Arie van Lent vor dem Klassiker Gladbach–Bayern

»Borussia bleibt Dritter«

Arie van Lent war Liebling der Gladbacher Fans, Aufstiegsheld und Siegtorschütze gegen die Bayern. Wir sprachen mit ihm über die Gedanklosigkeit eines Stürmers, Favres Erfolgsgeheimnis und seinen neuen Job.

Arie van Lent, am 1. Spieltag der Saison 2001/2002 schlug Gladbach dank Ihres Treffers die Bayern mit 1:0. Können Sie sich noch an Ihr Tor erinnern?
Um ehrlich zu sein, ist die Erinnerung vor allem durch die vielen Videos präsent, die ich vom Tor gesehen habe. Ich lasse den Ball am Mittelkreis klatschen, gehe in die Tiefe und bekomme einen wunderbaren langen Ball von Marcel Witeczek. Und dann habe ich den Ball eben versenkt.

So einfach ist das?
Ja. Als Stürmer denkt man nicht lange nach, man zieht einfach ab, ohne sich vorher groß zu überlegen, ob man den Ball nun links oder rechts, hoch oder flach aufs Tor schießt. Damals passte alles, der Ball schlug knapp über dem Kopf von Oliver Kahn ein.

Gladbach war Aufsteiger und die Bayern hatte gerade die Champions League gewonnen. Hatten Sie sich vor dem Spiel überhaupt etwas ausgerechnet?
Für uns konnte es gar keinen besseren Auftaktgegner geben. Wir wussten, die Punkte gegen Abstieg müssen wir woanders holen. Die Bayern wussten, dass es zu Beginn einer Saison immer gefährlich sein kann, zu einem Aufsteiger zu fahren. Und die ganze Stadt stand vor dem Spiel Kopf vor Aufregung. Das waren optimale Voraussetzungen.

Gibt so ein Erfolg den viel gerühmten Push für einen erfolgreichen Saisonverlauf?
Ich denke schon. Vor der Saison weiß man ja grundsätzlich nicht, wo man steht, gerade als Aufsteiger. Und wenn man den Champions-League-Sieger überzeugend besiegt, gibt einem das schon Selbstbewusstsein. Und auch wenn wir im Anschluss nicht gerade eine Siegesserie hingelegt haben, hat es sicherlich bei den Rückschlägen, die eine Saison nun mal mit sich bringt, geholfen, um sich der eigenen Stärke zu versichern.

Über die eigenen Stärke müsste sich die aktuelle Mannschaft ja eigentlich keine Gedanken machen.
Absolut nicht! Da ist eine große Stabilität in der Mannschaft. Und das ist auch ihre größte Stärke. Man lässt sich nicht so schnell aus der Bahn werfen, egal, ob man mal in Rückstand gerät, oder ein Spiel verliert. Obwohl das in letzter Zeit ja zum Glück kaum vorgekommen ist.

Was trauen Sie dem Team im Saisonverlauf noch zu?
Natürlich kam der dritte Platz nach der Hinrunde etwas überraschend, aber keinesfalls unverdient. Schalke und Dortmund schwächeln ein bisschen, haben zudem die Mehrfachbelastung durch die Spiele in der Champions League und dem DFB-Pokal. Warum also sollte Gladbach nicht auch am Ende der Saison auf Platz drei stehen?

Welchen Anteil am Erfolg hat Lucien Favre?
Es ist ja für alle offensichtlich welche Entwicklung die Mannschaft unter ihm genommen hat. Und dass er ein absoluter Fachmann ist, ist unbestritten. Außerdem hat man den Eindruck, dass die Mannschaft ihm einfach vertraut. Und er sich umgekehrt auf seine Mannschaft, seinen Trainerstab und alle, die rund um das Team beschäftigt sind, verlassen kann.



Sie sind längst selbst Trainer. Nach Stationen in der 3. Liga trainieren Sie nun die U19 der Gladbacher. Können Sie sich beim Training von Lucien Favre noch etwas abschauen?
Ich schaue tatsächlich, sofern es möglich ist, bei jedem Training zu. So bin ich überhaupt wieder in Gladbach gelandet. Ich hatte bei Jürgen Klopp in Dortmund hospitiert und dann eben auch bei Lucien Favre. Zu der Zeit verließ der damalige Trainer der U19, Horst Steffen, den Verein in Richtung Stuttgarter Kickers. Und da ich gerade da war, hat man sich wohl gedacht: Dann können wir doch gleich Arie fragen.

Ist die U19 nicht ein Rückschritt im Vergleich zu Ihren vorherigen Stationen Kickers Offenbach und LR Ahlen?
Es können nicht alle in der ersten Liga Trainer sein. Zumal der Unterschied zwischen dritter Liga und der U19 eines ambitionierten Bundesligisten nicht sehr groß ist. Bisher habe ich die Entscheidung jedenfalls keine Sekunde bereut.

Worauf legen Sie mehr Wert: Auf die fußballerische Entwicklung ihrer Spieler oder den sportlichen Erfolg?
Beides ist wichtig, auch im Jugendbereich. Wenn es sportlich läuft, lässt es sich einfacher arbeiten. Wir sind momentan Zweiter in der U19-Bundesliga, da sind die Jungs noch empfänglicher für Anregungen, weil sie sehen, dass es zu etwas führt.

Ihr Co-Trainer ist Oliver Neuville. Wie läuft die Zusammenarbeit?
Das funktioniert wirklich super. Oli ist ein positiver Typ und macht seine Sache richtig gut. Wir verstehen uns hervorragend, diskutieren auch viel. Aber die Entscheidungen treffe am Ende natürlich ich (lacht).

Zurück zu den Profis. Am Samstag treten Ihre Nachfolger zum Rückrundenauftakt gegen die Bayern an. Ihr Tipp?
Man hat schon das Gefühl: Eigentlich sind die Bayern nicht zu schlagen. Auf der anderen Seite war Borussia in der Hinrunde mit acht Siegen und nur einem Unentschieden eine absolute Heimmacht. Ich bin also zuversichtlich: Gladbach gewinnt mit 2:1.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!