19.05.2007

Armin Veh und Horst Heldt im Interview

„Ich will immer gewinnen“

Der VfB Stuttgart ist Deutscher Meister. Zur Feier des Tages hier noch einmal das Interview, das wir im Januar mit Trainer Armin Veh und Manager Horst Heldt führten. Es offenbart: Man hätte diesen Überraschungstriumph ahnen können.

Interview: Jens Kirschneck und Tim Jürgens Bild: Maks Richter
Horst Heldt und Armin Veh, welches Abkommen haben Sie am Anfang Ihrer Zusammenarbeit beim VfB untereinander getroffen?

Heldt: Das erste halbe Jahr war sehr schwierig. Aber egal in welcher Situation wir waren, wir sind stets ehrlich miteinander umgegangen. Wir haben kritische Dinge direkt angesprochen.

Veh: Ganz ehrlich, das sind keine Phrasen. Horst wurde Sportdirektor, als es nicht gut lief, und dann kam auch ich noch dazu (lacht). Wir haben versucht, die Gegenwart zu bewältigen. Auch wenn zu Beginn nicht sicher war, wie lange ich im Amt sein würde, hatten wir von Anfang an einen Plan, mit welcher Strategie es in der neuen Saison weiter gehen sollte.



Ehrlichkeit im Fußballgeschäft gibt es also doch noch.

H: Wenn mir etwas auffällt, versuche ich mit dem Trainer darüber zu sprechen. Ich weiß, dass er Wert auf meine Meinung legt. Und wenn ich es mit Einwänden übertreibe, gibt er mir deutlich zu verstehen, dass ich sowieso keine Ahnung von Fußball habe.

V: So kommt er immer um die Ecke: »Eigentlich bin ich kein Trainer, aber...« (lacht).

H: Mit ihm kann ich über Taktik und meine Perspektive auf das Spiel reden. Ich finde es gut, dass er mir zuhört, auch wenn er natürlich nicht alles berücksichtigt. Das spricht für unser Verhältnis.

Meinen Sie, Armin Veh, dass dieses gute Verhältnis auch andauert, wenn der VfB in eine Krise gerät?

V: Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Horst versucht, stets fair und ehrlich zu sein. Ich glaube, das beruht auf Gegenseitigkeit.

Wie sehr hat es Ihre Zusammenarbeit belastet, als VfB-Aufsichtsrat Dieter Hundt nach Vehs Verpflichtung sagte, der Trainer sei nur eine Übergangslösung?

V: Wenn so was verkündet wird, stürzt sich die Presse drauf. Keine Frage. Aber wenn ein Trainer gegen solche Dinge nicht resistent ist, kann er seinen Job nicht verrichten.

Wie blenden Sie solche Dinge und die Berichterstattung denn aus – mit Yoga?

V: Ach was. Nach meinem Abgang bei Hansa Rostock habe ich mir viel Zeit genommen, die Situation nicht nur als Trainer, sondern auch mal aus der Perspektive der Medien zu betrachten. Seitdem bin ich viel gelassener gegenüber der Berichterstattung als früher.

Hat sich auch ihr Umgang mit den Spielern verändert?

V: Wie ich mit den Spielern spreche, geht niemanden etwas an. Ich bin mit 29 Coach geworden und schon damals gab es stets eine gesunde Distanz zwischen der Mannschaft und mir. Ich denke, das entspricht einfach meinem Naturell.

H: Armin ist ein Mensch, der einem Spieler klar sagt, wenn er Mist gemacht hat, aber er lobt auch, wenn er eine Leistung schätzt. Er hält, was er sagt, und steht dazu – völlig unabhängig von der Popularität des Spielers.

Was unterscheidet die neue Spielergeneration von Ihnen zu Ihrer Profizeit?

V: Ich habe als Spieler gekuscht, wenn ein Trainer etwas anordnete. Heute wissen die Jungs viel genauer, wenn etwas am Training nicht stimmt, weil viele die wichtigsten wissenschaftlichen Lehrbücher lesen. Wenn ein Trainer schlecht trainieren lässt, merken die das sofort.

Horst Heldt, warum haben Sie Armin Veh als Trainer verpflichtet?

H: Als Spieler lernte ich ihn kennen, als er bei 1860 ein Praktikum gemacht hat. 2003 rief er mich dann in Stuttgart an und fragte, ob ich zu ihm nach Augsburg wechseln wolle.

V: Wir konnten ihn aber nicht bezahlen.

H: Richtig, ich war dem FC Augsburg zu teuer. Letztes Jahr fragte mich in meiner Funktion als Vertreter des Spielerrats plötzlich mein Vorgänger Herbert Briem, ob ich mir vorstellen könnte, dass Armin Veh unser Trainer wird.

Was sprach denn für ihn?

H: Zum einen die Art, wie er mit Spielern umgeht, und zum anderen, wie er mit seinen Teams bis dato Fußball gespielt hatte: In Rostock gelang es ihm zum Beispiel, mit einem dürftigen Etat frischen Offensivfußball spielen zu lassen.

Dass sie inzwischen als eingespieltes Duo gelten, hat sich also erst durch die Zusammenarbeit ergeben.

V: Eine Frau, die man heiratet, muss man schließlich auch erst einmal näher kennen lernen.

Interessanter Vergleich.


V: (lacht) Im Ernst: Wir verstehen uns schon sehr gut und mögen uns. Es kommt auch vor, dass wir nach der Arbeit mal schnell was zusammen essen, wenn es die Zeit erlaubt.

H: Aber gemeinsam im Kino waren wir noch nicht.

Armin Veh, was muss Horst Heldt als Manager noch lernen?

V: Ich bin überzeugt, dass er ein Guter ist. Er ist stressresistent, sonst hätte er das erste halbe Jahr gar nicht gepackt, und er ist unglaublich lernwillig. Und als Ex-Profi hat er Anlagen, die ihn zu einem Top-Manager machen können.

Wie gehen Sie miteinander um, wenn es nicht läuft?

H: Wenn ich mit ihm nicht streiten könnte, würde ich den Respekt verlieren. Ein Trainer, der sich gegen jede Diskussion sträubt, macht meines Erachtens einen schlechten Job.

Sie pflegen also eine gesunde Konfliktkultur.

V: Natürlich, wir müssen schließlich jeden Tag miteinander arbeiten. Das funktioniert nur, wenn man sich gegenseitig respektiert.

Und dabei wird es mitunter auch laut.

V: Bei manchen Einwänden merkt man deutlich, dass in seiner Brust noch das Spielerherz schlägt. Dann gebe ich ihm schon zu verstehen, dass er die Finger von der Taktiktafel nehmen soll (lacht).

H: Mit seiner Tafel ist er ganz eigen.

V: Anderes Beispiel: Im Vorbereitungsspiel gegen einen Oberligisten spielten wir nur 1:1. Horst kam in die Kabine und schlug vor, ich solle das Team zur Strafe noch bei Flutlicht trainieren lassen. Da flogen dann natürlich die Fetzen.

H: Allerdings würde ich in so einer Situation nie auf meiner Meinung beharren.

V: Ich finde es aber gut, dass du es ehrlich sagst. Ich will ja ein Feedback. Schließlich ist klar: In letzter Konsequenz hat der Trainer die Verantwortung für die Mannschaft und muss entscheiden.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden