19.06.2014

Arne Friedrich über WM-Quartiere und Lagerkoller

»Man kriegt es irgendwann am Kopf«

Der frühere Nationalspieler und Hertha-Kapitän Arne Friedrich hat schon viele Turnier-Unterkünfte erlebt. Hier erzählt er, warum die Stars auch mal Kind sein wollen und wie man einen Lagerkoller vermeiden kann.

Interview: Stefan Hermanns und Michael Rosentritt Bild: Imago

Arne Friedrich, waren Sie schon drin?
Wo, im Campo Bahia?

Darum geht es doch, oder?
Nein, war ich noch nicht. Aber das wird sich bestimmt noch ergeben.

Sie sind also nicht ausgesperrt, weil Sie als Co-Kommentator beim chinesischen Fernsehen auf der falschen Seite stehen?
Nein, Uli Voigt …

… von der Presseabteilung des DFB …
… hat mich schon gefragt, ob ich mal im Quartier vorbeischauen möchte. Irgendwann werde ich das bestimmt machen. Aber der Zeitpunkt muss auch passen.

Aber wenn Philipp Lahm einen Gegner beim Tischtennis benötigt, stünden Sie bereit.
Am Ende haben wir gar kein Tischtennis mehr gespielt, sondern Snooker. Nein, das wird nicht passieren. Die Mannschaft hat hier einen wichtigen Job zu erledigen. Wenn ich das Quartier besuche, wäre ich nur noch Gast.

Nach allem, was man über das Campo Bahia weiß, ist die Unterkunft herausragend, sie liegt dazu noch direkt am Meer. Sind Sie ein bisschen neidisch?
Meine Unterkunft liegt auch direkt am Meer. Ich kann mich nicht beklagen. Natürlich ist für die Nationalmannschaft alles noch ein bisschen luxuriöser. Ich habe das schon öfter gesagt: Als Nationalspieler ist es wie im Paradies, man hat die allerallerbesten Bedingungen. Aber neidisch bin ich nicht. Das ist mir fremd.

Im Campo Bahia hat man kurze Wege, die Spieler leben in einer Art WG. Die Idee dahinter: Wenn ich im richtigen Leben Wege für meinen Kollegen gehe, mache ich das auch im Spiel. Ist das zu hoch gegriffen?
Überhaupt nicht. Das ist eine brillante Idee. Man unternimmt vielleicht auch mal was mit jemandem, mit dem man sonst wenig zu tun hat; man löst Probleme in der Gruppe – das ist doch genau das, was wir auch auf dem Platz brauchen. Ich bin gespannt, wie weit das funktioniert. Deshalb würde ich das Camp auch gerne mal sehen. Das ist schon eine Neuheit.

Ist es wichtig, ein Einzelzimmer zu haben?

Bei einem Turnier braucht man definitiv ein Einzelzimmer. Wenn man 24 Stunden aufeinanderhängt, kriegt man es irgendwann am Kopf. Man muss auch mal einen Rückzugsort haben, wo man für sich sein kann, in Ruhe telefonieren kann und mal niemanden sieht. Wenn man fünf Tage zusammen ist, sind Doppelzimmer kein Problem. Über sieben Wochen schon.

Welche Rolle spielt das Quartier für den Turniererfolg?

Es ist sehr wichtig. Wenn man wirklich ins Halbfinale oder ins Endspiel kommt, ist man fast sieben Wochen zusammen, und das nur unter Männern. Irgendwann kommt bestimmt ein Tag, wo einem die Decke auf den Kopf fällt, wo vielleicht sogar ein kleiner Lagerkoller entsteht – für den Teamgeist ist das nicht gerade förderlich. Deshalb achten Oliver Bierhoff und seine Mitarbeiter darauf, dass die Mannschaft wirklich die besten Bedingungen vorfindet. Dass man sich wohlfühlt, kann kein Nachteil sein, definitiv nicht.

Hat die Mannschaft Einfluss auf die Entscheidung, wie das Quartier aussieht?

Auf jeden Fall. Natürlich nicht bei den elementaren Fragen, wo die Mannschaft unterkommt. Aber es werden Details besprochen. Der Trainer und der Manager haben da auch immer ein Feedback aus der Mannschaft gewollt. Wir sind schließlich alle erwachsene Menschen. Und wenn offen miteinander kommuniziert wird, kommt auch Gutes dabei heraus.

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