07.07.2013

Antiheld Pat Nevin über Fußball und Kultur

»Nachtklubs? Ich ging lieber ins Theater!«

Als Antiheld gefeiert, spielte Pat Nevin in den Achtziger-Jahren für den FC Chelsea und FC Everton. Für unsere Spezialausgabe »Die Rebellen des Fußballs« sprachen wir mit ihm über Konzerte der Cocteau Twins, Eric Cantona und die Kommerzialisierung des geliebten Sports.

Interview: Christoph Biermann Bild: Bulls Press

Antiheld Pat Nevin über Kunst und Fußball
»Nachtklubs? Ich ging lieber ins Theater!«

Pat Nevin, auf den Fotos hier von Ihnen aus den achtziger Jahren ...
... sehe ich nicht wie die anderen Fußballspieler von damals aus.

Man würde eher denken, dass sie bei »Echo & The Bunnymen« oder »Joy Divison« spielen als bei Chelsea auf Rechtsaußen. Wollten Sie sich von Ihren Kollegen abgrenzen?
Nein, ich habe so ausgesehen, weil mir das entsprach. Ich mochte diese Bands damals sehr, und Musik war sowieso immer meine erste Liebe.

In den ganzen fast 20 Jahren Ihrer Karriere als Fußballprofi?
Ja, bis heute. Für mich kam zuerst die Musik und dann Fußball. Ich habe sogar mal bei einer Vertragsunterzeichnung noch einen Konzertbesuch ausgehandelt. Der Manager von Chelsea hatte fallengelassen, dass es ein paar Tage später ein Testspiel geben sollte. Da habe ich gesagt, ich würde nur unterschreiben, wenn ich nach der ersten Halbzeit gehen könnte. Er hat gefragt, warum. Als ich ihm erklärt habe, dass ich unbedingt das Konzert der »Cocteau Twins« sehen wollte, hat er gesagt: »Du hast echt ’ne Macke, unterschreib da!« Beim Konzert hatte ich noch mein Trikot unterm Mantel an. Ich bin auch freitagsabends vor Spielen zu Konzerten gegangen, obwohl das nicht erlaubt war. Aber mir ging’s nicht ums Trinken, ich wollte die Bands sehen.

Ist das nie rausgekommen?
Nein, weil ich ein Leben geführt habe, in dem es keine Überschneidungen zum Fußball gab. Wenn ich ins Theater, ins Kino oder zu Konzerten gegangen bin, hat mich kaum jemand erkannt. Man darf nicht vergessen, dass damals nur wenige Fußballspieler große Stars waren und viel Geld hatten.

Öffentlich bekannt waren Ihre Vorlieben für Indiebands, Theater und Literatur aber schon. Sie waren der Liebling der Fanzine-Kultur.
Aber das ist doch ganz einfach zu verstehen: Ich war einer von ihnen, nur, dass ich noch professionell Fußball gespielt habe. Viele Fanzine-Macher kamen wie ich von der Musik, und ich habe selbst für Musik-Fanzines geschrieben und unter anderem Namen Konzertberichte für den »New Musical Express«.

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