß“

„König Artur“ nennen sie ihn wieder in Bielefeld. Und sollte Wichniarek seinen momentanen Höhenflug fortsetzen, wäre auch die Rückkehr in die polnische Nationalmannschaft denkbar.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
11freunde.de: Herr Wichniarek, wann wurde man in Bielefeld zum ersten Mal auf Sie aufmerksam?

Artur Wichniarek: Ich weiß, dass die Arminia mich lange beobachten ließ, bevor ich 1999 verpflichtet wurde. Vor 1996 gab es aber bestimmt keine Späher, die sich für mich interessierten. Denn erst als ich von Lech Poznan zu Widzew ?odz wechselte, kam meine Karriere richtig ins Rollen. Und das hat anscheinend gereicht, um über die Landesgrenzen hinaus aufzufallen. Denn die Arminia war nicht der einzige Klub, der sich damals um einen Transfer bemühte.

11freunde.de: Ein Zufall also, dass Sie letztlich in Deutschland unterschrieben.

Wichniarek: Sehen Sie, ein Angebot aus der Bundesliga ist für viele junge polnische Spieler ein Traum, auch für mich – mit Zufall hatte es daher nur wenig zu tun.

11freunde.de: Brauchten Sie lange Zeit, um sich an das neue Umfeld zu gewöhnen?

Wichniarek: Sich damals zu akklimatisieren, war wirklich nicht einfach. Besonders das erste halbe Jahr hat mir gezeigt, wie groß der Schritt tatsächlich war und, wie fremd das Ausland sein kann. Hinzu kam, dass meine Leistungen sehr zu wünschen übrig ließen und es außerhalb des Platzes oft an der Kommunikation haperte. Zwar konnte ich mich gut auf Englisch mitteilen, allerdings konnte ich den meisten Kabinengesprächen ohne die Kenntnis der deutschen Sprache kaum folgen. Ein Glück, dass sich ein Lehrer gefunden hatte, der mir das Nötigste im Schnellverfahren beibringen konnte.

11freunde.de: Ihre erste Saison auf der Alm endete mit dem Abstieg.

Wichniarek: Einerseits war das sehr tragisch für den Verein, die ersten Spiele liefen noch ganz gut... – aber andererseits verstehe ich den Abstieg heute, also mit gebührendem Abstand, als persönliche Chance. Das Spielniveau der Zweiten Liga kam mir einfach mehr entgegen, so dass ich mich spürbar verbessern konnte. Ich fand zurück zu meinem Spiel, zu meinen Stärken – mit dem Ergebnis: Ich wurde zwei Mal Torschützenkönig und die Arminia stieg 2002 wieder auf.

11freunde.de: Es folgten 12 Treffer in der ersten Bundesliga und dann der Wechsel nach Berlin. Ein Missverständnis?

Wichniarek: Warum meine Zeit bei Hertha nicht so verlief, wie von der Vereinsführung und mir selbst gewünscht, will ich an dieser Stelle nicht vertiefen. Fakt ist: Sich in Berlin nicht durchgesetzt zu haben, war eine persönliche Niederlage, an der ich zu knabbern hatte. Ich habe mein Ziel nicht erreicht, aber ich weiß auch, dass ich nicht der einzige auf der Welt bin, der diese Erfahrung machen musste. Schade, sagt man halt am Ende.

11freunde.de: Die hektische Hauptstadt Berlin ist im Vergleich zum beschaulichen Bielefeld...

Wichniarek: ...allein schon aufgrund der Einwohnerzahl eine ganz andere Welt. Aber ehrlich gesagt, habe ich von den Vorzügen der Großstadt kaum profitiert. Es war mir letztlich egal, wo ich wohne. Ich habe mich in beiden Städten gleichermaßen wohl gefühlt.
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