25.04.2008

Antonio da Silva im Interview

»Träumen kann man viel«

Nach der sensationellen Meisterschaft 2007 rutschte der VfB Stuttgart in die Krise – und mit ihm Spielmacher Antonio da Silva. Wir sprachen mit ihm über die Ursachen, den langen Weg zurück zur Topform und seinen Traum von der »Selecao«.

Interview: Gereon Detmer Bild: Imago
Herr da Silva, Sie sind in Rio geboren, haben bei Flamengo Rio de Janeiro angefangen, Fußball zu spielen, sind dann nach Deutschland gekommen und haben beim TSC Pfalzel und Eintracht Trier gespielt. Nach einem erneuten Aufenthalt in Rio sind Sie über die Sportfreunde Eisbachtal nach Frankfurt gekommen. Wie kam es zu dieser Odyssee?

Das hatte familiäre Gründe. Meine Mutter ist damals nach Deutschland gekommen, um hier zu arbeiten. Sie wurde dann arbeitslos, und wir sind dann nach Brasilien zurückgegangen. Nach einiger Zeit sind wir nach Deutschland zurückgekommen. In Brasilien habe ich bei einem größeren Verein gekickt als in Deutschland. Ich war hier natürlich nicht besonders bekannt und wollte eigentlich auch nur ein bisschen Fußball spielen, um mich mit Land und Leuten bekannt zu machen. Ich hatte einfach nicht die Ambition, in Deutschland direkt zu einem großen Verein zu gehen.



Sie haben in der Jugend also überwiegend bei kleineren Vereinen gespielt. Die klassische Karriere eines Straßenfußballers?

Ja, natürlich. Es ist doch klar, dass jeder Jugendliche erstmal auf der Straße anfängt. Man hat einfach jede Gelegenheit wahrgenommen, um auf dem Bolzplatz oder auf der Straße, je nachdem wo Platz war, zu kicken. Das war der Beginn meiner Karriere.

Also auch einer von denen, die die Hausaufgaben links liegen ließen, um schnell auf den Bolzplatz zu kommen?

Genau. (lacht)

Bei Eintracht Frankfurt haben Sie in ihrem ersten Anlauf den Sprung zum Profi nicht geschafft. Woran hat das gelegen?


Frankfurt war damals aus der ersten Liga abgestiegen und wollte möglichst schnell den Wiederaufstieg schaffen. Dementsprechend war der Kader qualitativ gut besetzt. Es war auch schwer, weil der damalige Trainer (Anm.: Horst Ehrmanntraut) auf die älteren Spieler gesetzt hat. Als junger Spieler war es sehr schwer, sich zu dieser Zeit dort durchzusetzen.

War es nicht deprimierend, in die Regionalliga wechseln zu müssen (zum SV Wehen, Anm. d. Red.)?

In Frankfurt war es eher deprimierend. Ich war noch jung, wollte unbedingt Fußball spielen und musste den nächsten Schritt machen. Es hätte mir ja nichts gebracht, wenn ich bei der Eintracht geblieben wäre und dort nur auf der Tribüne gesessen hätte. Ich wollte unbedingt zeigen, was ich drauf hatte. Das war der Grund für den Wechsel.

War der Aufstieg mit Mainz 05, an dem Sie entscheidenden Anteil hatten, eine besondere Genugtuung für Sie?


Es hat ja sehr lange gedauert, bis ich im Profifußball wieder Fuß fassen konnte. Ich war lange in Wehen. Als mein Vertrag dort auslief, wusste ich, jetzt muss ich langsam Gas geben, um den Sprung nach oben noch zu schaffen. Das habe ich dann auch gemacht. In Mainz lief dann alles sehr positiv für mich. Trainer Jürgen Klopp hat mir direkt das Vertrauen ausgesprochen, und dann sind wir auch noch aufgestiegen.

Beschreiben Sie doch bitte einmal den Trainer Jürgen Klopp.


Dafür, dass Jürgen Klopp praktisch direkt vom Spielfeld auf die Trainerposition gewechselt ist, hat er sehr viel Wissen mitgebracht. Er ist ein Trainer, der sehr viel mit den Spielern spricht und jedem einzelnen das Gefühl gibt, ein Bestandteil der Mannschaft zu sein. Es ist unglaublich, wie Klopp einzelne Spieler und die Mannschaft motivieren kann.

Was unterscheidet ihn von anderen Trainern?

Seine Lockerheit und die menschliche Art. Auf der einen Seite ein Freund zu sein, aber auf der anderen Seite auch die nötige Härte mitzubringen. Es passt einfach bei ihm – sowohl menschlich als auch als Trainer.

Kommen wir in die Gegenwart: Warum lief es zu Beginn der Saison so schlecht für den VfB Stuttgart?

Dafür gab es mehrere Gründe. Wir hatten insbesondere zu Saisonbeginn großes Verletzungspech. In der Folge haben die Neuzugänge etwas länger gebraucht, um sich in die Mannschaft zu integrieren. Und natürlich hat nach den ersten negativen Ergebnissen das Selbstvertrauen gefehlt.

Ist man nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft vielleicht zu überheblich in die neue Saison gestartet?

Natürlich können andere auf den Gedanken kommen – die sind jetzt deutscher Meister und werden überheblich. Aber das war nicht der Fall. Wir haben immer gut gearbeitet, auch vor der Saison im Trainingslager. Die anderen Mannschaften sind immer ganz besonders motiviert, wenn sie gegen den deutschen Meister spielen. Das haben auch wir zu spüren bekommen.

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