06.11.2012

Arsenal-Legende Tony Woodcock über Podolski, Wenger und Deutschland

»Lukas muss sich steigern«

Tony Woodcock holte mit Nottingham den Europapokal der Landesmeister und wurde danach beim 1. FC Köln und bei Arsenal zur Legende. Vor dem Spiel seines FC Arsenal bei Schalke 04 spricht er über Lukas Podolski, den Trend zu deutschen Talenten und sein Leben als Außerirdischer in Köln.

Interview: Roland Wiedemann Bild: Imago

Tony Woodcock, als Lukas Podolski im Sommer vom 1. FC Köln zu Arsenal wechselte, gab es in Deutschland Zweifel, ob das gut gehen würde. Die Meldungen, die bislang aus England gekommen sind, legen den Schluss nahe, dass die Vorbehalte unberechtigt waren.
Bis jetzt ist es für Lukas eigentlich ganz gut gelaufen. Für einen Spieler, der aus dem Ausland zu einem neuen Verein gekommen ist, war der Start ordentlich. Aber es muss noch etwas mehr kommen, es reicht nicht, einfach nur mitzuspielen – und das weiß Lukas auch. Er darf sich nicht zurücklehnen und sagen, ich habe es schon geschafft. Es ist noch ganz früh und man muss abwarten, wie sich Lukas weiter entwickelt. Es stellt sich auch die Frage, auf welcher Position Arsene Wenger Lukas Podolski dauerhaft einsetzen wird. Bis jetzt hat er ein bisschen mehr links gespielt. Doch für einen Spieler, der Tore schießen will, ist das nicht ganz die ideale Position. Aber ein richtiger Mittelstürmer ist Lukas ja auch wieder nicht. Mal schauen, was Arsene Wenger mit ihm vorhat.

Hatten Sie selbst auch Zweifel, ob Lukas Podolski zum FC Arsenal passt und sich hier durchsetzen kann?
Warum? Er ist stark, hat einen sehr guten linken Fuß und die richtige Einstellung. Vielleicht wird Lukas in Deutschland ein bisschen unterschätzt. Er bringt viel Erfahrung mit. Beim FC Bayern hatte er immer die  Chance Titel zu gewinnen. Man erlebt viel mit so einem Klub und lernt dabei, mit dem Druck umgehen zu können, erfolgreich sein zu müssen. Und dann ist er nach Köln zurückgegangen, so wie ich das auch gemacht habe. Dabei sagen viele Leute, dass das nicht gut ist, nochmals bei dem Verein anzufangen, bei dem man früher erfolgreich war und gefeiert wurde. Bei Lukas und mir ist das gut gegangen.

Nach seiner Rückkehr spielte Podolski mit Köln gegen den Abstieg.
Aus jeder schlechten Situation kannst du etwas Gutes mitnehmen. Wenn du gegen den Abstieg spielst, musst du lernen zu kämpfen. Ich denke, der Wechsel zu Arsenal kam genau zum richtigen Zeitpunkt.

Man hat den Eindruck, als hätte sich Podolski jetzt schon in die Herzen der Arsenal-Fans gespielt.
In England ist es sehr einfach, die Herzen der Fans zu gewinnen. Du musst die richtige Einstellung mitbringen, rennen und kämpfen. Das hat Lukas bislang getan, er hat auch Defensivarbeit verrichtet. Die Leute fragen sich bei einem neuen Spieler aber auch: Ist der Typ überheblich oder unantastbar? Lukas Podolski ist das nicht. Die Leute haben gleich festgestellt: Das ist ein ganz normaler Junge, ohne Allüren. Und da gibt es noch einen Aspekt. Der FC Arsenal hat Robin van Persie verloren. Lukas ist bei den Fans ein bisschen der Ersatz für ihn, er soll van Persie vergessen machen. Ich will ja nicht zu negativ sein, aber um wirklich bei Arsenal eine Ikone zu werden, muss sich Lukas steigern. Er muss sich sagen: Ich will hier etwas bewegen und das auch umsetzen.

Haben Sie sich in London schon einmal getroffen?
Nein, bislang leider noch nicht.

Böse Menschen in Deutschland haben sich schon auf das erste Podolski-Interview in Englisch gefreut. Podolski hat diese Leute jedoch enttäuscht. Grammatikalisch war nicht alles korrekt, aber er hat sich keineswegs mit seinem Englisch blamiert…
Warum sind diese Leute überrascht? Der Transfer kam ja nicht von einem Tag auf den anderen. Lukas hatte eine gewisse Zeit, um sich auf die neue Lebenssituation gut vorzubereiten. Und dazu gehört auch, Englisch zu lernen.

Wie war das bei Ihnen, hatten Sie Angst, als Sie 1979 von Nottingham Forest zum 1. FC Köln wechselten?
Angst ist das falsche Wort, aber ein bisschen Respekt hatte ich schon. Es gab ja damals keine englischen Spieler, die im Ausland spielten – bis auf Kevin Keagan. Als ich nach Deutschland wechselte, war das also so, als würde ich auf einen anderen Planeten gehen.

Warum gerade Deutschland?
Es gab auch Angebote aus Italien und Spanien. Doch die Bundesliga war damals die beste Liga der Welt. Das war die Liga, wo man spielten sollte. Aber man muss das auch wollen, das ist heute nicht anders, wenn ein Spieler ins Ausland geht, auch wenn inzwischen vieles anders und einfacher ist. Allein schon weil solche Wechsel an der Tagesordnung sind.

Fiel Ihnen die Umstellung damals schwer?
Auf dem Fußballplatz war das nicht so das Problem. Die Mentalität, wie Fußball gespielt wird, war und ist in England und Deutschland ähnlich. Aber das mit der Sprache ist nicht zu unterschätzen. Du findest Briefe in deinem Briefkasten und kannst nichts davon lesen. Andererseits gab es damals schon viele Menschen in Deutschland die Englisch sprachen. Das hat es mir wiederum es bisschen schwer gemacht, Deutsch zu lernen. Du kommst in den Supermarkt und willst die Frau in der Gemüseabteilung etwas auf Deutsch fragen und sie antwortet gleich auf Englisch…

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