Anthony Baffoe über Hexerei und Elfmeterschießen

»Ein Gefühl der Leere«

Am Sonntag holte Sambia den Afrika-Cup, weil die Elfenbeinküste mehrfach vom Punkt scheiterte. Wir sprachen einst mit Anthony Baffoe über seinen vergebenen Elfmeter im Finale von 1992 und einen verhexten Torhüter. Anthony Baffoe über Hexerei und ElfmeterschießenImago

Anthony Baffoe, die DFB-Kulturstiftung ließ für die WM 2006 einen Film über das Thema »Fußball und Witchcraft in Afrika« drehen. Wie abergläubisch sind Afrikaner wirklich?

Anthony Baffoe: Die Spieler in Afrika haben einen starken Glauben, und das hat nichts mit Spielern in Europa zu tun, die sich immer den linken Schuh zuerst zuschnüren. Fast jeder afrikanische Verein beschäftigt einen Hexenmeister, so wie es in Deutschland bei jedem Profiklub einen Masseur gibt. Dieser Oberpriester sagt dann halt auch mal ein Tor für das nächste Wochenende voraus. Und wenn diese Vorhersage dann eintrifft, wird der Glaube an ihn natürlich noch stärker.

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1991 bis 1994 sind Sie als Nationalspieler für Ghana aufgelaufen. Was haben Sie damals mitbekommen?

Anthony Baffoe: Ich habe nur traditionelle Sachen erlebt, zum Beispiel dass ein Priester für uns gebetet hat, bevor wir zu einem Spiel geflogen sind. Die Muslimen hatten einen Imam, der für sie gebetet hat. Dass aber auch mal jemand etwas geschlachtet hat, habe ich nicht mitgekriegt.

1992 haben Sie das Endspiel im Afrika-Cup erreicht und erst mit 10:11 im Elfmeterschießen verloren. Sie musste zweimal schießen, haben den ersten verwandelt und den entscheidenden verschossen. Wie haben Sie das damals selbst erlebt?

Anthony Baffoe: Ich habe danach auf Englisch gesagt: »My soul was empty!« Es war ein minutenlanges Gefühl der Leere, das mich überfiel. Ich habe mir dann aber überlegt, dass es besser war, dass ich verschossen habe, als irgendein junger Spieler. Und der Fehlschuss hat mich in Afrika wohl sogar noch bekannter gemacht als vorher. Ich habe aber auch danach weiter Elfmeter geschossen – und verschossen (lacht). Ich verstehe es aber bis heute nicht: Den ersten hatte ich ja locker verwandelt.

Ihre Landsleute hatten schon vorher auf der Gegenseite Zaubermittel ausgemacht.

Anthony Baffoe: Ich wurde vor dem Finale eindringlich gewarnt, dass der Torwart der Elfenbeinküste irgendwas in seiner Tasche hätte. Ich bin dann vor dem Spiel zusammen mit dem Schiedsrichter zu ihm hin und habe seinen Kulturbeutel kontrolliert – aber wir haben nichts gefunden. Er hatte halt im ganzen Turnier kein Tor kassiert, und da denkt man in Afrika immer schnell an Voodoo.

Wie wird dieses Thema von den afrikanischen Medien behandelt?

Anthony Baffoe: Dort wird eher über andere afrikanische Besonderheiten geschrieben. Ich habe zum Beispiel einmal gelesen, dass man die Spieler der Elfenbeinküste zwei, drei Tage lang in ein Militärlager eingeschlossen hat. Der einzige Grund war, dass sie nicht so gut in der WM-Qualifikation abgeschnitten hatten.

Bei der WM 1974 ließ der damalige zairische Staatspräsident neun Hexenmeister einfliegen, als Konditionstrainer, Physiotherapeuten und Betreuer getarnt. Zaire hat trotzdem 0:9 gegen Jugoslawien verloren.

Anthony Baffoe: Wenn ich so eine Witchdoctor-Fraktion mal treffen würde, wäre meine erste Frage immer, warum bis heute kein afrikanisches Team Weltmeister geworden ist. Wenn das Brimborium der Mannschaft aber hilft und mit legalen Mitteln vonstatten geht, warum nicht?

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