Armin Eck über Bielefelds und Hamburgs Relegationsspiele

»Für mich war der HSV die Nummer zwei der Liga«

Als Armin Eck zum HSV kam, dachte er, der Klub wäre einer der größten in Deutschland – doch ehe er sich versah, steckte er im Abstiegskampf. Besser ging es ihm in Bielefeld, wo er zweimal in Folge aufstieg. Ein Gespräch über die Relegationsspiele, verpasste Chancen und die Fehler der Saison.

Armin Eck, Ihre Ex-Vereine stehen vor dem Abstieg. Wer hätte es denn eher verdient, in der Liga zu bleiben?
Beide. (lacht)
 
Wirklich? Der HSV hat die schlechteste Saison seiner Vereinsgeschichte gespielt. 
Nun ja, vielleicht muss man das ein wenig relativieren. Wenn der HSV gegen Greuther Fürth verliert, steigt er zurecht ab. Mit 27 Punkten die Klasse zu halten – das hat vorher jedenfalls noch nie eine Mannschaft geschafft.
 
Aber Ihr Herz schlägt noch für den HSV?
Klar, genauso wie für Arminia Bielefeld und den FC Bayern. Aber nicht nur deswegen wäre es wirklich sehr schade, wenn der HSV in die Zweite Liga muss. Der Bundesliga würde etwas fehlen. Und ich glaube auch nicht – wie viele andere –, dass dem HSV ein Abstieg gut täte. Kurzum: Ich hoffe sehr auf einen HSV-Sieg, auch wenn ich meinem alten Kumpel Frank Kramer (Trainer bei Greuther Fürth, d. Red.) einen Aufstieg gönnen würde.
 
In Ihrer ersten HSV-Saison, 1989/90, steckte Ihr Team auch lange im Tabellenkeller. Noch am 29. Spieltag belegte die Mannschaft Platz 17. Wie hat die Mannschaft damals den Abstieg verhindert?
Durch einen 1:0-Sieg am letzten Spieltag gegen Waldhof Mannheim. Ich erinnere mich noch sehr genau an diese Partie. Die Beine waren wackelig, wir liefen verdammt nervös aufs Feld. Und jedes Mal, wenn die Mannheimer über die Mittellinie kamen, stockte uns kurz der Atem. Und dann erlöste uns Jan Furtok in der 88. Minute. Der Jubel war unfassbar laut und intensiv. Es fielen Zentnerlasten von unseren Schultern.
 
Eine Niederlage hätte den Abstieg bedeutet. Merkte man die Anspannung auch auf der Tribüne?
Zum Teil. Allerdings muss man sagen, dass die Fans uns damals wahnsinnig unterstützt und die Nervosität genommen haben. Die hatten ein ganz gutes Gespür für die Lage.
 
Diese Saison kam es nach der Niederlage gegen Wolfsburg vor der Geschäftsstelle zu Fantumulten. Gab es so was damals auch?
Nicht in dieser Größenordnung. Natürlich trafen wir auch Fans in der Stadt, und gerade in dieser ersten Saison waren die nicht immer super gelaunt. Doch selbst in dieser brenzligen Situation konnte man mit denen recht sachlich diskutieren.

Der HSV hatte wenige Jahre zuvor den Landesmeister-Cup, Meisterschaften und den DFB-Pokal gewonnen. Doch als Sie kamen, geriet er prompt in den Abstiegskampf. Wieso eigentlich?
In den Jahren gab es beim Klub viele Umbrüche. Trainer und Spieler kamen und gingen. Darunter auch wichtige Säulen der Mannschaft.
 
Die ewige Fluktuation beim HSV.
Sehen Sie: Dieselben Probleme wie heute. (lacht) Wobei ich mich mit Ferndiagnosen gerne zurückhalte, kann man wohl sagen: dem HSV fehlt immer noch Kontinuität. Durch die stetigen Wechsel geht es dauernd auf und ab – und ehe man sich versieht, steht man auch mal ganz unten.

Dabei lief es in Ihrer erste HSV-Saison international ziemlich gut.
Absolut. Wir gewannen im Uefa-Cup gegen Teams wie den FC Porto oder Real Saragossa und schieden erst im Viertelfinale aus – trotz eines Auswärtssiegs bei Juventus Turin. In der Liga hielten wir hingegen mit Ach und Krach die Klasse. So ging es in meinen fünf Jahren ständig: Eine Saison später spielten wir mit Thomas Doll plötzlich um die Meisterschaft mit. Danach ging es wieder in den Abstiegskampf. Echte Konstanz habe ich nie erlebt. In meinen fünf Jahren beim HSV habe ich vier Trainer erlebt.
 
In der aktuellen Saison hat der HSV drei Trainer erlebt.
Es gab beim HSV in den vergangenen Jahren zahlreiche Baustellen. Die vielen Verletzten, die ständigen Spieler- und Trainerwechsel und diese Saison die Form von Topspielern wie Rafael van der Vaart, René Alder oder Heiko Westermann. Es ist doch schon bezeichnend, dass mit Hakan Calhanoglu ein 20-Jähriger und mit Pierre-Michel Lasogga ein 22-Jähriger die Hoffnungsträger für die Relegationsspiele gegen Fürth sind.
 
Auch Ihr anderer Ex-Klub Arminia Bielefeld steht vor einem Abstieg. Wie ist dort die Ausgangslage?
Es ist ja so: Der unterklassige Verein hat in solchen Spielen kaum etwas zu verlieren. Darmstadt etwa hat eine hervorragende Saison gespielt, in der Rückrunde ist die Mannschaft ungeschlagen geblieben. Daher wird Darmstadt  natürlich mit einem anderen Gefühl in diese beiden Relegationsspiele gehen als der Bielefeld. Ähnlich ist es bei der Partie Fürth gegen Hamburg. Der HSV hat ja in den letzten fünf Partien nicht mehr gewonnen.
 
Sie haben Mitte der Neunziger mit Arminia Bielefeld einen Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga gefeiert. Warum haben Sie sich die dritte Liga seinerzeit überhaupt angetan?
Das Angebot aus Bielefeld kam 1994. Damals spielte ich für den HSV in der Bundesliga und war 29 Jahre alt, also in einem guten Fußballalter. Das Angebot war also zunächst wirklich etwas irritierend. Warum sollte ich zwei Klassen runter gehen? Doch eines Tages fuhr mein Mannschaftskollege Jörg Bode runter und erzählte von den tollen Bedingungen und den großen Plänen der Arminia. Ich ließ mich überzeugen.
 
Die Sportbild schrieb damals: »Die Alm – eine Weide für Alt-Profis.« Bald spielten etliche ehemalige HSV-Stars in Bielefeld. Zufall?
Eine Kooperation oder dergleichen gab es jedenfalls nicht. Vermutlich war es wirklich Jörg, der den Stein ins Rollen brachte. Wenige Wochen nach ihm folgten Thomas Stratos, Thomas von Heesen, Fritz Walter und ich. Ein Jahr später kam noch Uli Stein. Wir hatten schnell eine großartige Mannschaft mit einem tollen Teamgeist. Der Aufstieg von der Regionalliga in die Zweite Bundesliga war einer der emotionalsten Momenten meiner Fußballkarriere – vermutlich noch bewegender als die Meisterschaft mit dem FC Bayern 1989.
 
Apropos FC Bayern: Als Sie Ende der achtziger Jahre beim FC Bayern spielten, hat Ihr damaliger Trainer Jupp Heynckes Sie immer wieder mit Wolfgang Overath verglichen. Warum hat es für die große Bayern- und Nationalelf-Karriere eigentlich nie gereicht?
Ich bin absolut zufrieden mit meiner Karriere. Für ein paar Länderspiele stand ich sogar auf Abruf bereit. Heute kann man viele Fragen stellen: Was wäre gewesen, wenn ich beim FC Bayern geblieben wäre? Was, wenn ich das Angebot von Leeds United angenommen hätte? Was, wenn ich mir am Ende meiner HSV-Zeit nicht den Kreuzband gerissen hätte?

Stellen Sie sich denn diese Fragen häufig?
Ach, nein. Letztendlich habe ich die Hochzeit meiner Karriere beim HSV verbracht, der damals eben wenig Nationalspieler rausgebracht hat. Doch es war trotzdem eine großartige Zeit mit tollen Leuten. Ich habe in Hamburg mit Dietmar Beiersdorfer eine meiner besten Fußballfreundschaften geschlossen. Und als ich zum HSV wechselte, war der Verein auch noch eine richtig große Nummer. Für mich war er gefühlt die Nummer zwei der Liga. Tja, lange ist’s her.

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