21.11.2007

Arne Friedrich im Interview

„Es ärgert mich nicht mehr“

PR-Berater würden sagen: Der Arne Friedrich hat ein Image-Problem. 55 Länderspiele stehen auf seinem Konto, doch noch immer gilt er als Notlösung. Wir sprachen mit ihm über seinen Ruf, eine Hertha im Aufbau und die EM 2008.

Interview: Stefan Hermanns Bild: Imago
Eine Boulevardzeitung hat in dieser Woche die vermeintliche EM-Elf aufgestellt. Ihr Name taucht darin nicht auf.

Das ist ja oft so. Von den Medien werde ich als unfähiger Außenseiter hingestellt. Aber ich weiß, dass der Trainer auf mich baut. Ich habe 55 Länderspiele gemacht, schon deshalb kann die Kritik an mir gar nicht immer gerechtfertigt gewesen sein.

Welche Vorwürfe ärgern Sie am meisten?

Es ärgert mich nicht mehr. Das geht ja schon lange so, dass ich das gewohnt bin. Wichtig ist, dass ich von meinen Trainern und Mitspielern eine positive Resonanz bekomme. Und die bekomme ich.

Liegt die fehlende öffentliche Wertschätzung vielleicht auch daran, dass die Position des Außenverteidigers die unspektakulärste überhaupt im Fußball ist?

Es kommt darauf an, wie man sie interpretiert. Philipp Lahm und Marcell Jansen spielen die Rolle sehr offensiv, dadurch haben sie viele Aktionen vorne, und dadurch sieht ihr Spiel vielleicht spektakulärer und interessanter aus. Ich beschränke mich eher auf die Defensive, wahrscheinlich falle ich deswegen nicht so auf.

Bei Hertha wollten sie unbedingt von der Außen- in die Innenverteidigung rücken. Glauben Sie, dass Sie dort eine größere Wertschätzung erfahren werden?

Darum geht es nicht. Mir liegt diese Position etwas besser. Ich kann innen mehr Einfluss nehmen, auch verbal. Wenn du als Außenverteidiger nach vorne gehst, hast du kaum die Möglichkeit, hinten noch die Abwehr zu organisieren. Außerdem bin ich zweikampfstark, das kommt in der Innenverteidigung zum Tragen.

Sehen Sie sich in der Nationalmannschaft als Stammspieler in der Viererkette? Oder eher als erster Ersatzmann, der zum Einsatz kommt, weil immer jemand ausfällt?

Ich sehe keinen Grund, mich als Ersatzmann zu fühlen. Ich weiß, dass ich mir bei Joachim Löw sehr großes Vertrauen angespielt habe. Er hat mir gesagt, dass ich seine Anweisungen immer sehr gut umsetze. Gegen Zypern hätte ich auch gespielt, wenn Marcell Jansen sich nicht verletzt hätte.

Was können Sie von der Nationalmannschaft in den Verein transferieren?

Sehr viel: das Prinzip der Trainer, ihre klaren Vorgaben, das flache, vertikale Spiel, auch taktische Dinge, die wir im Verein umsetzen wollen. Lucien Favre und Jogi Löw sind schon sehr gleich in ihrer Auffassung vom Fußball. Favre versucht gerade, sein System bei uns an den Mann zu bringen. Dass das noch längst nicht so klappt wie bei der Nationalmannschaft, ist ganz klar. Favre probiert noch sehr viel, die Qualität der Spieler in der Nationalmannschaft ist viel größer, und gerade die jungen Spieler bei Hertha müssen sich erst noch umstellen.

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